Samstag, 26. Oktober 2013

The Lifeboat




» In einem Boot « 



Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst 


336 Seiten 
ISBN 978-3-8390-0150-9 
Hardcover 


18,95 € 






Damit die einen überleben, müssen die anderen sterben.

Grace ist frisch verheiratet mit Henry Winter, einem jungen Mann aus reichem Hause, als sie sich am Vorabend des ersten Weltkriegs auf der Zarin Alexandra einschifft. Doch nach einer mysteriösen Explosion sinkt der Ozeandampfer, und Henry erkauft seiner Frau einen Platz in einem Rettungsboot.
Den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, treibt das überladene Boot wochenlang auf offener See. In einer Atmosphäre aus Misstrauen und unterdrückter Aggression stellen sich existentielle Fragen.

Sollen die Stärkeren sich opfern, damit die Schwächeren überleben können? Oder besser umgekehrt? Wer darf das entscheiden? Und sitzt Grace überhaupt zu Recht in diesem Boot?
Grace überlebt die Katastrophe, findet sich aber Wochen später vor einem Gericht in New York wieder. Die Anklage lautet auf Mord.


LESEPROBE!





Meine Meinung:
"The Lifeboat" was übersetzt heißt "Ein Rettungsboot" hätte mir als Titel ein klein wenig besser gefallen, als die deutsche Übersetzung. Natürlich befinden sich hier Menschen nach einem Schiffsbrand "in einem Boot", aber ich finde es nicht aussagekräftig genug, eher langweilig. Ein Boot welches dazu führt, das sich Menschen verändern und um ihre eigene Haut zu retten eines Mordes fähig werden muss einen doch einen Titel haben, der sich absondert und Menschen auf sich aufmerksam macht oder nicht?
. Der Autorin gelingt es ihre Leser vollkommen in den Bann zu ziehen. Nicht, weil die Spannung überwiegt, sondern aus psychologischer Sicht. Wir haben hier keinen Krimi oder Thriller, sondern ein Buch, welches uns knallhart vor Augen führt, wie Menschen ums überleben kämpfen. Es hat ein wenig von Titanic und Life of Pi und ist denen auch ein klein wenig ähnlich, obwohl es letztendlich doch ganz anders ist. Ich fühlte mich beim Lesen oft herausgefordert meine Gesinnung zu überdenken. Wäre ich fähig jemanden aus dem Boot zu werfen, weil es von mir erwartet wird? Wäre ich diejenige, der irgendwann alles egal wird und ich mich einfach nur noch an das Überleben klammere? Was würde Hunger und Durst aus mir machen? Würde auch ich meine menschliche Seite verlieren? Würde ich an einem Kind vorbeifahren können ohne sein Leben zu retten, da das Rettungsboot schon völlig überladen ist? Würde ich mit dieser Schuld leben können? Wäre ich vielleicht diejenige, die freiwillig über die Planken geht?
Gleich zu Anfang begegnet uns Grace aus einer Gefängniszelle heraus und erzählt uns nach und nach ihrer Geschichte. Die Geschichte springt hin und her und als Leser erwartet mich jede Menge an Gefühlsregungen, die mir als teilnahmsloser und stummer Leser wirklich nah gehen. Ich kann die Verzweiflung förmlich spüren. Nur die Vorstellung in einem Boot zu sitzen und den Naturgewalten ausgesetzt zu sein macht mir richtig Angst. Ob ich ein Schiff wie die Zarin Alexandra besteigen werde als Passagier ist also fraglich, denn ich werde bei dem Gedanken daran schon seekrank. Wochenlang auf offener See in einem Rettungsboot ohne die Gewissheit, ob meine Familie überlebt hat, grenzt an Grauen und dem Gefühl der Ohnmacht.
Charlotte Rogan bedient sich einer Sprache, die mich wirklich anspricht und mich mitten in dem Boot sitzen lässt. Vollkommen schutzlos und ängstlich. Es hat mir wirklich gefallen, auch wenn ich hier und da doch etwas anderes erwartet hatte als ich mich für die Leserunde auf Lovelybooks.de bewarb. Das Buch liest sich gut und konnte mich wirklich mitreißen. Wenn man sich darauf einlassen kann, erfährt man schnell wie der Mensch tickt und wie wertlos plötzlich das Leben anderer wird, wenn man sein eigenes Leben gefährdet sieht. Diese Erkenntnis ist mir eine Leseempfehlung wert!



1 Kommentar:

  1. Hallo Mel,

    es freut mich wirklich, dass du am Ende eine Leseempfehlung gibst! Ich habe schon einige negative Rezensionen zum Buch gelesen. Irgendwie scheint es aber nicht an dem Buch selbst, sondern mal wieder an den Erwartungen zu liegen, die im Vorfeld geschiert wurden oder sehe ich das falsch? Ich werde auf jeden Fall mal zugreifen, wenn mir das Buch über den Weg läuft. Dein Fazit hat mich überzeugt.

    LG
    Anja

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