Donnerstag, 31. Januar 2013

Maikäfer flieg .............






Gina Mayer

Das Maikäfermädchen

Klappenbroschur, 368 Seiten
Rütten & Loening
978-3-352-00843-6

16,99 €







Verlag: Aufbau


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„Maikäfer flieg – der Vater ist im Krieg“ 
Sommer 1945. Deutschland liegt in Trümmern, von Düsseldorf sind nur noch Ruinen übrig. Die Hebamme Käthe Mertens leidet unter der Trennung von ihrem Mann Wolf, der im Krieg verschollen ist. Eines Nachts taucht eine junge Frau bei ihr auf. Ingrid ist schwanger und völlig verstört. Sie will Käthe nicht sagen, wer der Vater ihres Kindes ist, sondern summt immer nur die Melodie von „Maikäfer flieg“. Käthe zögert nicht lange, sie hilft Ingrid, indem sie in einer halb zerstörten Arztpraxis eine Abtreibung vornimmt. Ingrid verschwindet nach dem Eingriff spurlos, aber wenige Wochen später erscheint ein anderes junges Mädchen bei Käthe, das ebenfalls schwanger ist. Zusammen mit ihrer Freundin Lilo beschließt Käthe, bedrängten Frauen zu helfen – trotz der Gefahr, als „Engelmacherin“ im Gefängnis zu landen. Dann taucht Ingrid wieder auf, erneut schwanger, und beginnt Käthe zu erpressen. Die berührende Geschichte zweier Frauen im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland – ein Roman über Suche, Wahrheit und die Kraft, sein Leben zu meistern.


Gina Mayer, geb. 1965, studierte Grafik-Design und arbeitete danach als freie Werbetexterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit 2006 hat sie eine Vielzahl an historischen und zeitgeschichtlichen Romanen für Erwachsene und Jugendliche veröffentlicht. Viele ihrer Bücher spielen in ihrer Wahlheimat Düsseldorf, wo Gina Mayer mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt.



Meine Meinung:
"Das Maikäfermädchen" wurde mir freundlicherweise als Wanderbuch zur Verfügung gestellt. Es stand schon lange auf meiner Wunschliste, denn Romane über die Nachkriegszeit interessieren mich wirklich sehr und ich habe schon einige Schätze entdecken können.
Schonungslos berichtet die Autorin über den Wiederaufbau, die Armut und den Hunger. Dinge, die Menschen auch gegen ihre Überzeugungen, ihren Glauben tun müssen um zu überleben, denn das Leben was sie vorher kannten ist vorbei. Zerstört durch die Nazis. Immer mehr Wahrheiten kommen ans Licht über die Judenverfolgungen und auch die Experimente an Menschen. Natürlich weiß man es, aber es erneut zu lesen jagte mir einen echten Schauer über den Rücken.
Abtreibungen kommen in meinem Leben nicht vor, dennoch habe ich vollstes Verständnis für die Frauen, die sich an Käthe wenden um das ungewollte Kind loszuwerden. Ein Kind welches durch Vergewaltigung entstanden ist oder auch ein Kind, welches nicht ernährt werden kann, da es für den Rest der Familie nichts zwischen die Zähne gibt? Die Nachkriegszeit ist ein Kampf ums nackte Überleben und auch wenn ich Abtreibungen normalerweise nicht nachvollziehen kann, da es in unserer Zeit oft aus Bequemlichkeit geschieht, habe ich hier beim Lesen keinesfalls den Stab darüber brechen, sondern leide mit den Frauen die in Not geraten sind. Natürlich nicht bei allen, das ist ja klar, aber bei einigen war es wahrscheinlich doch das Beste. Die Frauen hatten nichts zwischen den Zähnen und mussten hart arbeiten um überhaupt ein ganz klein wenig zu essen zu bekommen. Es gab nichts und wenn es was gab, dann musste man stundenlang anstehen und wenn man dann vielleicht dran war, war es schon ausverkauft. Geld war nichts wert, aber wer Zigaretten hatte konnte sie eintauschen. Der Schwarzmarkt blühte!
Es war interessant eine "Engelmacherin"  bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Das Wort "Engelmacherin" kenne ich noch von meiner Oma, aber damals habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, was es bedeuten könnte. Heute bin ich natürlich um einiges schlauer und messe dem Wort "Engelmacherin" natürlich eine andere Bedeutung bei als ich es als Kind tat, denn damals fand ich das Wort schön. Heute stößt es mich dann doch eher ab, obwohl ich wie schon erwähnt, ein klein wenig Verständnis für die Frauen der damaligen Zeit habe.
Käthe selbst lässt es nicht kalt und es ist schon bewusst was sie da tut und wenn das Kind schon ausgebildet ist, ist es doppelt schlimm. Am Anfang ist es der Hunger, der Käthe dazu treibt Kinder zu töten, hinterher ist es Lilo, die darin ein Wahnsinnsgeschäft wittert. Letztendlich kann es aber nicht gut gehen, wenn das schlechte Gewissen quält und eine Frau den täglichen Kampf führt ein ungeborenes Leben zu zerstören, obwohl sie als Hebamme doch dem  Leben auf den Weg helfen sollte. Ich fand es spannend die Gedankengänge besonders von Käthe mitzuerleben. Lilo mochte ich jetzt nicht so, ihre Art fand ich eher unangenehm. Dennoch sind beide Frauen in ihrer Art, ihrem Wesen sehr interessant.
Ein ganz anderes Buch und doch so lesenswert, das es man es kaum aus den Händen zu legen mag. Nicht mal 24 Stunden habe ich gebraucht um die 368 Seiten zu lesen, weil ich mir auch tagsüber Lesezeit verordnet hatte.
Man misst der Nachkriegszeit einfach eine ganz andere Bedeutung bei, wenn man sich dem Buch hingibt und sich darauf einlässt. Ich habe viel Neues, wenn auch teilweise Entsetzliches entdecken können, aber es zeigt einfach auch, wie viel Leid und Grauen diese Zeit in sich verpackt hatte. Gelitten haben sie alle, die Juden, die Frauen, Kinder und auch die Männer die in den Krieg ziehen mussten. Das Grauen, die Schreckensbilder loszuwerden fällt nicht leicht und vielleicht ist das der Grund warum meine Großeltern  nur selten über den 2. Weltkrieg erzählt haben? Meine Oma war ein Kind und mein Opa ein Soldat in Gefangenschaft in England, aber sie haben überlebt und sich dem Wiederaufbau widmen können. Gut ist, wenn wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen können, das so etwas Entsetzliches nie wieder geschehen wird.

Von mir eine Leseempfehlung!

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