Montag, 7. März 2022

Berührt mich bis ins Mark

 


Laetitia Colombani

"Das Mädchen mit dem Drachen" ist ein weiteres Buch der Autorin, welches mir sehr zugesagt hat, da ich den hohen Wahrheitsgehalt zwischen den Zeilen lesen konnte. Sehr gut gefallen hat mir auch das Cover, welches optisch sehr gut zu den vorherigen Büchern der Autorin passt. 

Die Missstände in Indien in Bezug auf Mädchen ist mir bekannt und es schmerzt mich immer wieder, wie wenig Rechte Mädchen oder auch junge Frauen haben. Es geht nicht allein um die fehlende Schulbildung oder Kinderarbeit, sondern um die Tatsachen des Missbrauchs oder Kinderehen. Die Ermordung von Babys, die als Mädchen geboren werden und für die Eltern den finanziellen Ruin bedeuten würden, ist hier kein Thema und dennoch klingt es in mir nach. 

Der Autorin gelingt es wie in "Der Zopf" und auch "Das Haus der Frauen" Tabuthemen in einen Roman zu packen und mich damit wirklich zu schockieren. Wenn ich mein Leben als Frau betrachte, finde ich sicherlich das eine oder andere, was vielleicht nicht passt, aber es ist Meckern auf hohem Niveau. Ich habe Bildung erhalten, auch wenn ich zu dem Zeitpunkt eher undankbar darüber war, zur Schule zu müssen. Ich bin krankenversichert. Ich durfte mir meinen Mann selbst aussuchen und wurde nicht schon mit 12 Jahren verheiratet. Ich habe Religionsfreiheit und bin nicht in die untere Kaste hineingeboren, was bedeutet, dass ich nicht zu den Unberührbaren und Ausgestoßenen der Gesellschaft zähle. Dieses erneut vor Augen geführt zu bekommen, war in diesem Moment wertvoll für mich. 

Insgesamt ist "Das Mädchen mit dem Drachen" ein Roman, dem ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen möchte. Es ist ein rundum ehrliches Buch, welches vieles anspricht, was mir unbekannt war, aber eben auch hier und da Begebenheiten oder auch Gepflogenheiten in Erinnerung ruft, die wir uns in unserem Kulturkreisen unschwer vorstellen können. Es ist ein Buch der Hoffnung und Neuanfänge. Im Prinzip nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber irgendwer muss ja den Anfang machen, um auf Missstände aufmerksam machen oder eben wie die Protagonistin Lena eine Schule gründen, um sich selbst zu heilen. Ihr eigenes trauriges Schicksal macht sie offen für die Welt um sie herum, was nicht heißen soll, dass wir alle durch schwere Zeiten gehen sollten, um uns neue Blickwinkel zu verschaffen. 

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S. Fischer

ISBN: 978-3-10-397490-4

22€



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