Montag, 21. Mai 2018

Vergebung erzeugt echte, wahre Liebe



Rosie Walsh

Ohne ein einziges WortRoman
GOLDMANN
Stell dir vor, du begegnest einem Mann, einem wundervollen Mann, und verbringst sieben Tage mit ihm. Am Ende dieser Woche bist du dir sicher: Das ist die große Liebe, und es geht ihm ganz genauso. Zweifellos. Dann muss er verreisen und verspricht dir, er meldet sich auf dem Weg zum Flughafen. Aber er ruft nicht an. Er meldet sich gar nicht mehr. Deine Freunde raten dir, ihn zu vergessen, doch du weißt, sie irren sich. Irgendetwas muss passiert sein, es muss einen Grund für sein Verschwinden geben. Und nun stell dir vor, du hast recht. Es gibt einen Grund, aber du kannst ihn nicht ändern. Denn der Grund bist du.







"Ohne ein einziges Wort" ist eine Liebesgeschichte, die definitiv anders ist. Sie verwirrt, schmerzt und hinterlässt mitunter einen bitteren Beigeschmack. Die Autorin verschleiert zunächst Tatsachen, die den Lesefluss nicht beeinträchtigen, aber die Leser auf eine völlig falsche Fährte führen. Dieses ist sehr geschickt, denn es wirft ein völlig falsches Bild auf Eddie. Dieser trägt schon sehr lange eine Last mit sich herum und dieses bricht erneut auf, nachdem er erkennt, wer Sarah wirklich ist. Ich habe ihn zunächst als sehr oberflächlich wahrgenommen, da er trotz Anrufen und diversen Nachrichten nicht reagiert. War Sarah für ihn nur eine kurze Liebelei oder steckt noch mehr dahinter? Der Klappentext verrät einiges und dennoch ist alles ganz anders als es auf den ersten Blick erscheint. Ich war sehr überrascht über die tiefe der Gefühle, die sich nach und nach entwickeln können, was dem Roman die Oberflächlichkeit einer Liebesschnulze nimmt, da es viel tiefere und emotionalere Auswirkungen hat, als zuerst vermutet. Es entwickelt sich erst spät zu einem Wohlfühlroman, da erst einige Hürden genommen werden müssen. Diese Hürden beziehen komplett Familien mit ein, die schmerzlich an ihren Erinnerungen hängen und sich einen Puffer für den Schmerz suchen mussten. Es ist mitunter doch erbärmlich, wie wir Menschen verarbeiten, ohne uns professionelle Hilfe zu suchen. Vergebung ist in "Ohne ein einziges Wort" wirklich angemessen, um den weiteren Verlauf der Story ändern zu können. So schmoren alle weiterhin in ihrem eigenen Saft, ohne die Geschichte des "Damals" zu hinterfragen. Familien gehen auseinander oder verlieren sich in Sucht oder Suizidgedanken. Loslassen wäre hier die Devise, wobei dieses natürlich leichter gesagt ist als ausgeführt. Man sucht immer nach einem Schuldigen für Leid, oder?

Der Roman ist definitiv anders als erwartet, dennoch konnte er mich überzeugen, da er emotional wirklich ganz gewaltig auf mich wirken konnte. Das Cover vermittelt Romantik, die im Buch aber erst spät zu entdecken ist, wobei der Anfang der Story auf echte, wahre Liebe hinweist, die dann in Tausende von Scherben endet. Warum meldet sich Eddie nicht? Er bricht jeglichen Kontakt zu Sarah ab, was ich wirklich als unfair empfunden habe, wobei sein Verschwinden ohne ein einziges Wort der Erklärung sehr zum Titel des Romans passt. Ein gelungenes Auf und Ab der Gefühle mit vielen Irrungen und Wendungen, die überzeugen konnten. Sehr gerne eine Leseempfehlung!

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