Sonntag, 20. Dezember 2020

Audrey und Eve - Eine Freundschaft

 


Lynn Austin

"In den Schuhen einer anderen" ist ein Roman, der mich mitnahm in die Schrecken des Krieges, welcher ungeschönt und gut recherchiert sehr viel Raum einnimmt. Viele Begebenheiten sind geschichtlich untermalt und daher absolut glaubwürdig. Die beiden Protagonistinnen Eve und Audrey lernen sich schon als Kinder kennen, wobei die eine in Armut lebt, während die andere zwar genügend Geld zur Verfügung hätte, aber in einem sehr lieblosen Haushalt aufwächst. Beide beneiden die jeweils andere, um das, was sie nicht besitzen und es zeigt sich mehrfach, das auch Geld nicht glücklich macht. Für Audrey, die auf Rosen gebettet wird, ist es die fehlende Liebe und Anerkennung der Eltern, während Eve lange nicht zu schätzen weiß, wie wunderbar Mutterliebe sein kann. Hinzu kommt der Glaube an den Guten Hirten, der sie seit ihrer Kindheit begleitet. Der Glaube ist es, den Lynn Austin hier vermittelt, wobei die eine ihn verliert und die andere ihn gewinnt. Beide Frauen führen ihre eigenen Kämpfe und nicht immer sind die Wege einfach, was zählt ist eine tiefe Freundschaft, die irgendwann oberflächlich durchwirkt wird, da nicht immer alles in Wahrheit begründet wurde. Es zeigt sich, das Lügen irgendwann aufgedeckt werden und auch, wenn es auf mich konstruiert und aufgesetzt wirkte, zeigt es doch, das Vergebung und Heilung möglich sein kann. 
Gelungen ist definitiv die Einblicke in die Gepflogenheiten der 30er und 40er Jahre in England, dessen Wirtschaft, das Leben innerhalb der Aristokratie und Arbeiterklasse. Während des Krieges gab es keine Unterschiede mehr zwischen Arm und Reich, da jeder um sein Überleben kämpfen musste. Audrey und Eve lassen sich ausbilden, um Mitgliederinnen des Frauenkorps zu werden. Die Luftangriffe auf London werden dadurch noch um einiges deutlicher unterstrichen. 
Auch die Liebe kommt nicht zu kurz und gerade für Eve stehen viele wichtige Entscheidungen an. Für Audrey hingegen erscheint es eher einfach, da ihr Herz für einen jungen Amerikaner schlägt, dessen Frau sie letztendlich wird. Sie scheint ihr Glück gefunden zu haben und wieder einmal ist es Eve, deren Neid ihr im Wege steht. In ihren Augen hat Audrey all das, was sie niemals besitzen wird. Eve trifft einige Entscheidungen, die im Prolog angerissen wurden, aber bis zum letzten Drittel des Romans keinerlei Bewandtnis hat und schnell in Vergessenheit gerät, da so viele Seiten dazwischenliegen. Ein Überraschungseffekt bleibt somit aus, wobei Vermutungen schon alleine durch den Titel des Romans entstanden waren.
Insgesamt ist "In den Schuhen einer anderen" ein Roman, der mich nachdenklich stimmt, da ich mich frage, inwieweit wäre ich bereit zu verzichten, zu vergeben und somit echte Liebe ausdrücken können? Lynn Austin überzeugt nicht komplett mit ihren Aussagen, die zwischen den Zeilen zu finden waren, gibt mir aber Einblicke in einen tiefen Glauben, der sehr herausfordert. 
Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, da mir vieles im Roman sehr gefallen hat. Das Ende ist mir wie ein schönes Märchen erschienen, da ich vermute, das die Reaktionen letztendlich komplett anders aussehen würden. als hier dargestellt. 


weitere Details des Romans:
444 Seiten
ISBN: 978-3-96362-185-7
19,99€

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