Sonntag, 31. Mai 2020

Harte politische Fakten in einer soliden Erzählung


Titus Müller

Die goldenen Jahre des Franz Tausend


Hardcover mit Schutzumschlag, 384 Seiten, ISBN: 978-3-89667-617-7, BLESSING, 20€




Zunächst muss ich anerkennen, das sich der Autor sehr genau mit dem vertraut gemacht hat, welches er nun in Buchform verfasst hat und dazu verdient er Respekt und Anerkennung. Kritisch betrachten möchte ich allerdings das Cover, den Buchtitel und den Klappentext, da Franz Tausend hier eher eine blasse Nebenrolle spielt. Er bleibt nicht unerwähnt, aber er ist nicht Hauptakteur, da er von Thomas Mann und Carl von Ossietzky gekonnt abgelöst wird. Der Schreibstil ist gekonnt der damaligen Zeit angepasst und auch wenn die Story sehr hochwertig inszeniert wurde, lassen sich die fast 400 Seiten mühelos lesen und verstehen. Es weckt mein Interesse, da das politische Geschehen der damaligen Zeit, in der die NSDAP entsteht und sich vieles im Umbruch befindet gekonnt wiedergegeben wird, hinzu kommen die Wehrmacht und das Grauen, welches dadurch entstanden ist und der Person des Carl von Osssietzky bitter mitspielt. Niemand darf seine Meinung frei äußern, ohne sich in Gefahren zu begeben. Es spiegelt das Verhalten der Menschen gekonnt wieder und gibt schonungslos und authentisch wieder, wie sich die politische Lage verändert und dem Drang des Menschen Wahrheiten ans Licht zu bringen, auch wenn man sich dabei selbst treu bleiben muss, wenn auch die Angebote für eine Lüge ein besseres Leben versprechen würden. 
Für mich ist "Die goldenen Jahre des Franz Tausend" nicht nur ein Roman, sondern mitunter auch ein Krimi, da sich eine gewisse Hochspannung definitiv nicht leugnen lässt. Die verschiedenen Erzählperspektiven, die der Autor wählt, dienen einem flüssigen Lesevergnügen, zumal Personen, Orte und Geschehnisse dadurch um einiges bildlicher werden. Karl Tausend, der als Aufhänger dieses Romans dient, spielt zwar nur eine Nebenrolle, aber die Gerissenheit und dessen Wortgewandheit sind wirklich überzeugend. Ihm gelingt es vielfach Menschen zu überzeugen und ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen, die in seine wandern und diese auch nicht verlassen werden. Franz Tausend ist ein von sich überzeugter Betrüger, der wirklich fasziniert und gekonnt dargestellt werden konnte. Ehrlich gesagt benötigt dieser Mensch auch nicht mehr Worte, da Thomas Mann und auch Carl von Ossietzky um einiges spannendere Lebensgeschichten zu erzählen haben. Einen Roman zu schreiben, der sich mit wahren Geschehnissen auseinandersetzt benötigt eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit mitunter knallharten Fakten, die auf mich sehr authentisch wirkten. 
Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, da mir "Die goldenen Jahre des Franz Tausend" sehr zugesagt hat. Ich flog förmlich durch die Seiten und war entsetzt und fasziniert, da es eben nicht immer nur diejenigen gab, die sich anpassten, sondern eben auch die, die dem Geschehen um sich herum eine Stimme gaben und dabei eben nicht lautlos waren. Diesen Menschen wird hier regelrecht Respekt und Ehrerbietung erwiesen und das zu Recht. 

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