Sonntag, 5. Mai 2019

Kreter lügen nicht



Nikos MilonásKretische FeindschaftEin Fall für Michalis Charisteas
FISCHER ScherzISBN: 978-3-651-02580-6, 14,99€



"Kretische Feindschaft" ist der erste Band einer Krimreihe, der mir sehr zugesagt hat. Ich liebte den Zusammenhalt der kretischen Familie, wobei dieses nur Michaelis Christeas betrifft, denn die anderen Familien auf die ich während des Lesens traf, waren mir persönlich zu sehr in alte Feinschaft, Intrigen und Traditionen verwickelt. Der Krimi nimmt mich mit auf die Insel Kreta und ich treffe auf urige, liebenswert gezeichnete Personen, die den Krimi heimelig wirken lassen und so richtig Urlaubslaune versprühen, wäre da nicht der Unfall des Bürgermeisters, der die Ruhe stört und Michaelis Christeas Zweisamkeit mit Hanna stört. Hanna ist seine Freundin und lebt in Deutschland. Eine Fernbeziehung sozusagen und es ist definitiv ein Unding, das sich Michaelis an die Heimat seiner Freundin bindet. Sowas macht ein Kreter nicht. Ich fand diese Familienzusammengehörigkeit auf der einen Seite nervig, aber eben auch sehr amüsant, da es mich nicht betrifft und ich nur stille Leserin war. Würde es mich betreffen. würde ich anders reagieren. Nikos Milonás hält sich mitunter ein klein wenig zu viel mit Nebensächlichkeiten auf, wobei es natürlich für Nachfolgebände wichtig sein kann, Familie und Menschen der Insel genau zu kennen, um vielleicht auch ihre Gepflogenheiten schätzen zu lernen. Ich hatte keine Erwartungen an den Krimi, daher bin ich mit dem, was mir geboten wurde, sehr zufrieden. Ich liebe den Duft von Olivenbäumenblüten, Oleander und Thymian ebenfalls, daher war mir die ausführliche Beschreibung der Landschaft sehr recht. Es hat jede Menge Urlaubsstimmung in mir ausgelöst. Stimmungsvoll, atmosphärisch und einfach Kreta.
Neben allen Familienzwisten und kleinen Streitereien, gilt es einen Mord aufzuklären, der immer wieder einfließt und aufzeigt, wie Michaelis Christeas als Polizist seine Ermittlungen aufnimmt und auch die kleinsten Dinge nicht übersieht, die wichtig für die Aufklärung sind. Dabei nimmt er mitunter eigentümliche Wege, die auch die Legalität verlassen. Insgesamt gesehen ist "Kretische Feindschaft" ein Krimi, der hier und da kleinen Spannung aufbaut, sich aber eher wie einen Roman lesen lässt, der Krimianteile besitzt, ohne diese in den Vordergrund zu stellen. Ich empfand das Lesen dennoch als sehr angenehm und letztendlich hat mir auch nichts gefehlt, wobei ich anmerken muss, dass ich die Kreter doch als sehr trinkfest empfinde und ein klein wenig weniger Alkohol hätte ich angemessener gefunden. Aber das ist halt alles Ansichtssache, für andere ist Wein hier und da etwas was für noch mehr Urlaubsstimmung sorgt. 

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