Dienstag, 12. März 2019

Sehr erdrückende Erzählung


Takis Würger

Stella

  • 224 Seiten
  • Hanser Verlag
  • Fester Einband
  • ISBN 978-3-446-25993-5
  • 22€

"Stella" von Takis Würger spaltet die Meinungen der Leser_innen und erweckte dadurch meine Neugier. Definitiv war es nicht das Cover, welches mich angesprochen hätte, denn ehrlich gesagt empfinde ich dieses als nichtssagend und wenig ansprechend, Es war die Story, die sich hinter dem Titel "Stella" verbirgt und letztendlich hinterließ es mich auch ziemlich geschockt. Der zweite Weltkrieg bekommt erneut einen bitteren Beigeschmack und wird auf eine ganz andere Art und Weise betrachtet wie üblich. Die Wahrheit, die letztendlich hinter der Frau Kristin / Stella verbirgt ist erschreckend und war für mich nicht einen Moment ersichtlich. Erkennbar ist schnell, dass sie jüdischer Abstammung ist somit in großer Gefahr, aber die Dinge, die sie am Leben erhalten, empfinde ich als menschenverachtend, wobei ich mir kein Urteil bilden möchte, da ich selbst nie in solchen Situationen gesteckt habe. 
Positiv ist, dass sich die 224 Seiten zügig lesen lassen. Der Schreibstil ist einfach und man fliegt förmlich durch den Roman. Die Schlagzeilen, die immer wieder einfließen, sind interessant und zeigen auf, das Verrat eine große Rolle spielt. Als ich den Sinn dahinter erkannte, war ich erstaunt, da ich diese Seite des Krieges und der Verfolgung noch nicht kannte, zumindest nicht bewusst. Es erweckt ein ganz neues Bewusstsein auf den Schrecken und die Ängste der Menschen der damaligen Zeit, da sie letztendlich immer mit einem Bein im Grab standen, da selbst Nachbarn oder Freunde Verstecke auffliegen ließen. Auf mich wirkte  "Stella" sehr erdrückend und da es auf eine wahre Begebenheit beruht, deutlich mehr. 
Stella / Kristin als Protagonistin empfand ich als relativ oberflächlich und nichtssagend bis zu dem Zeitpunkt als ihre Tarnung auffliegt. Selbst dann, als sie ihre Eltern nicht retten kann, bleibt sie eine Verräterin und lässt sich auch nicht überzeugen in die Schweiz zu flüchten. Ich habe nicht verstanden, warum sie nicht gemeinsam mit Friedrich ein neues Leben beginnen wollte, um Berlin und dem Schrecken des Krieges den Rücken zu kehren. Vielleicht nutzt der Autor diese vielen offenen Fragen, die bis zum Ende blieben dazu uns nachdenklich zu stimmen? 
Ich bin weder zufrieden, noch unzufrieden nach Beenden des Buches, da ich keine Sympathie für Stella / Kristin empfinden konnte und Friedrich mir einfach blind vor Liebe zu sein schien, bis er Entscheidungen trifft, die ihm eine Art von Selbstsicherheit zurück gaben. Für ihn ist es einfach in den Schoss der Familie zurückzukehren. Stella hat alles verloren und vielleicht ist dieses auch der Grund dafür, weiterhin im Verrat leben zu wollen? So abgehackt wie meine Rezension empfand ich auch das Ende und die vielen offenen, unbeantworteten Fragen lassen mich letztendlich eine eingeschränkte Leseempfehlung vergeben.

★★★


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