Herr der Fliegen320 Seiten, FISCHER Taschenbibliothek, ISBN: 978-3-596-52214-9, 12€
"Herr der Fliegen", ein Klassiker, über den ich immer wieder gestolpert bin, aber bisher nie gelesen habe. In Schulzeiten las ich leider andere Lektüren. Mich nun dem Roman zu widmen, war ein angemessener Zeitpunkt, da ich mich nun als Erwachsene komplett auf die von William Goldwin gesponnene fiktive Handlung einlassen konnte, wobei vieles natürlich auch auf das Heute übertragbar ist. Wer sich nicht an gegebene Regeln hält, handelt rechtswidrig und leider ist es hier beschriebene Angst vor einem selbsternannten Anführer sich nicht zur Wehr zu setzen, sondern auf die "Jagd" zu gehen. Es geht nicht darum, ob mir der Roman gefallen hat, sondern lediglich darum eine Story zu hinterfragen und sich in die Lage der gestrandeten Jungen zu versetzen, Wo sehe ich mich in diesem Moment, wo alles eskaliert?
Ich empfand das Ende reichlich abgehackt und hätte mir gerne einige Erklärungen diesbezüglich gewünscht. Spannung ist reichlich vorhanden, da eine echte Blutgier ausbricht, um zu überleben, aber eben auch der Spaß am Töten. Fleisch oder Feuer? Oder ist es nur das Ausbrechen von errichteten Regeln, die der der Zivilisation entsprechen? Es bilden sich relativ schnell zwei Gruppen und als dann ein Mord geschieht, wird die Jagd eröffnet durch den Wunsch nach mehr Macht. Da niemand da ist, der der Gruppe von Jägern Einhalt gebietet, eskaliert das Leben auf der Insel allmählich und auch wenn Frieden innerhalb der Gruppen gewünscht wird, ist es scheinbar unmöglich sich diesbezüglich durchzusetzen. Es erscheint mir als Angriff auf die menschliche Psyche zu gehen und daher auch nicht realitätsfern.
Nachdem logische Argumente nicht mehr fruchten, bricht regelrecht ein Krieg aus und Speere werden gespitzt, während die andere Gruppe lediglich Feuer brauchen, um vorbeifahrende Schiffe auf sich aufmerksam zu machen. Menschen mit einschlagenden Meinungen und Asthma werden nicht erhört und auch die Muschel, die zuvor Gehör verschaffen hat geht zu Bruch. Vielleicht als Symbolik der absoluten Rebellion?
Insgesamt ein wirklich gelungenes Buch, welches viele Facetten hat, die zum Nachdenken anregen. Ob es als Schullektüre wirklich geeignet ist, bin ich mir unsicher, da sich vieles auf Gewalt und dem Wunsch nach Macht aufbaut. Für mich sehr komplex und manche Seiten las ich zweimal. um die Handlung, die irgendwann sehr geballt auftritt zu verstehen. Trotzdem möchte ich eine Leseempfehlung aussprechen, da ich versteh, warum William Goldwin für "Herr der Fliegen" einen Nobelpreis der Literatur erhalten hat. Wer sich intensiv mit diesem Klassiker beschäftigt, wird sicherlich viel mehr in den Seiten entdecken als ich, die nur ihre Neugier befriedigen wollte.

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