Mittwoch, 18. April 2018

Chocolaterie mit leichtem Thrill gespickt



Elisabeth Herrmann

Zartbittertod

Ab 14 Jahren



Gebundenes Buch mit Schutzumschlag

480 Seiten

ISBN: 978-3-570-16513-3

18€

cbj Jugendbuch



Zart wie die Liebe, bitter wie die Schuld

Mia ist in dem kleinen Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern aufgewachsen – mit den wunderbaren Rezepten, aber auch mit dem rätselhaften Familienfoto, auf dem ein lebensgroßes Nashorn aus Schokolade zu sehen ist, zusammen mit ihren Urgroßvater Jakob und seinem Lehrherrn. Der Lehrherr ist weiß, Jakob schwarz. Mia ist zwar bekannt, dass ihr Vorfahr als kleiner Junge aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika nach Deutschland gekommen ist. Aber warum? Und wie?

Als Mia den Nachkommen von Jakobs Lehrer unbequeme Fragen stellt, sticht sie in ein Wespennest. Liebe und Verrat, sie ziehen sich durch die Generationen, und als Mia endlich versteht, wer sie zum Schweigen bringen will, ist es fast zu spät …



"Zartbittertod" ist anders als erwartet und dennoch konnte ich mich sehr schnell in die Story hineinfinden. Die Thrillerelemente, die ich mir erhofft hatte, fehlten zu Beginn gänzlich und ich empfand die Story eher als seicht. Da es sich aber um einen Jugendroman handelt, muss sich der Leser / die Leserin bewusst machen, dass die Zielgruppe ab 14 Jahren nicht unbedingt mit vielen blutigen Details erschüttert werden muss, daher war auch dieses letztendlich angemessen. Normalerweise schreibt die Autorin ja auch vielfach im Bereich der Erwachsenenliteratur, daher ist natürlich ein Unterschied im Schreibstil verständlich. Ich mag Schokolade und ich mag Thriller, daher war ich neugierig, wie beides  miteinander verwoben werden kann. Der Autorin ist es gelungen durch die Rückblicke in die Kolonialzeit in Afrika und Familiendramen einen Roman (Thriller möchte ich vermeiden, da diese Elemente einfach zu wenig sind, um von einem Thriller zu sprechen) zu verfassen, der mitunter auch nachdenklich stimmt. Woher kommt unsere Schokolade und wer ist daran beteiligt? Sind es Kinder? Wäre es sinnig Fair Trade zu kaufen bei Kaffee, Schokolade und anderen Erzeugnissen?  Frau Herrmann stubst da einiges Wichtiges an, was natürlich nicht immer gleich offensichtlich wird, sondern manchmal auch nur zwischen den Zeilen gelesen werden kann.

Die Protagonistin Mia begibt sich nach Lüneburg, um Nachforschungen über einen nahen Verwandten herausfinden will, sticht sie in ein Wespennest, wie auch schon der Klappentext verrät. Afrika und Deutschland sind in diesem Fall ganz dicht beieinander. Die Kolonialzeit in Afrika und das Grauen, was Kriege mit sich bringt, wird sehr schnell deutlich, aber auch Verrat und Betrug. Mia gerät in Gefahr, die nicht sofort ersichtlich ist und am Ende auch sehr überraschend aufgelöst wird. Menschen fühlen sich im Unrecht und handeln daher mitunter kopflos. Manchmal ist es auch der Blick auf Reichtum, der alle menschlichen Gefühle auflöst. Eine Obsession entsteht und Mia gerät direkt in den Fokus. 

"Zartbittertod" braucht einige Zeit, bis sich die Story dahingehend entwickelt, um Spannung zu erzeugen. Der Beginn ist tatsächlich sehr seicht und ich kann mir denken, dass manche Leser_innen es ebenso empfinden werden. Ein roter Faden ist natürlich zu erkennen, denn Tagebuch und Briefe führen letztendlich zum Ziel. Für die Leserschar muss aber erst begreiflich gemacht werden, wohin Frau Herrmann uns führen will. Es dauert ein klein wenig und stört auch den Lesefluss, der sich erst ab etwa Mitte des Buches komplett entfalten kann. Dann erst, wird "Zartbittertod" spannend und die Story begreiflich. Zumindest das, was Frau Herrmann durch das Einfügen der Vergangenheit aussagen will. Jakob hat eine Geschichte hinterlassen, die nach und nach aufgedeckt wird. Letztendlich möchte ich eine Leseempfehlung aussprechen und nur leichte Kritik anmerken. Das Ende überzeugt, während die ersten 100 Seiten in etwa leider etwas schwächelten. Ansonsten doch gelungen und auch überzeugend. 

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