Montag, 30. April 2018

Bärbel - Völlig Empathielos




Marie Reiners

Frauen, die Bärbel heißen


Hardcover - ISBN: 978-3-651-02523-3  16,99€ - Fischer Scherz 


Bärbel Böttcher, 54, ledig, keine Kinder, von Beruf Tierpräparatorin, lebt mit ihrer Mischlingshündin Frieda im Haus ihrer toten Eltern abgelegen am Rand einer Kleinstadt. Sie hat weder Familie noch Freunde, und das ist gut so, denn Bärbel ist Eigenbrötlerin aus Überzeugung. 

Als sie eines Morgens mit Frieda spazieren geht, findet sie im Wald einen Toten, dem ein Stock im Auge steckt. Nachdem Bärbel wohl oder übel die Polizei verständigt und ihre Aussage gemacht hat, ist sie froh, wieder zu Haus auf dem Sofa zu sitzen und ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: Verkaufssendungen im Shoppingkanal schauen. 

Bis es an der Tür klingt. Was es sonst nie tut. Und vor Bärbel eine Frau steht, die behauptet, die Ehefrau des Opfers zu sein und die Bärbel im nächsten Moment wenig charmant mit einem Elektroschocker außer Gefecht gesetzt hat. 

Dass das erst der Anfang allerlei sich überschlagender Ereignisse war, wird Bärbel schnell klar. Denn alsbald hat sie eine verletzte Schauspieler-Gattin (die Frau des Toten im Wald) im Keller, einen schnüffelnden Lokalreporter im Garten und unwillkommene Scherereien am Hals. Vorbei ist es mit dem beschaulichen Einsiedlerdasein, und Bärbel bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die neue Situation einzulassen. 

Was Erfahrungen wie Enthüllungen ungeahnten Ausmaßes nach sich ziehen wird ...





"Frauen, die Bärbel heißen" hat mich wirklich geschockt, allerdings positiv. Ich bin immer noch fasziniert über Bärbels Agieren und unsicher, ob sie mir sympathisch ist oder ob ich ihr im wahren Leben lieber aus dem Weg gehen würde. Normalerweise umgibt sich Bärbel nicht mit Menschen, sondern lediglich mit ausgestopften Tieren, ihrem Fernseher und Frieda, welche das einzige lebende Wesen ist und mit der sie auch ihre Unterhaltungen führt, wenn sie denn nicht Selbstgespräche führt. Bärbel ist die skurrilste Person, von der ich bisher in meinem Leben las. Ich kann leider nicht mehr auf meine Eindrücke eingehen, denn sonst würde ich zuviel vom Roman verraten. Nur noch eins, um Bärbels Charakter einzugrenzen: Sie ist absolut skrupellos, wenn ihr jemand zu nahe kommt und auch dann, wenn sie selbst verletzt wird. Sie ist der Knaller und ich kann sie nicht ernst nehmen, obwohl ich fast vermute, dass es Menschen wie Bärbel gibt, die von sich denken werden, dass sie völlig normal sind. Wobei mir die Empathielosigkeit dieser Frau doch zu denken gibt. Ehrlich gesagt vermute ich durch das relativ offene Ende eine Fortsetzung der Geschichte, wobei ich nicht abgeneigt wäre, erneut von Valerie und Bärbel zu lesen. Ich habe mich mehrfach köstlich amüsiert, wenn mir nicht die Haare zu Berge standen, was auch vorgekommen ist. Für mich ist ganz klar, dass Bärbel sich im Laufe ihres Lebens zu dieser sehr eigentümlichen Frau entwickelt hat, da Liebe und Fürsorge ihr ein Fremdwort sind. Sie ist nicht unbedingt ein Monster, aber sehr unerfahren im Umgang mit Menschen. Da ist also noch einiges möglich, denn von Valerie erhofft sie sich Hilfe. Vielleicht verändert Bärbel im weiteren Verlauf der Story, die definitiv ausbaufähig ist, ihr Äußeres und nimmt auch Kontakt zu anderen auf? Führt Beziehungen? Ich bin wirklich gespannt, was sich da noch anbahnen wird.

Ich vergebe sehr gerne eine Leseempfehlung an einen Roman, der gespickt ist mit rabenschwarzen Humor und mich sehr begeistert hat, was natürlich nur an der Protagonistin liegt. Bärbel ist so schräg, dass sie dadurch schon fast sympathisch wirkt. Mitunter verhält sie sich wie ein Kleinkind, um an anderer Stelle ihre innere Größe und Stärke zu präsentieren. Eine sehr gelungene Idee, die mir wirklich sehr gefallen hat. 

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