Dienstag, 13. November 2012

Ich will mich nicht lieben lassen



Tränenperle

Roman.
  • Broschur, 13,5 x 21,5 cm, 360 Seiten
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  • · 09/2012
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  • · Verlag: Gerth Medien 13,99 Euro


    Für Merle geht ein Traum in Erfüllung. Denn kurzerhand bietet sich ihr die Möglichkeit, ihrem verhassten Leben zu entkommen: durch ein Praktikum auf einem Bauernhof. In der heilen Welt ihrer Gastfamilie blüht Merle auf. Doch dann schleicht sich ihre alte, zerstörerische Denke wieder ein: Dass sie es nicht wert ist, geliebt zu werden. Dass es besser wäre, wenn sie nicht da wäre... Wie früher versucht sie, diesem Grauen mit Hilfe von Drogen, Alkohol und Ritzen zu entkommen. Merle muss erst ganz unten ankommen, bis sie langsam begreift, dass sie liebenswert ist. Und dass es da jemanden gibt, der sie genau so gewollt hat, wie sie ist ... 

    Ein bewegender Jugendroman: fesselnd, authentisch und voller Hoffnung.




Meine Meinung und Eindrücke zum Buch:
Das Buch hat mich von Anfang an sehr bewegt und es gab Momente, da hätte ich es gerne beendet, da es mir schmerzlich bewusst gemacht hat, wie ähnlich ich Merle bin und wie oft es gerade in meiner Teeniezeit vorkam, das ich mich ungewollt und ungeliebt gefühlt habe. Merles Schmerz ging regelrecht auf mich über und ich konnte es zwischendurch kaum aushalten und musste eine Lesepause einlegen. Ich hatte tatsächlich vergessen, das ich auch eine Zeit hatte in der ich mich geritzt hatte. Beim Lesen des Buches kam vieles wieder in mir hoch und daher ist mir dieses Buch regelrecht ans Herz gewachsen. Ich habe mir so sehr gewünscht, das Merle auch etwas Schönes in ihrem Leben erlebt. Etwas, was ihr zeigt, das sie doch gewollt ist und das sie das Recht darauf hat geliebt zu werden. Es ist ein langsamer und schmerzhafter Prozess, der sich über 360 Seiten hinzieht und mir wirklich nicht schnell genug ging. Merle schreit uns ihren Schmerz regelrecht entgegen und es war mir unmöglich keine Parallelen zu meinem eigenen Leben zu ziehen. Ich habe meinen Hund schon lange begraben und den Rucksack mit meinen Altlasten schon lange fortgeworfen, aber dennoch gab es Momente als ich las, das mich der Schmerz erneut niederdrücken wollte. Ich habe es geschafft es zu verdrängen und ich bin so dankbar, das es Merle auch schafft und ihren Schmerz und ihre Ängste niederdrücken kann um etwas Neues und Schönes zu beginnen und vor allem sich lieben zu lassen.
Ich fand manches sehr hart und konnte auch Merles Mutter einfach nicht verstehen, aber nun gut, meine Mama war ähnlich und das ist das was mir vielleicht auch ein klein wenig den Boden unter den Füßen wegziehen wollte. Merles Sexualität hat mich auch etwas schockiert, aber auch da gibt es nach und nach Heilung. Wie gesagt es dauerte mir fast ein wenig zu lange bis endlich Frieden in Merles Herzen einziehen kann und die tiefen Wunden heilen können. Ich finde es wirklich unbegreiflich wie boshaft wir Menschen zueinander sein können ohne es vielleicht sogar zu merken. In Merles Fall fehlt es an allem - kindliche Geborgenheit und eine Hand die liebevoll führt. Ich kann jedes Mal, wenn sie anfängt sich zu ritzen fast nachvollziehen warum sie es macht. Den Schmerz von innen einfach nach außen stülpen. Wie soll sie erkennen, das sie wertvoll und geliebt ist, wenn sie es 18 lange Jahre nicht sehen und erkennen konnte. Muss erst ein Engel sie an die Hand nehmen? Gewollter Liebesentzug ist wirklich krass und an einigen Stellen habe ich echt geheult, weil ich mitfühlen konnte. Eine Stelle war z.B, als Merle sich einfach nur einmal wünscht das Wort "Papa" laut auszusprechen und dann die Stelle, die ich euch jetzt zitieren möchte:
"Die Muscheln", sagte sie leise, "haben eine richtig harte Schale. Aber innen drin, da sind sie sehr, sehr weich. Und manchmal da dringt ein Fremdkörper in so eine Muschel ein. Ein scharfes, spitzes Splitterstück, das verletzt ihr weiches Inneres und tut ihr furchtbar weh. Und egal, wie sich die Muschel windet, egal was sie tut - sie wird es nie wieder los. Irgendwann ist die Verzweiflung und der Schmerz so groß, dass die Tränen der Muschel zu fließen beginnen, und diese Tränen beginnen den Splitter einzuhüllen, legen ihn Schicht um Schicht regenbogenfarbene Schillern um, bis eine runde, glatte Perle entstanden ist! Und dann ist da kein blöder Splitter mehr und auch kein Schmerz und keine Verzweiflung - nur noch diese Kostbarkeit! ........... Deine Tränenperle
(S.304 im Buch) da flossen mir wirklich die Tränen. Dieses Buch ist meiner Meinung nach wirklich ein Schatz, obwohl es schmerzt und ganz klar von Schmerz, Verbitterung und Trauer schreibt, aber dennoch ist es voller Hoffnung für den Leser, denn so wie es ist kann es doch nicht bleiben, oder? Niemand kann es aushalten mit so viel Schmerz innen zu leben. Irgendwann muss es doch Hilfe geben. Vielleicht schafft es nicht jeder Mensch den Schmerz zu bekämpfen und will ausbrechen und schafft dies nur indem er ausbricht und sich selbst umbringt. An diesem Punkt ist Merle auch und ich kann mich an einige Begebenheiten in meinem Leben erinnern als ich es auch nicht ertragen konnte mein Leben fortzusetzen, aber ich habe es getan und auch Merle kriegt die Kurve, aber es tut weh, sehr weh, wenn man sich keine Hilfe holt und einfach da weiter macht, wo man steht, denn dann ist man immer noch allein. Ich bin froh, das Merle irgendwann zusammenbricht und sich dann zu dem entwickeln kann was sie ist: Kein Igelchen mehr, das seine Stacheln ausfährt und keine Zärtlichkeiten und Liebe zulassen kann, sondern ein Vogelbaby das lernen muss zu fliegen und dabei aber ganz zart behandelt werden muss.
Ein tolles Buch, aber wie schon gesagt mitunter sehr, sehr traurig und für mich war es nur möglich es zu lesen indem ich es zwischendurch zur Seite legen konnte. 
Das Cover ist sicherlich deshalb so unruhig gezeichnet um aufzuzeigen wie unruhig auch Merles Leben ist. Ich finde es im nachhinein sehr, sehr passend.

Natürlich gibt es von mir eine echte Leseempfehlung!








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