Richard Paul Evans
"Noels Tagebuch" erzählt von einem Leben, welches von Schmerz und Gewalt geprägt wurde und de inneren Konflikt Vergebung auszusprechen. Nachdem Jacobs Mutter verstirbt, erklärt Jacob sich bereit ihren Nachlass zu regeln und bekommt so Einblicke in das Leben seiner Mutter, die ihn verstoßen hat und eben auch psychisch stark schädigte. Sein Leben wird bestimmt durch Einsamkeit und Rückzug, was seinem Beruf des Autors vielleicht auch förderlich sein kann. Es bricht mir jedes Mal das Herz, wenn ich von Eltern lese, die ihre Kinder lieblos behandeln, da sie damit einen Grundstein für das weitere Leben ihres Kindes legen. Schön ist hier, das sich Jacobs Leben durch das Entdecken des Tagebuches wandelt, denn er erkennt, dass er geliebt wurde, wenn auch seine Mutter dazu nicht fähig war. Psychische Erkrankung und Trauer lassen sie gefühlsmäßig erkalten und dabei hätte Jacob mehr gebraucht, als das, was ihm seine Mutter bieten konnte. Nun lernt er seine Kindheit noch einmal neu kennen und auch die Frau, von der hin und wieder träumt.
Es ist aber nicht nur Jacob, dessen Leben in diesem Roman präsentiert wird, sondern auch Rachels persönliche Tragödie, da sie sich auf der Suche nach ihren Wurzeln macht, um inneren Frieden zu finden. Hierbei kommen sich Jacob und Rachel näher, auch wenn Rachel einen anderen Weg eingeschlagen hat, der von ihren Adoptiveltern vorherbestimmt ist. Es hat mich traurig gemacht, das Religion oftmals sehr herrisch ausgelebt wird, denn genau das ist es nämlich nicht. Wir haben weiterhin unseren freien Willen und können Entscheidungen treffen, die vielleicht nicht immer gut für uns sind, aber hier wird der göttliche Wille aufgedrängt, mitunter auch gewaltsam, sodass Angst und Furcht vor Strafen entsteht. Gläubig sein heißt nicht, seine Selbstbestimmung zu verlieren. Hier zeigt auch das Beispiel von Noel sehr deutlich, wie streng und konservativ Eltern ihre Kinder umsorgen. Ungewollt schwanger geworden, wird sie sozusagen versteckt, bis ihr Kind geboren wird und lernt somit den kleinen Jacob kennen. Von ihr bekommt er Wärme und Liebe, genau das, was ein Kind in seinem Alter benötigen. Leider trennen sich die Wege und Jacobs Kindheit wandelt sich extrem.
Mir hat es sehr gefallen in diesen Roman einzutauchen, da er hervorragend in die Vorweihnachtszeit passt. Noel bedeutet "Zu Weihnachten geboren" und es herrscht zwar nicht gleich zu Beginn ein wärmendes, behagliches Gefühl, aber die Verwandlung der Protagonisten und ihre Begegnungen sind hervorragend geschildert, um eben diese Gefühle zu wecken.
"Noels Tagebuch" hat einige schmerzliche Momente, aber eben auch ganz viele schöne Augenblicke, sodass es letztendlich zu einer bedeutsamen vorweihnachtlichen Lebensgeschichte erwachte. Als Leserin fieberte ich regelrecht daraufhin ein Happy End für alle Beteiligten zu erhalten und wurde nicht enttäuscht. Eine Story, die sich regelrecht ins Herz bohrt. Ich vergebe sehr gerne eine Leseempfehlung!
LAGO
ISBN: 978-3-95761-205-2
12€

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