Donnerstag, 19. November 2020

Seine eigene Oberflächlichkeit zu erkennen ist oftmals schmerzhaft

 


Ava Reed


Manche Bücher treffen einfach den Nerv der Zeit und schildern Begebenheiten so bildlich, das es lange nachklingt. Solch ein Buch ist "Wenn ich die Augen schließe". Es ist ein ehrlicher Roman, der über Tabuthemen wie Mobbing oder auch Suizidversuch spricht ohne erhobenen Zeigefinger, aber doch sehr eindrücklich. Junge Leser_innen werden sich hier und da vielleicht wiedererkennen, denn wer grenzt sich aus, wenn jemand anderes genügend Angriffsfläche bietet und man nicht genügend Mut hat, sich der coolen Clique der Schule entgegenzustellen. Es ist ehrlich gesagt mehr als erbärmlich, dennoch trifft Ava Reed den Nagel auf dem Kopf, denn es gehört eine ganze Menge mehr dazu, sich nicht am Mobbing zu beteiligen. Viel einfacher ist es doch tatsächlich mitzumachen und dämliche Kommentare über irgendwelche Internetposts zu setzen. Wie oft lese ich Anfeindungen auf diversen Facebookseiten? Oft lässt es mich erschauern, manchmal schäme ich mich dermaßen fremd, aber ganz selten ergreife ich Partei. Warum eigentlich?
Für mich ist "Wenn ich die Augen schließe" ein weiteres Buch der Autorin, welches mich sehr angesprochen hat, wobei meine eigene bescheidene Meinung ist, das sie sich selbst übertroffen hat. Der Roman macht mir schmerzlich bewusst, wie wichtig echte Freundschaften sind und wie schnell man kopflos handelt, ohne sich bewusst zu sein, wie ein anderer Mensch leidet. Hier im Buch hat die Story einen guten Ausgang. Was wäre aber gewesen, wenn es anders ausgegangen wäre? Norah ist nicht sofort Sympathieträgerin. Es dauerte eine kleine Weile, bis ich mit ihr warm werden konnte. Sam trägt ein Geheimnis mit sich, welches nach und nach ausgesprochen wird. Ich fand es gelungen, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern dieses ganz sanft und dennoch mit Nachdruck auszusprechen. Nach Norahs Unfall ist Sam die einzige Person, mit der sie sich abgeben möchte und es ist letztendlich eine gute Entscheidung, denn Sam ist "echt".
Für mich ein ganz besonders ausdrucksstarkes und wertvollen Buch, welches für junge Leser_innen ab 14 Jahren bestens geeignet ist, auch wenn manche Themen vielleicht erst einmal überfordernd wirken können, sagt es doch genügend aus, um nachdenklich zu stimmen und in Akutsituationen vielleicht gegen den Strom zu schwimmen. Mobbing ist nichts, was nachahmenswert wäre, da es zerstörend wirken kann und denjenigen den es betrifft einfach nur schmerzt in Seele und Geist. 
Absolute Leseempfehlung!


Details zum Roman:
320 Seiten
ISBN 978-3-7432-0253-5
14,95€

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