Samstag, 23. Mai 2020

Voodoo im beschaulichen Elsass



Wie uns die Liebe fand

 
     304 Seiten, ISBN: 978-3-426-45623-1, Droemer E-Book, 4,99€




"Wie uns die Liebe fand" ist herrlich amüsant und dennoch voll von Liebe und Familienzusammenhalt, wobei ich als Mutter den Liebesgeräuschen meiner Töchter nicht zuhören möchte und dieses leicht befremdlich fand, aber das ist sicherlich für jede Leser_in unterschiedlich. Klar ist, das der Liebestaumel durch Liebesbomben ausgelöst einem Voodoozauber zuschulden kommt. Ich habe mich köstlich amüsiert, denn natürlich geht es mitunter schief, wenn man sich in das Liebesleben von Menschen durch Zauberei einmischen möchte. 
Madame Nan, die mittlerweile 92 Jahre alt ist, mit vier Töchtern und einigen Enkeltöchtern gesegnet wurde, zudem zwei wunderbare Ehemänner begraben hat, erzählt völlig schmerzfrei aus ihrem Leben, was natürlich nicht immer nur schöne Erlebnisse beinhaltet, wobei Trauer nicht den großen Bestandteil der Story einnimmt, sondern das, was durch die Liebeskugeln entsteht: Tanzende Schmetterlinge, die Menschen zusammenführt und das mitunter auch Chaos verspricht. Soviel Liebe hat es im Elsass sicherlich nie zuvor gegeben. Charmant dargestellt, mitunter urkomisch, wenn Frauen plötzlich anfangen den Mond anzuheulen und sich wirklich lächerlich machen. Madame Nan ist selbst schwer verliebt in Monsieur Boberschram, aber bis dieser ihre Liebe erwidert ist es ein langer schmerzlicher Weg und es scheint, als wäre er gegen die Liebesbomben immun. Der Versuch ihm eine unterzujubeln geht gründlich schief, alles andere hätte dem Roman aber tatsächlich sehr geschadet, denn es wäre zu einfach gewesen und hätte einiges an Sympathiepunkten eingebüßt. Mir hat es nämlich gerade deshalb so gut gefallen, da es eben nicht offensichtlich ist und es weitere ausgefallene Menüs gekocht von Madame Nan geben muss, um das Herz des Monsieur Boberschram zu erobern. Einige Rezepte finden sich hinten im Buch und auch wenn ich es nicht unbedingt nachkochen würde, da es für mich zu fleischlastig ist, fand ich es sehr gelungen, da es ein Hinweis darauf ist, das Liebe eben doch durch den Magen geht und ein Abendessen Menschen zusammenbringen kann. Das gemeinsame Essen ist und bleibt wertvoll.
Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an "Wie uns die Liebe fand", da ich es wirklich außergewöhnlich schön fand, eine Liebesgeschichte zu lesen, die aus den Erinnerungen einer alten Dame betrachtet wurde, die aber definitiv nicht alt wirkt, sondern mitten im Leben zu stehen scheint. Hier werden Erinnerungen geteilt, die manchmal so witzig und chaotisch waren, das man den Roman definitiv nicht ernst nehmen konnte, aber es doch geholfen hat, den eigenen Alltag zu vergessen und sich dieser Story hinzugeben und sich einfach nur wohlzufühlen. 

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