Montag, 23. September 2019

Authentisch mit einem hohen Wahrheitsgehalt


Beinahe Herbst

von Marianne Kaurin


224 Seiten
fester Einband
empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahren
ISBN: 9783038800316
16€



"Beinahe Herbst" liest sich mit einer gewissen Trauer und Angst um die Familie Stern, da wir um das Geschehen 1942 wissen. Neu für mich ist, das der Holocaust auch in Norwegen nicht halt gemacht hat. Ausschwitz / Birkenau wird für mich greifbar, da ich beide Gedenkstätten vor einigen Jahren besucht habe und mir dieses unangenehme Gefühl sofort wieder vor Augen stand. Baracken, in denen Menschen zusammengepfercht versuchen nach einem anstrengenden Arbeitstag Kraft und Ruhe zu finden. Dieses sind nur kurze Fragmente des Romans, aber für mich eben sehr greifbar, da ich das Grauen gesehen habe. Die Selektion von Menschen darf niemals wieder geschehen, daher ist es wichtig, sich das Geschehen des zweiten Weltkrieges immer wieder neu vor Augen zu führen. 

"Beinahe Herbst" besticht durch sein wunderschönes Cover mit goldenen Elementen und einem Einband, der an Leinen erinnert. Die 224 Seiten sind zwar schnell gelesen, brennen sich aber in das Gehirn ein, da es genauso wie erzählt, tatsächlich hätte passieren können. Ich gestehe, das ich mich oftmals sehr unwohl in meiner Haut gefühlt habe, obwohl die Story natürlich auf die Zielgruppe junger Leser_innen abgestimmt ist und eine Liebesgeschichte den Fokus übernimmt, wobei das Zeitgeschehen absolut authentisch beschrieben wurde. Menschen, die wie Vieh behandelt werden und ihre Bestimmung schon festgeschrieben ist. Es gibt kein Entkommen und im Nachwort erklärt sich die Autorin zu ihren Gedanken und der beschriebenen Handlung. 

Schreibstil und Sprache sind einem Jugendbuch absolut angemessen und da vieles nur angedeutet ist, wird es kaum zu Überforderung kommen. Zudem ist die Deutsche Geschichte in dem Alter schon thematisiert. Die Leserin / der Leser wird vom Klappentext alleine schon vermuten, wie diese Story ausgeht und die Erwähnung von Anne Frank ist sicherlich schon in einigen Köpfen verankert. Harte Kost in eine wunderbare Story verpackt, die trotz des Schreckens ein Happy End beinhaltet. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, da ich Ilse zwar oft als kopflos empfunden habe, ihre Gedanken und Handlungen, aber ihrem Alter entsprechen, daher ist dieses definitiv kein großer Kritikpunkt. 

Authentisch und leider wahr, wenn auch mit einer fiktiven Protagonisten und ihrer Familie, die einer Religion angehören, die auch heute noch verfolgt werden. Am meisten beeindrucken mich tatsächlich die Menschen, die sich für andere stark machen und im Untergrund viele, viele Leben gerettet haben. 

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