Dienstag, 19. März 2019

Zum Vorlesen ohne Grusel - eher kleine Trotzfee


Die kleine Gruselfee
128 Seiten, gebunden, FISCHER SauerländerAb 5 Jahren, 15€



"Die kleine Gruselfee" lebt von ihren detailgetreuen Illustrationen. Die Story selbst ist eher ungruselig, sondern eher trotzig zu nennen, denn die kleine Gruselfee neigt dazu mit den Füßen aufzustampfen, wenn etwas nicht nach ihrem Willen geschieht und dieses lässt mich mehrfach an besondere Phasen in der Kindheit meiner Kinder entdecken. Ich empfinde den Titel des Kinderbuches daher unpassend, wobei dieses mein einziger Kritikpunkt ist, zumindest was den gewählten Titel betrifft. 
Zum Vorlesen ist das Buch definitiv geeignet, da die Kapitel kurz gehalten sind und jedes Abenteuer in sich abgeschlossen ist. Kindern ab 5 Jahren werden nicht überfordert, sondern werden sich schnell mit der kleinen Gruselfee und ihren Eskapaden im "Wilden Wald" anfreunden können. Natürlich müssten manche Fehltritte der Gruselfee mit dem Kind erläutert werden, denn nicht alles, was sie anstellt, ist empathisch oder der Erziehung förderlich. An ihrem Beispiel können Kinder mehrfach erkennen, das manches Verhalten auch verletzend auf andere Lebewesen einwirkt oder eben auch dazu führt, wenig Freundschaften für sich zu gewinnen. Nicht immer empfand ich die kleine Gruselfee als angenehm, auch wenn ihr unüberlegtes Handeln zur Belustigung dienen soll. 
In jedem Kapitel wird ein Tier des Waldes vorgestellt mitsamt seinen Ecken und Kanten, wie es auch in unserem Leben im Umgang mit anderen Lebewesen üblich ist. Der Igel ist zum Beispiel anfangs nicht sehr erfreut über den Einzug der kleinen Gruselfee in die Höhle, aus der sie zunächst einmal alle gesammelten Vorräte für den Winter ausräumt und dann zu seinem großen Erstaunen beginnt sich ihre Haare mit seinen Stacheln zu kämmen. Daraufhin versucht er so einiges, um die anderen Tiere gegen die kleine Gruselfee aufzubringen. Die Aktion war auch leicht respektlos und so zieht es sich auch durch das komplette Buch. Auch wenn die kleine Gruselfee nicht bösartig agiert, ist sie nicht unbedingt als Vorbild zu nehmen. Klar hat sie ein großes Herz, aber den Blödsinn den sie mitunter verzapft, sollte unbedingt thematisiert werden, damit es die Kinder nicht überfordert oder es als Normalität auffassen. Die Tiere hingegen kommen um einiges besser weg charakterlich gesehen . 
Aufgrund einer anderen Erwartung an das Buch muss ich gestehen, das ich ein klein wenig enttäuscht darüber war, wie wenig Spannung im Buch enthalten war, denn die Gruselfee ist nicht einen Moment lang gruselig, sondern eher bockig, zickig oder eben trotzig. Die Illustrationen hingegen sind ganz wunderbar und werten die Story optisch auf. 
Ich vergebe eine eingeschränkte Leseempfehlung, da das Kinderbuch bei mir lediglich optisch punkten konnte. Die Geschichten waren rasch gelesen und dennoch fehlt mir hier und da Überzeugungskraft, denn wie schon erwähnt, empfand ich die kleine Gruselfee nicht immer als angenehm. Wer sich für einen Kauf entscheidet, sollte sich bewusst machen, mitunter das Gespräch mit seinem Kind zu suchen, um das Gelesene zu unterstreichen und auch die Eskapaden der Gruselfee zu erläutern. Manche Folgen die die Gruselfee tragen muss, sind durch Fehlverhalten entstanden und vielleicht kann manches Kind dadurch auch lernen?


★★★★ (3,5 Sterne)

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