Freitag, 22. Februar 2019

Humorvoll verliebt und ganz viel emotionales Chaos



Meine Checkliste zum Verlieben

Anja Janotta

Hardcover, ab 12 Jahren
mit Relieflack
288 Seiten 
ISBN 978-3-7348-5033-2
15€




"Meine Checkliste zum Verlieben" hat meine hohen Erwartungen an das Buch komplett übertroffen. Es ist eine Story, die sich zu lesen lohnt, da sie sich tatsächlich aus der breiten Masse von Kindern - und Jugendbüchern abheben kann. Woran es liegt? Eine Protagonistin, die komplett normal ist und keinem Schönheitsideal entspricht, wenn man die innere Schönheit mal außen vor lässt, denn da kann Naomi definitiv glänzen. Hinzugefügt wird eine Mitschülerin, deren Probleme zu Hause von Gewalt und Demütigungen geprägt sind. Zudem ist da noch Adrian, ebenfalls ein Mitschüler, der das Asperger Syndrom hat und die Story durch seine Strukturen und Eigentümlichkeiten belebt. 
Es hat sehr viel Spaß gemacht in "Meine Checkliste zum Verlieben" einzutauchen, da Dinge manchmal sehr kompliziert sind, aber unbedingt eine Lösung bereithalten, auch wenn die Checkliste zum Verlieben, die es tatsächlich zu geben scheint, dienlich ist, um sich kennen zu lernen und im besten Fall auch wirklich zu verlieben durch Kommunikation. Die Antworten von Adrian und Naomi ähneln sich keineswegs, führen aber dazu, sich besser zu verstehen. So wird aus dem Freak ganz langsam ein junger Mensch, der sich von seinen Gewohnheiten ablenken lässt. Sein strammer Zeitplan darf nicht durcheinander geraten, sonst hat Adrian Stress und verhält sich dadurch seltsam, was in seiner Klasse natürlich für Ausgrenzung sorgt. Hier fehlt mir ein klein wenig die Aufklärung der Mitschüler über Asperger Autismus, denn es wäre hier und da sicherlich auch für Adrian leichter, wenn Menschen über seine Erkrankung informiert wären. Gefehlt hat mir auch das professionelle Einschreiten der Lehrkräfte, die scheinbar überfordert sind mit Impulsausbrüchen oder diversen Verhalten, welches typisch sind für Asperger Autisten. Schreien, Selbstverletzendes Verhalten oder ähnliches, was von der Autorin authentisch wiedergegeben wurde. Hier hat die Autorin  bewusst und unbewusst Inklusion miteingefügt und zeigt dadurch, dass wir in unseren Schulen noch weit entfernt davon sind, Inklusion zu leben. 
Naomi verhält sich oftmals vorbildlich und daher rutscht sie bei mir auf Platz 1 in ihrer Klasse, denn Jungen und Mädchen sind in Naomis Welt in Ränge eingeteilt und Naomi liegt dabei ganz weit hinten, was natürlich Blödsinn ist, da Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt und  Naomi für mich absolut gelungen dargestellt ist, was ihren Charakter betrifft und da überwiegt ihre Schönheit definitiv. Vielleicht ist es manchmal auch Erziehung? Naomis Mutter empfand ich auch als sehr liebevoll dargestellt, zumal sie sofort bereit ist, einem Kind Obdach zu geben, bis ihre Mutter eine geeignete Unterkunft für sich und ihre Tochter findet.
Für mich ein echtes Highlight 2019 und eine Leseempfehlung wert. Ich fühlte mich sogleich warm mit der Story und letztendlich herrlich erfrischt. Das Buch ist für die Zielgruppe junger Leser bestens geeignet, denn es erzählt von vielen Dingen, die dem Alter entsprechen. Mobbing, Ausgrenzung, Freundschaft, Geschwisterrivalität und Familie insgesamt sind alles wichtige Themen, die eben auch junge Menschen beschäftigen. Manches muss man mit einem Augenzwinkern lesen, anderes wiederum zeigt auf, dass wir niemals die Augen verschließen dürfen für unsere Mitmenschen, denn sonst könnte man den Hilfebedarf schnell übersehen. Ein Buch zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken. Ich bin gerade von den Protagonisten sehr angetan und auch wenn sie lediglich Fiktion sind, sind ihre Charakterzüge so gelungen dargestellt, dass man sich gerade Naomi als beste Freundin wünscht.
Da ich nichts zu meckern habe - ★★★ - wohlverdient 



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