Samstag, 29. September 2018

Verdrängt getrennt


Der Duft des Glücks ist stärker, wenn es regnet
400 Seiten, Klappenbroschur, ISBN: 978-3-8105-3058-5, FISCHER Krüger16,99€






"Das Glück ist stärker, wenn es regnet" ist die Geschichte einer Trennung, die recht oberflächlich beginnt, um zum Ende hin an Tiefe zuzunehmen. Ich fand das Zusammenspiel von schönen Momenten der Vergangenheit und Gegenwart sehr gelungen und konnte mich relativ rasch an Paulines Sicht der Dinge einlassen. Eine Trennung ist immer mit Schmerz verbunden und dieses wird relativ schnell deutlich, da Pauline sich nicht bewusst ist, was zur Trennung führt. Vieles wurde verdrängt und die schönen und harmonischen Begebenheiten innerhalb ihrer Ehe werden hervorgehoben. Das, was letztendlich ausschlaggebend ist, wird lange verschleiert. Ich habe tatsächlich ganz viel Mitgefühl empfunden und tat mich nicht sehr schwer damit, mich in Paulines Handeln und Denken hineinzuversetzen. 
Das Cover gaukelt einen Roman vor, der voller Lebensfreude steckt, durch die Farben und die tanzende Frau. Letztendlich ist es ein Roman, der die Vergangenheit und Erlebtes lange verdrängt, um letztendlich doch einen Neuanfang zu wagen, wenn dieses auch erst einmal nur heißt, eine neue Wohnung zu mieten und erneut aus dem Elternhaus auszuziehen. Dieses ist der Ort an den Pauline sich geflüchtet hat, als die Trennung unausweichlich ist. Es ist letztendlich ein Festklammern an Altem und Sicherheiten, die dieses bietet, wobei Pauline ihrem Sohn dadurch wenig Freiräume zusteht. Auch er ist von der Trennung sehr getroffen und seine Mutter schwebt wie ein Helikopter über ihm, um ihn zu beschützen und zu bewachen. Er bekommt meiner Meinung nach wenig Freiräume, die aber verständlich werden, sobald zum Ende des Romans Wahrheiten und auch Traumata angesprochen werden, die ich als äußerst schmerzlich empfand, daher verwirrte mich im Nachhinein das Cover sehr, da Paulines Leben nicht so lebensfroh war, wie sie es und zu Beginn weis machen wollte. 
Ich tauchte in eine Story ein, die wenig Harmonie verströmt, da auch innerhalb der Familie Paulines einige Dinge im Argen liegen. Eine heile Welt hatte ich nicht erwartet, aber vieles tritt dennoch zu geballt auf, sodass ich mich oftmals fragen musste, welches Ziel die Autorin verfolgt. Irgendwann wird dann doch ein roter Faden sichtbar und der Verdrängungsprozess Paulines offensichtlich. Durch ihr Abkapseln und ihren Rückzug, der mir völlig verständlich ist, trägt sie eine Mitschuld am Scheitern ihrer Ehe. Deutlich wird, das Reden unerlässlich erscheint, denn niemand sollte Trauer und Schmerz alleine tragen müssen. Der Partner sollte einbezogen werden, denn auch er ist involviert, was sich letztendlich so ausdehnt, dass Ben sich von seiner Frau entfremdet und sich seinen Gefühlen nicht mehr sicher ist. 
Wenn ich ein Fazit über das Gelesene ziehen müsste, müsste ich bekennen, dass mich am meisten der Brief von Paulines Mutter berührt hat, denn auch diese Beziehung hat Ecken und Kanten. "Das Glück ist stärker, wenn es regnet" ist definitiv kein Wohlfühlbuch und das Grauen, welches sich in den letzten Seiten widerspiegelt, ist echtes Drama und der erlittene Schmerz greifbar. Ich litt letztendlich mit und hätte den Umschwung der Story, mit all seiner Tiefe so niemals erwartet. Ich kann ein leichtes Gefühl der Überforderung nicht abstreiten.
Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an "Das Glück ist stärker, wenn es regnet", wobei ich auch eine Warnung aussprechen muss, da das Ende so unvorhersehbar ist, könnte es betroffene Frauen mitsamt der Traurigkeiten und dem empfundenen Schmerz komplett überfordern. Mich, die es nicht betrifft hat es schon emotional mitgenommen, wer weiß, wie jemand reagiert, der ähnliches wie Pauline erlebt hat? Definitiv ein Roman, der nicht jeden begeistern wird und eben auch nicht für alle geeignet ist, aber ein Bild davon sollte sich jede/r selbst machen müssen.






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