Freitag, 14. September 2018

Schräger Roadtrip - Definitiv kein Mainstream


Antonia Michaelis

Tankstellenchips


Ein Heldenepos  



368 Seiten · gebunden ·  ab 14 Jahren ·  ISBN-13: 978-3-7891-0918-8 · 18€ · OETINGER





Wer die Bücher der Autorin Antonia Michaelis kennt, weiß auf Anhieb, dass man sich auf das Lesen zwischen den Zeilen einlassen muss, um sich auf eine Zielgerade zu bewegen, denn immer ist es auch ein Wink mit dem Zaunpfahl, der mitunter sehr bewegt, schmerzt oder Erkenntnisse über sein eigenes Tun und Denken beinhaltet. Hier in "Tankstellenchips" begegnet uns ein Held, dessen inneres und äußeres Chaos zunächst darüber hinweg täuscht, wie aufrüttelnd und bewegend Shayans (genannt Sean) Geschichte ist. Die Flüchtlingsproblematik ist in die Story eingewoben und erdrückt zwar nicht, gibt aber ein Bild darüber ab, welche Hindernisse und großer Überlebenskampf einem dieser Menschen ganz bezeichnend begegnet sind. Es kostet viel Mut eine Reise nach Deutschland anzutreten, wobei Shayan eher gestrandet scheint, denn sein Ziel war England. Der Strand ist der Aufhänger, denn dort verliert Shayan seinen Schlüssel im Sand und befindet sich ab da in einem großen Abenteuer, einer Flucht gleich. Abenteuerlich mit Erdbeeren gespickt und jeder Menge Kühen, beginnt dieser faszinierende Roadtrip gemeinsam mit Davy, einem Jungen, der aus dem Heim geflohen ist und ebenfalls nun obdachlos ist. Was mich am meisten faszinierte ist die Tatsache, dass immer wieder neue Weggefährten auftauchen und die Weiterreise gespickt ist durch Fahrzeuge unterschiedlichster Art, sei es nun Pferd, Mofa oder auch Fallschirm. Immer wieder gibt es Möglichkeit zur Weiterreise, denn Shayan hat ein Ziel und dennoch zerschlägt sich dieses mehrfach. Er ist quasi ein Stehaufmännchen, dem es immer wieder gelingt weiterzumachen, um am Ende dann doch zu scheitern, zumindest sieht es so aus. Das Ziel ist ganz nah und dann zerplatzt der Traum vom großen Glück wie eine Seifenblase. Das Ende erschien fast hoffnungslos und auch da hatte die Autorin eine Überraschung parat, die nicht vorhersehbar war. Es hat mir gefallen, dass es eine Wende in der Story gab, die dann doch noch Hoffnung versprach.

"Tankstellenchips" erfordert ebenfalls wie die vorherigen Bücher der Autorin ein genaues Lesen. Mir gefällt es immer wieder, mich auf den Schreibstil einzulassen und eine Story zu lesen, die einen ganz besonderen Helden kürt. Ein Held, der seinen Glauben an sich und die Welt erst erkennen muss. Am Ende ist er doch ein Sieger, denn seine außergewöhnliche Story musste einfach erzählt werden. Für mich ist "Tankstellenchips" erneut ein Highlight, wobei es nicht schaden wird, das Buch noch ein weiteres Mal zu lesen, um wirklich alles zu verstehen, was sich hinter den Zeilen versteckt hält. Ein grobes Überfliegen wird dem Sinn nicht gerecht werden. Erneut eine absolute Leseempfehlung, auch wenn das Buch ein genaues Lesen erfordert und der Zielgruppe junger Leser_innen vielleicht nicht unbedingt das vermitteln kann, was die Autorin aussagen will, da vieles versteckt ist zwischen Wortwitz und amüsantem Abenteuer. Die Sprachbarrieren Shayans sind absolut gelungen und ließen mich mehrfach schmunzeln. Dieser Protagonist hat definitiv einen Heldenstatus verdient und ich genoss es sehr in dieses Abenteuer einzutauchen. 

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