Montag, 11. Mai 2015

Poetischer Klassiker - "Der kleine Prinz"


Antoine de Saint-Exupéry

Der Kleine Prinz

(Fischer Taschenbibliothek)

Taschenbuch
Aus dem Französischen von Peter Stamm
ISBN: 978-3-596-52042-8
8,00 Euro


*** Der Weltbestseller in neuer Übersetzung – von dem brillanten Erzähler Peter Stamm ***

»Wie wenig Lärm machen die wirklichen Wunder«, schrieb Saint-Exupéry an einen Freund im gleichen Jahr, als der ›Der kleine Prinz‹ zum ersten Mal erschien. Dieses »leise Wunder« hat das Leben von Millionen Menschen verändert und bereichert. Millionen von Kindern sind zum Klang seiner Sätze eingeschlafen, und die Eltern zu Weisheiten erwacht. Das leise Wunder wurde zu dem Weltbestseller des 20. Jahrhunderts, den Peter Stamm, einer der meist gelesenen Autoren der Gegenwart, in unsere Sprache neu übersetzt.





Unsere Ausgabe fiel schon auseinander und als ich in den Neuerscheinungen des Fischer Verlages sah, dass es eine Neuauflage des wundervollen Klassikers gab, war klar, dass es in mein Buchregal einziehen wird. Die Ausgabe ist klein, handlich und optisch wirklich sehr gelungen. Ich habe mich soeben wieder von Planet zu Planet begeben und mich letztendlich in der Wüste eingefunden. Gestört hat mich lediglich, dass ein Zitat, welches immer wieder gerne verwendet wird, durch ein Wort, welches umgeändert wurde, völlig verfremdet wirkt.

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wichtigste ist für die Augen unsichtbar"

Für mich ein echter Kritikpunkt, denn Zeit meines Lebens ist es das Wesentliche und nicht das Wichtigste. Es fiel mir gleich ins Auge, da es auch laut ausgesprochen nicht richtig klingt. Es klingt komplett falsch und völlig fremd. Auf Grußkarten oder ähnlichem angewendet, würde man denken, dass sich definitiv ein Fehler eingeschlichen hat oder derjenige sich verschrieben hat oder vielleicht auch einfach zu dumm ist, sich ein beliebtes Zitat merken zu können? Kann man etwas, was immer schon auf das Wesentliche beschränkt war, einfach umändern? Selbst auf Google eingegeben, kommt keine Reaktion auf das umgeschriebene Zitat. 

Ansonsten sind mir keine Veränderungen aufgefallen und natürlich fühlte ich mich wieder einmal sehr wohl mit dem kleinen Prinzen, dessen Haare so golden sind wie Weizen und der auf alles eine Frage weiß. Mir fällt immer wieder auf, dass es schön wäre, wenn wir die Welt mit Kinderaugen betrachten würden, denn dann würden wir keine Berge sehen oder Kisten, sondern auch das, was sich darin verbirgt. Als Erwachsene habe ich leider doch meine Phantasie verloren und ein Buch wie "Der kleine Prinz" hilft mir, mich erneut zu öffnen für all das Schöne um mich herum. 

Ich vergebe gerne eine Leseempfehlung für diese liebevolle Ausgabe, aber dadurch, dass ich mich mit der neuen Übersetzung nicht anfreunden kann, vergebe ich lediglich 4 Sterne, was aber nicht am Inhalt oder an der Ausgabe des Klassikers liegt, sondern tatsächlich an dem für mich verfälschte Zitat.

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche  ist für die Augen unsichtbar" so soll es heißen und so liebe ich es. Völlig unverständlich für mich es zu ändern. Trotz meiner Kritik ist dieses Büchlein ein echtes Wunder, denn es steckt voller Weisheit und Poesie, wenn man sich darauf einlässt. In meinen Augen nicht umsonst ein echter Klassiker, der mich immer wieder begeistern kann. 



Die helle und die dunkle Seite des Mondes - Janusmond


Mia Winter

Janusmond


„Es wird Sie verändern! Wenn ich zu Ende erzählt habe, wird in Ihrer Welt nichts mehr so sein, wie es war. Etwas in Ihnen wird sich öffnen und Sie bereichern, aber etwas anderes wird für immer zerbrechen …“
Die französische Stadt Louisson leidet unter der Hexenhitze, als der Deutsche Leon Bernberg dort auftaucht, um nach seiner Zwillingsschwester Lune zu suchen. Diese hat vor zehn Jahren hier gelebt – und verschwand damals spurlos. Leon will sie nun offiziell für tot erklären lassen und bittet den Polizisten Christian Mirambeau um Hilfe. Doch durch Leons Erzählungen gerät auch Christian in den Bann der verschwundenen Fremden. Er beginnt Nachforschungen in dem Fall anzustellen – nicht ahnend, dass er damit sein eigenes Glück bereits verspielt hat 

Verlag: Egmont-LYX
Seiten: 416
ISBN: 978-3-8025-9790-9
14,99 Euro



"Janusmond" ist ein bedrückender und düsterer Thriller, der eine menschliche Seite offenbart, die sich uns als Leser erst nach und nach sinnig erscheint. Ich empfand das Lesen als sehr beklemmend, da Handlungsorte und Geschehnisse sehr düster und beklemmend sind. Den Schreibstil empfand ich als sehr dominant und auch nicht sehr einfach zu lesen. Leider empfand ich die Handlung als viel zu ausführlich und sehr schizophren. Schizophrenie wird in der Story sehr authentisch dargestellt und ich bin immer wieder fasziniert von diesem Krankheitsbild, dennoch verwirrte mich die Story zunehmends und ich war unsicher, wer denn nun Gut und wer Böses in sich trägt. Letztendlich hinterlässt das Buch einen sehr bitteren Nachgeschmack, denn wir treffen hier auf außergewöhnliche Menschen, die schon in eine Art Abhängigkeit zueinander stehen. Wenn Zwillinge sich tatsächlich gegenseitig erdrücken, bin ich ehrlich gesagt froh keine Zwillingsschwester oder einen Zwillingsbruder zu haben. Die Nähe der Protagonisten Leon und Lune ist schon fast obsessiv zu nennen, wobei tatsächlich lange nicht klar war, was mich letztendlich erwartet, wurden die Wahrheiten im Nachhinein so grausam und krankhaft, dass es einem schlecht werden könnte, wenn man nur ein klein wenig darüber nachdenkt. Das Lesen empfand ich als sehr beschwerlich, obwohl der Plot definitiv gelungen ist, aber die Ausführung, um der Story einen Sinn zu geben, war eindeutig zu ausschweifend. Es fließt einfach zu viel ein, was verwirrt. 
Christian, der Polizist, der Lune offiziell als tot erklären soll, reagiert meiner Meinung nach auch zu obsessiv, da er selbst im Schlaf nur noch an Lune denken kann und dabei sein gutes, beständiges Leben an der Seite seiner Frau überschatten lässt, von einer Frau die ihn allein durch Fotos und Erzählungen magisch anzieht. Er spielt zwar nur eine Nebenrolle in diesem Thriller, dennoch wird er zum Spielball eines anderen, der seine Macht gut einzusetzen vermag. Die Handlung nimmt diese und jene Wendung und als Leser verliert man irgendwann die Kontrolle, da einfach zu vieles auf mich einströmte. 
Insgesamt gesehen ist "Janusmond" ein solides Debüt, dennoch bin ich ein klein wenig unzufrieden und leider nicht komplett überzeugt worden. Manches Geschehen  war zu schwammig ausgeführt, manches zu ausführlich beschrieben. Die Briefe, die immer wieder in die Handlung eingeflochten wurden gaben reichlich Aufschluss und peppten noch ein klein wenig auf, dennoch reichte es nicht, um mich zu begeistern. 

3,5 Sterne!

Sonntag, 10. Mai 2015

11. Buchpost 2015

Hallöchen,

bevor hier gleich der Muttertagswahnsinn beginnt, möchte ich ganz kurz die Neuzugänge im Buchregal posten. Interessant ist, dass auch wenn ich Bücher verschenke, vertausche oder wie auch immer, dennoch jede Menge Bücher einziehen, was ja eigentlich auch sehr schön ist, denn sie erfreue mich, da sie mich träumen lassen und in andere Welten entführen können. Darum bin ich gerne Vielleserin und möchte euch heute mitnehmen in die unterschiedlichen Genres die mich erwarten. Einige Bücher habe ich allerdings schon gelesen, da nicht jedes Buch auf dem SUB verschwindet, da mein Ziel für Rezensionsexemplare ist, diese innerhalb einer Woche zu lesen und das klappt bisher auch wirklich gut.



Gefreut haben meine jüngste Tochter und ich uns über Kinokarten für den Film "Gespensterjäger", welche über die Facebookseite des Jumbo Verlages verlost wurden. Wir waren schon im Kino, da interessanterweise der Film in den Kinos in unserer Nähe nicht oft gespielt wird und meine Sorge war, dass sie ihn ganz aus dem Programm nehmen werden, bevor wir es ins Kino schaffen. Völlig unerklärlich, denn der Film hat uns wirklich sehr gefallen. Da das Hörspiel zum Film nun auch erschienen ist, bekamen wir auch diese vom Verlag. 
Im Kino sahen wir eine Vorschau zu Ostwind 2 und meine Pferdenärrin wünschte sich nun den Film zu sehen. Ich wollte erst einmal klein anfangen und stellte eine Anfrage beim Bloggerportal zu der CD vom ersten Teil Ostwind und wie ihr sehen könnt, haben wir diese auch zackig erhalten. Vielen, vielen Dank dafür. 






Die Challenge auf Lovelybooks zum Buch "Der Untergang Barcelonas" bescherte mir ein kleines Bücherpaket, wobei "Die genial gefährliche Unsterblichkeitsschokolade" mir von Mone geliehen wurde. Da aber alle Bücher vom Fischer Verlag sind, habe ich sie prompt miteinander fotografiert. 

Im Buchpaket der Fischer Verlage waren enthalten:
Agfa Leverkusen - Ein Buch, welches ich nun doppelt habe - Meine Rezension findest du HIER!



Hier nun einige Tauschbücher, Bücher für Leserunden oder Rezensionsexemplare. "Ein Diktator zum Dessert" und auch "Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe" haben mir sehr gut gefallen. Einige dieser hier gezeigten Schätze müssen leider ein klein wenig Zeit im Buchregal verbringen, aber gelesen werden sie definitiv. Vorfreude ist doch die größte Freude, oder?








Töchter sind wach, was heißt, dass Mama jetzt verwöhnt wird. Wünsche euch einen tollen Muttertag mit euren Müttern oder falls ihr Kinder habt mit euren Kindern. 


Alles Liebe,
Mel



Samstag, 9. Mai 2015

Spurlos verschwunden?



DOUG JOHNSTONE

Wer einmal verschwindet


Thriller


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Taschenbuch, Broschur, 288 Seiten 
ISBN: 978-3-442-74837-2
€ 9,99  
Verlag: btb
Deine Frau verschwindet. Dein Sohn braucht dich. Und die Polizei glaubt dir nicht.
»Ihre Frau hat Nathan heute nicht aus der Schule abgeholt. Ich hoffe, es gibt kein Problem?« Als Mark diesen Anruf von der Lehrerin seines Sohnes bekommt, denkt er sich nichts dabei. Wahrscheinlich steckt Lauren nur im Stau. Als er sie nicht erreichen kann, macht er sich keine Gedanken. Wahrscheinlich ist nur der Akku leer. Doch als Lauren über Nacht nicht nach Hause kommt, beginnt Marks schlimmster Albtraum.


LESEPROBE!




"Wer einmal verschwindet" entfaltet sich nach und nach zu einer recht ungewöhnlichen Story.Ungewöhnlich dadurch, da anfangs andere Verdachtsmomente auftreten, als die, die sich im Nachhinein bewahrheiten. Ein Thriller, der packt, da hier Dinge beleuchtet werden, die gerne auch unter den Tisch gekehrt werden, Postnatale Depression ist in "Wer einmal verschwindet" ein großes Thema, da Lauren direkt nach der Geburt einfach verschwindet und Mark mit ihrem gemeinsamen Sohn alleine lässt. Sie klärt nie auf, was sie in dieser Zeit getan hat und wohin sie verschwunden ist. Die Zuneigung zu ihrem Kind wächst danach zwar, aber mir fällt auf, dass Mark auch weiterhin die wichtigste Bezugsperson für Nathan bleibt. Als Lauren wieder verschwindet, wird für Mark erst spät klar, dass etwas anderes dahinterstecken muss, denn es gibt genügend Ereignisse, die ihn zweifeln lassen, dass Lauren einfach nur ihrem Leben mit ihm und Kind verschwinden wollte. Sehr gut gefallen hat mir hierbei auch die Einflechtung diverser Umweltkatastrophen, die letztendlich Mark und Nathan das Leben retten. Bis dahin, bewegen wir uns in einem Thriller, der alles aufbietet, was ich erwarte. Es tut gut, nicht gleich von Anfang an einen roten Faden zu haben, sondern mitunter auch völlig verwirrt in Szenen zu blicken, die völlig unerwartet auf den Leser einwirken können.

Eine Leseempfehlung für einen Thriller, der vieles abdeckt und mich durch viele interessante Begebenheiten, die eher ungewöhnlich waren und völlig unerwartet kamen, begeistern konnte. Natürlich verfügt der Thriller über einige Längen, da groß und breit die aktuelle Familiensituation beleuchtet wird. Für mich war dieses aber ein großer Pluspunkt, denn so gelang es mir mich mit Mark identifizieren zu können und seine Beweggründe zu verstehen.  Für alle, die absolute Hochspannung ab der ersten Seite erwarten, wird es eher enttäuschend sein. Für mich war es genau richtig, um mich auf die Story einlassen zu können. Eher seichter Einstieg, der sich am Ende mit einem dick aufgetragenen Ende entladen konnte.

Freitag, 8. Mai 2015

Schmerzliche Verwirrung







Als ich erwachte


Paperback, Klappenbroschur, 432 Seiten 
ISBN: 978-3-453-29166-9
€ 14,99  
Verlag: Diana
Was, wenn du dein Leben zweimal lebst?
Eines Morgens erwacht Katharyn in einem fremden Bett. Neben ihr liegt ein gut aussehender Mann, der behauptet, ihr Ehemann zu sein. Doch sie ist nicht verheiratet, sondern alleinstehend und stolze Inhaberin einer Buchhandlung. Auch die Kinder, die ins Schlafzimmer stürmen, kennt sie nicht. Dieser Traum lässt sie nicht los, denn immer wieder kehrt sie nachts zu der fremden Familie zurück. Katharyn bleibt keine Wahl: Sie muss herausfinden, in welches Leben sie gehört – doch wird sie die Wahrheit ertragen?





"Als ich erwachte" unterschied sich nicht sofort von anderen Romanen, die ähnlich aufgebaut sind, da die Story die selbe Richtung zu nehmen schien. Erst spät ging mir ein Licht auf, warum Kataryn / Kitty zu träumen scheint und für mich als Leser ist nicht sofort klar, welches Leben nun imaginär ist und welches real. Auch das Cover lässt nichts Neues erkennen, da bunte Punkte zur Zeit zu boomen scheinen. Nichtsdestotrotz wollte ich "Als ich erwachte" lesen, da ich mich in Verwirrspielen gerne verliere und der Klappentext mir auf Anhieb gefallen hat.

Sehr imponiert hat mir die Erkrankung Autismus, die in die Story sehr glaubwürdig einfließen konnte. Da ich mich mit Autismus sehr intensiv beschäftigt habe, war ich über die eine oder andere Erkenntnis verdutzt und bin auch immer noch nicht gewillt, zu akzeptieren, dass fehlende Mutterliebe Schuld sein kann, wenn ein Kind an Autismus erkrankt, denn dann müsste auch ich mich schuldig fühlen, da bei meiner mittleren Tochter frühkindlicher Autismus diagnostiziert wurde. Ich möchte davon Abstand nehmen, denn sonst würde ich meines Lebens nicht mehr froh und meine Schuldgefühle würden mich zermürben. Ist es also dieses, was Kataryn / Kittys Leben auf den Kopf stellt? Welches Leben ist Fiktion? Vielleicht sollte ich euch zuvor die Protagonistin ein wenig näher vorstellen, damit ihr erkennen könnt, wie verschieden diese beiden Leben verlaufen, in denen lange nicht klar ist, welches ist nun Fiktion und welches Wahr?

Leben Nummer 1:
Kitty ist mit Leib und Seele Buchhändlerin und auch wenn der Laden, den sie gemeinsam mit ihrer Freundin führt, nicht viel abwirft, ist sie zufrieden. Der Plan ist, sich zu vergrößern und neu zu investieren. Kitty ist Single und verbringt ihre Abende gemeinsam mit ihrem Kater Aslan oder ihrer Freundin Frieda, mit der sie seit Schulzeiten befreundet ist. Sie ist glücklich in diesem Leben, in dem sie Nachhilfe gibt und ein wunderbares Verhältnis zu ihren Eltern hat.

Leben Nr. 2:
Kataryn ist glücklich verheiratet und sehr verliebt in ihren Mann Lars. Gemeinsam habe sie drei Kind, Drillinge und eines der Kinder ist an Autismus erkrankt. Mit ihrer Freundin Frieda ist sie zerstritten und ihre Eltern verstorben.

Es ist für den Leser nicht gleich offensichtlich, was mit Kataryn geschieht. Ist es ein Verdrängungsmechanismus? Eine psychische Erkrankung? Ein Trauma? Ich war sehr gefangen in dieser Story, die mich zwar von Anfang an verwirrte, mich aber sehr gut abholen konnte. Ich fühlte mich sehr wohl in dem Debüt der Autorin und auch als eine Aufklärung naht, wurde die Story um einiges warmherziger und liebevoller, da sie uns eine außergewöhnliche Protagonistin präsentiert. Es zeigt auf, wie harte Schicksalsschläge uns aus der Bahn werfen können, auch wenn sonst unser Leben doch positiv und gut verläuft. Kataryn wird in beiden Leben geliebt und wertgeschätzt. Welches ist also nicht imaginär? Beide wären auf ihre Art und Weise lebenswert.

"Als ich erwachte" ist ein wunderbar verfasster Roman, der mich begeistert zurücklässt. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, da ich es als Wohlfühlbuch empfand, welches zwar vom Stil her nicht neu war, aber dennoch mehr als lesenswert, da es sich doch in mein Herz schreiben konnte.

4,5 Sterne!


Mein Dank an den Diana Verlag, der mir das Buch freundlicherweise zum Lesen und rezensieren zur Verfügung gestellt hat!

Donnerstag, 7. Mai 2015

French Cold Girl



Alain Monnier

Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe


Aus dem Französischen von Lis Künzli

Es sind ja immer die simplen Dinge im Leben, die Großes verändern. Da bestellt eine entzückende, etwas unterkühlte Französin in Toulouse einen neuen Kühlschrank – und der ist defekt. So weit, so normal. Aber dann: Marie – das ist die Schöne – ruft die Hotline der Firma an, die ihr das Haushaltsgerät verkauft hat, und was passiert? Nach und nach treffen 17 Kühlschränke in Maries Wohnung ein, während in Indonesien ein neues Thermostat auf seinen Transport ins ferne Frankreich wartet. Halb Europa ist unterwegs, um ihr zu helfen, und das bleibt natürlich nicht unbeobachtet: Das Fernsehen kommt, sogar die BILD aus Deutschland berichtet. Wie gut, dass Marie einen verlässlichen Freund an ihrer Seite hat. Er ist Schriftsteller und erzählt diese Geschichte so herzerwärmend komisch, dass mangels Kühlung nicht nur in Toulouse die Temperaturen steigen.

Arche Verlag
160 Seiten · mit Schutzumschlag
EUR 16,99  
ISBN-13: 978-3-7160-2734-9



Welch ein außergewöhnlicher Titel "Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe" welcher mir im Internet mehrfach ins Auge sprang und sich förmlich aufdrängte, von mir  gelesen zu werden. Angesprochen dadurch, war ich unheimlich neugierig, was sich dahinter verbergen mag. Letztendlich dreht es sich natürlich ganz klar um Kühlschränke und zwar einer Menge Kühlschränke, wobei natürlich auch die Liebe nicht zu kurz kommen wird.
Marie unsere Protagonistin hat eine Selbstbeherrschung, die ich mir für mich manchmal wünschen würde. Ich wäre irgendwann total ausgeflippt und hätte die Kühlschränke aus dem geschlossenen Fenster geworfen. Natürlich nur, wenn ich es Kräftemäßig hinbekommen hätte ☺ Vielleicht unterscheidet dieses mich von Marie, denn sie bewahrt durch und durch die Contenance. Es ist beeindruckend, wie kühl Marie am Anfang erscheint und sie es doch irgendwann schafft aus sich herauszukommen. Diese Feststellung betrifft allerdings nicht die Kühlschränke, sondern die Liebe. Marie ist von ihrer Persönlichkeit eher kühl und trieft halt nicht vor Leidenschaft, was natürlich auch bedeuten kann, dass sie sie zuvor noch nicht entdeckt hat?
Die 160 Seiten sind natürlich schnell gelesen und dennoch bleibt etwas zurück, da der Schreibstil wirklich außergewöhnlich ist. Wie vom Arche Verlag gewohnt, ist auch "Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe" ein eher hochwertiges Buch. Es ist kein Roman, wie man ihn alltäglich liest, da die Sprache mitunter eher poetisch ist und natürlich auch dazu führt, aufmerksamer zu lesen. Einfach mal nebenbei lesen geht nicht, da sonst viel zu viel verloren gehen würde. Es erfordert aufmerksames Lesen, um die Story so zu begreifen, wie sie gewollt wurde. Mir hat es gefallen, denn letztendlich hat Amüsement und Unterhaltung die Oberhand gewonnen, sobald man sich an den Schreibstil gewöhnt hat. Es wirkt zunächst kalt und entwickelt sich immer mehr und mehr dazu, herzerwärmend zu werden. Es beginnt mit einem Kühlschrank, der sich mehrt und mehrt, sodass Marie in ihrer Wohnung nicht mehr genügend Platz hat, um in ihr Bett zu kommen oder eben halt normal zu leben. Sie trägt es mit Fassung und das ist schon sehr bewundernswert. Positiv ist allerdings ihre eigene innere Entwicklung, die dazu führt, dass sie sich vom Liebhaber trennt, der sie letztendlich auch nur benutzt hat und das was in ihr brodelt, nicht wecken konnte. Anders der Schriftsteller, der einen ganz anderen gepflegten Umgang mit Marie hat und aus der unterkühlten Marie eine Marie gestalten kann, die mir wesentlich besser gefallen will. Gut gefallen hat mir auch Maries Bemühungen durch Handwerker und den telefonischen Service, die dann leider doch nicht dazu führen, dass Maries Kühlschrank funktioniert. Interessant ist die tatsächliche Frage, warum nicht ein einziger Kühlschrank in Maries Wohnung funktioniert? Woran mag es liegen? Diese Frage bleibt leider unbeantwortet, schmälert meine Begeisterung aber deshalb nicht. Sehr gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus für ein Buch, welches absolut passend beschreibt, wie hilflos man ist, wenn man plötzlich unerwartet Hilfe bekommt, die dann aber so überhand nimmt, dass es schon fast erschreckend ist. Hoffentlich bleibt diese Story Fiktion, denn wer braucht schon 17 nichtfunktionierende Kühlschränke?

4,5 Sterne!

Mittwoch, 6. Mai 2015

Magische Seefahrt auf dem Piratenstrom



Carrie Ryan + John Parke Davis

Die Weltensegler - Die phantastische Suche nach der Überallkarte

Roman
Hardcover
Aus dem Amerikanischen von Wolfram Ströle
  
ISBN: 978-3-7373-5106-5
16,99 Euro

Ein unglaubliches Abenteurer, das dich ans Ziel deiner Wünsche bringt! 

Ein genialer Meisterdieb, eine schlaue Heldin und ein altes Piratenschiff, das auf einem magischen Fluss durch das Universum segelt – was könnte spannender sein? Eine Landkarte, die von einer phantastischen Welt in die nächste führt – und diese Karte gibt es wirklich! Man muss sie nur finden. Zusammen mit einer witzigen und abenteuerlich-chaotischen Crew machen sich Fin und Marrill auf die Suche nach ihr und reisen durch immer neue Welten, unsichere Gegenden und gefährliche Gewässer. Doch sie werden verfolgt von finsteren Feinden – denn sie sind nicht die Einzigen, die die Überallkarte brauchen, um ans Ziel ihrer Wünsche zu gelangen… 

Die Überallkarte bringt dich an Orte, an die du nichtmal im Traum gedacht hast – lass dieses Schiff nicht ohne dich davonsegeln!



"Die Weltensegler - Die phantastische Suche nach der Überallkarte" ist der erste Teil einer Buchreihe für Kinder ab 10 Jahren. Es ist ein äußerst gewagtes und magisches Abenteuer und die 480 Seiten waren zügig begeistert gelesen. Für das empfohlene Alter bestens geeignet, auch wenn die Dicke des Buches auf den ersten Blick vielleicht abschrecken wird. Die Story die sich innen verbirgt ist wundervoll und lässt uns als Leser abtauchen in einen Welt voll von Magie und Phantasie. Eine Portion Freundschaft und Spannung lassen das Lesen zu einem echten Abenteuer werden und auch Lesemuffel werden sicherlich begeistert sein. Mir haben ein klein wenig Illustrationen gefehlt, die den Roman sicherlich um einiges hätten aufpeppen können und dazu geführt hätten mir dieses oder jenes noch besser vorstellen zu können. Mich hätte sehr interessiert wie z.B die Piratten (kein Rechtschreibfehler, sondern tatsächlich so geschrieben) aussehen oder auch der eiserne Kapitän. Auch Rose hätte für mich ein Gesicht bekommen können, denn so bleibt manches eben blass und ich muss meiner Phantasie selbst anregen. Da das Buch aber für Kinder ab 10 Jahren empfohlen wird, weiß ich, dass Illustrationen immer noch einiges heraushauen können, was das Buch allein vielleicht nicht gegeben hat. Ist nur ein kleine Anmerkung nebenbei, denn letztendlich konnte mich das Buch ja auch so überzeugen. Ich fühlte mich wohl und meine Erwartungen wurden komplett erfüllt. Ein abenteuerliches Buch, welches unbedingt nach einer Fortsetzung schreit, die für 2016 geplant ist.

Natürlich möchte ich ein klein wenig auf die Story eingehen, bevor ich ein Fazit ziehe und euch die beiden wichtigsten Personen des Buches kurz vorstellen. Zum einen ist da Marril, die sich plötzlich auf einem Schiff der Krake befindet. Marril wohnt in Arizona und ihre Mutter ist so schwer krank, dass die Familie sesshaft werden muss. Für Marril das erste Mal, dass sie eine Schule besuchen wird und in einem Haus lebt. Zuvor hat sie mit ihren Eltern viele, viele Abenteuer erlebt und die Welt bereist. Marril zeichnet sich dadurch aus, dass sie Fin bemerkt. Fin, den alle zwar wahrnehmen, aber in der nächsten Minute wieder vergessen haben, fühlt sich einsam und sehnt sich nach Geborgenheit. Er ist allerdings auch ein Meisterdieb, was vielleicht auch daran liegt, dass seine Umgebung ihn sofort wieder vergisst, sobald sie ihn aus den Augen verlieren. Eigentlich sehr traurig und dadurch, dass Marril ein Herz für Ausgestoßene und Verlassene hat, entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Die Abenteuer, die sie auf der Krake erleben meistern sie gemeinsam und ergänzen sich dabei prima. Egal, ob es der Kampf gegen Gerüchte ist oder die Suche nach der Überallkarte, diese Freundschaft geht tief und kann auch in höchster Gefahr bestehen. Die Macht der Überallkarte sollte man nicht unterschätzen, denn nicht jeder hat dabei etwas Gutes im Sinn.

Abenteuer, Magie, Freundschaft und außergewöhnliche Personen machen das Lesen zu einem echten Erlebnis. Es war spaßig, aufregend und voller Spannung. Die erschaffenen Geschöpfe und Begebenheiten sind sehr gelungen. Marril und Fin sind äußerst liebenswert und auch wenn niemand glauben wird, was Marril erlebt hat, ist es doch wahr, oder hat sie vielleicht nur davon geträumt?

Gerne eine Leseempfehlung für ein gelungenes Abenteuer, welches nicht unbedingt nur Jungen oder Mädchen begeistern wird, sondern auch Leserinnen wie mich, die dem empfohlenen Alter längst entwachsen sind.




Dienstag, 5. Mai 2015

Roadmovie der Fotografie



Boris Hillen

Agfa Leverkusen

Roman
Hardcover
ISBN: 978-3-10-002282-0
19,99 Euro

Kishone Kumar, ein junger indischer Provinzfotograf, reist 1977 mit seinem besten Freund per Motorrad nach Deutschland. Er will bei den Agfa-Werken in Leverkusen die Technik der Farbfotografie erlernen – und er will in Europa Joan wiedersehen, eine lebenshungrige Journalistin, die er kurz vor der Abreise kennengelernt hat. Über Kabul, Teheran, Istanbul, Gießen und Berlin geht es vom indischen Frühling in den Deutschen Herbst: ein langer Sommer der Freundschaft und Liebe, an dessen Ende alles anders ist – und eine Reise, die erst in unserer Gegenwart endet.




"Agfa Leverkusen" brilliert durch seine Zeitsprünge, die am Anfang eher verwirren, aber irgendwann einen Sinn ergeben, der für die Story wichtig ist. Nicht nur Kishone und Amitabh erzählen ihre Geschichte, sondern auch Sax und Tom, die sich ebenfalls auf einer Reise befinden, wenn auch einige Jahre später. Das Cover verdeutlicht, dass wir uns in den 70er Jahren befinden werden und diese Zeit noch nicht von Farbfilmen geprägt wurden. Kishone, der sich sein Können als Fotograf selbst erarbeitet hat, hegt den Wunsch nach Leverkusen zu reisen, um dort alle Raffinessen und die Kunst der Fotografie in Farbe zu erlernen. Gemeinsam mit seinem Freund Amitabh machen sie sich auf den Weg. Insgeheim hegt Kishone natürlich auch den Wunsch Joan wiederzutreffen, die in unserer Handlung eine recht große Rolle übernimmt, zumindest im Herzen von Kishone.
Faszinierend ist für mich der Schreibstil, der hier gewählt wurde. Eine andauernde hochkarätige Wortwahl, den Umständen und der Zeit angepasst. 
Kishone ist ein Mann, dem es mitunter an Reife fehlt und daher gerät er hin und wieder in Schwierigkeiten, die aber eher belustigen, als erzürnen würden. Amitabh ist eher schwermütig und nimmt mitunter der Handlung ein klein wenig die Farbe, dennoch ist die Freundschaft dieser beiden Männer etwas ganz wunderbares und prägend für das Geschehen, denn es beginnt mit einer gemeinsamen Reise, die dann doch anders verläuft als diese beiden Männer es erwartet hatten. Manchmal strandet und scheitert man einer Stelle seines Lebensweges, bzw. endet eine Reise anders als erwartet wurde. Für uns als Leser ist "Agfa Leverkusen"nicht einen Moment vorhersehbar, da sich das Blatt immer wieder ändert, da es oft auch andere Menschen sind, die Pläne umwerfen, die wir uns gemacht haben. Wir erleben hier eine gewisse Spontanität, auch wenn das Ziel immer noch ist, Fotografie mehr zu erleben und zu erlernen. 
Je mehr man liest, umso mehr Einblicke bekommt man in verschiedenste Kulturen. Die Eindrücke sind bleibend und intensivieren sich mehr und mehr. Mir hat dieses Roadmovie, welches in Indien beginnt und in Deutschland endet sehr viel Spaß gemacht, was natürlich auch an den sehr an den Protagonisten des Buches liegt. Durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten, ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens und des Erkennens was wirklich zählt, intensiviert sich auch das Lesen. Irgendwann ist ein Ziel erreicht und ein Ende, ein Erkennen kristallisiert sich heraus. 
"Agfa Leverkusen" hat seine Höhen und Tiefen, wie es auch im Leben üblich ist. Boris Hillen ist es gelungen, uns auf eine einzigartige Reise in die Vergangenheit hinein zu nehmen und im Gegensatz dazu, die Gegenwart mit Sax und Tom äußerst glaubwürdig miteinander zu verknüpfen. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus für einen Roman, der anders war als erwartet und mich begeistert zurücklässt.  




Montag, 4. Mai 2015

Wer resigniert stirbt



FRANZ-OLIVIER GIESBERT

Ein Diktator zum Dessert

 

Originaltitel: La cuisinière d'Himmler
Originalverlag: Éditions Gallimard, Paris 2013
Aus dem Französischen von Katrin Segerer 
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Paperback, Klappenbroschur, 336 Seiten 
ISBN: 978-3-570-58538-2
€ 14,99 
Verlag: carl's books


Politisch unkorrekt, humorvoll und geistreich
Rose ist 105 Jahre alt, eine begnadete Köchin mit einem kleinen Restaurant in Marseille. Sie hat den Genozid an den Armeniern, die Schrecken der Nazizeit und die Auswüchse des Maoismus erlebt. Deshalb hat sie vor nichts und niemandem mehr Angst. Für den Fall, dass ihr jemand blöd kommt, trägt sie immer einen Colt in der Tasche. Sie lässt sich von Mamadou, ihrem jugendlichen Gehilfen im Restaurant, auf dem Motorrad durch Marseille kutschieren, hört Patti Smith, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und denkt auch im biblischen Alter immer nur an das Eine. Und sie meint, dass sie nun alt genug ist, ihre Memoiren zu schreiben: Um das Leben zu feiern und die Weltgeschichte das Fürchten zu lehren.





In "Ein Diktator zum Dessert" lesen wir eine außergewöhnliche Lebensgeschichte, die angefüllt ist voll Wut, Trauer und Rachegedanken. Wir tauchen ein in das Weltgeschehen des 20. Jahrhunderts, welches manchmal erbost und regelrecht sprachlos macht. Unsere Protagonistin Rose hat echten Biss und egal, was sie erlebt oder was ihr genommen wird, bleibt sie nicht am Boden, sondern steht auf und fängt einfach neu an. Rose ist sehr lebensbejahend und eine starke Persönlichkeit. Auch wenn "Ein Diktator zum Dessert" sehr viel Geschichtliches beinhaltet, ist die Story nicht einen Moment langweilig oder oberflächlich. Sie entführt uns in ein Leben, welches mitunter auch in Ausnahmesituationen bestehen muss. Jemand anderes als Rose wäre vielleicht an den Erlebnissen zerbrochen, die als Armenierin beginnen und in China im Mao Regime enden. Immer mehr Menschen werden als Verlust beklagt.

Einen großen Teil der Story nimmt das Nazi Deutschland ein und ich vermute, dass wir Himmler, Goebbels und Hitler noch nie so erlebt haben oder habt ihr gewusst, dass Hitler sehr unangenehm aus dem Mund gerochen hat? Vielleicht ist das eine oder andere Fiktion, denn ein Hitler der kein Fleisch ist, weil ihm die Tiere leid tun, kann doch niemand ernst nehmen. Ein arisches Volk zu erschaffen, ist ihm immerhin sehr leicht gefallen. Ob wirklich Syphilis an seinem Größenwahn Schuld war?

"Ein Diktator zum Dessert" hat echten Biss, was tatsächlich an einer herausragenden Protagonistin liegen muss, denn Rose lenkt die Story immer wieder in die richtige Richtung, um uns weiterhin zu unterhalten oder uns unsere Hände über den Kopf zusammenzuschlagen lässt, da die Frage vermehrt auftritt, wann Roses Leiden endlich ein Ende findet. Ich wäre schon längst zusammengebrochen und hätte resigniert. Rose fängt immer wieder neu an und ich frage mich, woher sie die Kraft nimmt. Rose erlebt einige Genozide und erfährt dadurch einiges an Verlusten. Die Menschen die sie betrauern muss, mehren sich und führen dazu, sich neuem zu öffnen oder in neuer Umgebung weiterzumachen. Rose entwickelt sich also auch zur Weltenbummlerin und nimmt uns auf diese kurzen oder längeren Expeditionen mit. Rose lernt sich anzupassen und zeigt eigentlich nur selten ihr wahres Gesicht.

Rose trifft in ihrem aufregenden Leben auf Persönlichkeiten wie Hitler, Himmler, Stalin, Mao und Satre, dies fand ich zwischendurch doch etwas dick aufgetragen, dennoch haucht Rose diesen Männern echtes Leben ein allein durch die Begegnungen mit ihnen. Wenn ich die sexuelle Seite von Rose betrachte, ist ihre Sexualität meiner Meinung nach etwas zu ausgeprägt und mitunter auch unnötig. Selbst im Alter von 105 Jahren ist diese noch vorhanden und erscheint mir leider dadurch unglaubwürdig. Rose ist allerdings anders als andere Frauen in ihrem Alter und vielleicht sollte ich es schon alleine deshalb nicht in Frage stellen? Essen, Sex und Rache sind die drei Hauptfaktoren im Leben der Rose, die im Verlauf der Story mehrfach ihren Nachnamen wechselt. Rose ist absolut wandlungsfähig und brilliert dadurch komplett.

Die Sprache des Buches ist deutlich und mitunter führen die kurzen und knackigen Kapitel dazu, immer mehr und mehr lesen zu wollen. Viel Handlung, viele Schauplätze und Personen bieten jede Menge Raum für Spekulationen, die sich dann doch zerschlagen. Nicht einen Moment ist "Ein Diktator zum Dessert"vorhersehbar.

Fazit: "Ein Diktator zum Dessert" nimmt uns mit in eine außergewöhnliche Lebensgeschichte. Rose kennen zu lernen war definitiv eine Bereicherung, auch wenn dieses und jenes unglaubwürdig und zu dick aufgetragen erschien. Im Gesamtpaket ein Roman, der auf der einen Seite erschüttert, auf der anderen Seite köstlich amüsieren kann. Ein Glossar und einige Rezepte runden das Buch ab und finden so einen guten Abschluss für ein wirklich außergewöhnliches Buch. Der Autor nutzte einiges an Spannung, um mich letztendlich begeistern zu können.







Sonntag, 3. Mai 2015

Abenteuer Ponyhof



Die schönsten Pony-Geschichten

Anthologie
Gelesen von Juliane Köhler
Ab 4 Jahren
1 Audio-CD, Laufzeit: 76 Minuten
ISBN: 978-3-8445-1760-6
€ 7,99 [ 

Verlag: der Hörverlag


Und wer es immer noch nicht glaubt...das Leben IST ein Ponyhof
Was Kinder nicht so alles Aufregendes erleben auf dem Ponyhof: im Heu Verstecken spielen, neue Freunde kennenlernen, Ställe ausmisten. Aber die Hauptrolle spielen natürlich die Ponys! Die Mähne will ausgekämmt, das Fell gestriegelt, die Nüstern wollen gestreichelt und die Ponys geritten werden. Dass das manchmal auch in kleine Abenteuer münden kann, zeigen die süßen Geschichten, die hier versammelt sind.

Enthält:

• Margot Berger, "Die Ponydusche"

• Margot Berger, "Spuk im Heu"

• Margot Berger, "Fine im Pferdefieber"

• Sarah Bosse, "Nele träumt vom Reiten"

• Patricia Schröder, "Ein Pony für vier"




Mit "Die schönsten Pony - Geschichten" hören wir mehr als eine Stunde lang die unterschiedlichsten Geschichten, die kleine Ponyfans sicherlich begeistern werden. Meine Tochter hat die CD schon mehrfach alleine gehört, bevor wir uns an einem Abend gemeinsam in Bett kuschelten, um zu lauschen. Es ist immer wieder ein sehr schönes Erlebnis, wenn wir uns ganz bewusst Zeit füreinander nehmen. Da die CD in Kapitel aufgeteilt ist, kann man auch stoppen, falls die Zeit zu lang werden würde. Mehr als eine Stunde intensives Hören kann doch recht anstrengend werden, wenn die Kinder jünger sind. Die Altersempfehlung liegt ab 4 Jahren und meine Empfehlung wäre da eben, die Geschichten vielleicht nicht alle auf einmal hören zu lassen, damit sie nicht überfordern. Alles wird sicherlich auch nicht von jüngeren Kindern verstanden werden, da es ein klein wenig Vorkenntnisse benötigt oder wissen eure Kinder was das kleine Hufeisen oder das Vorderfußwurzelgelenk ist? Bei uns sind einige Fragen aufgekommen, deren Beantwortung ich dann meiner älteren Tochter überlassen konnte.
Meine jüngere Tochter ist 7 und hat natürlich wie viele kleinen Mädchen den Wunsch zu reiten. Alle neuen Oberteile sollen Pferde zieren, da sie dieses als ihre neue große Liebe entdeckt hat. Schon als sie die CD sah, war sie völlig aus dem Häuschen, da sie zu diesem Zeitpunkt absolut in ihr Beuteschema gepasst hat. Pferde sind bei uns zur Zeit sehr aktuell und ich weiß, dass dieses auch noch ein klein wenig so bleiben wird. Auf dem Schulhof wird mit Freundinnen ausgiebig Pferd gespielt wird und es ist typisch, dass sich die Mädchen nur noch wiehernd und galoppierend bewegen.

Die Geschichten sind sehr unterschiedlich aufgebaut und auch von der Länge verschieden. Während einige doch recht lang sind, ist "Die Ponydusche" z.B. kurz und knackig. Sie unterscheiden sich zwar vom Aufbau, sind aber dennoch darauf ausgerichtet kleine Mädchen begeistern zu können. Nach dem Hören ist der Wunsch nach einem Pony sicherlich um einiges intensiver geworden. Natürlich wird auch darauf hingewiesen, dass ein Pony sehr viel Pflege braucht und die Stallpflege sehr zeitraubend ist oder wie viel wertvoller es ist gemeinsam mit Freundinnen ein Pony zu versorgen. Auch das Thema Allergie wird behandelt, denn es gibt leider auch Menschen, die regelrecht Atemnot bekommen, wenn sie nur in die Nähe eines Pferdes kommen. Es dreht sich also alles um Ponys und Pferde und kann so kleine Pferdefans regelrecht entzücken. Kurz und knackig oder eben auch etwas länger, aber immer sehr niedlich und dem Alter angemessen. Juliane Köhler ist es gelungen, den Geschichten Leben einzuhauchen und das Hören zu einem echten Genuss zu machen. Manche Geschichten regen zum Nachdenken an, während andere einfach nur unterhalten. Im Gesamtpaket und einstimmig mit meiner Tochter entschieden, möchten wir gerne eine Hörempfehlung aussprechen, da unsere Erwartungen an die CD voll erfüllt werden konnten. Eine Reihe von Geschichten, die etwas mehr als eine Stunde bestens unterhalten konnten. Wer also ein Geschenk sucht für ein Mädchen im passenden Alter wird die Augen eines kleinen Mädchens sicherlich zum Strahlen bringen. Mir ist bis jetzt kaum ein Mädchen begegnet, das der Faszination Pferd widerstehen konnte.

Samstag, 2. Mai 2015

Absolut Provokativ



Hilary Smith

Hellwach

Hardcover
Aus dem Amerikanischen von Jenny Merling

ISBN: 978-3-8414-2157-9
14,99 Euro



Der Feel-good-Roman von Hilary T. Smith ist wie ein guter Song:
LAUT, PROVOKATIV und BERÜHREND.

Fühlst du manchmal diese Lust, Sterne umarmen zu wollen?

Das Leben meiner Eltern ist so strahlend, als wäre es gar nicht echt. Es hat eine klinisch saubere Frische wie Schnittblumen, eingeschweißt in Zellophan. Mir wird schwindelig davon. Seit dem Tod meiner Schwester weiß ich, Leben ist Chaos. Es fühlt sich an, als würde mein Leben gerade in mehrere völlig verschiedene Realitäten aufsplittern, die eigentlich gar nicht nebeneinander bestehen können. Es gibt die eine Version, wo der Klavierwettbewerb das Wichtigste auf der ganzen Welt ist und ich ehrlich und gehorsam bin. Und dann gibt’s die Version, in der die Erwartungen meiner Familie irgendwie völlig bizarr und unwichtig sind. Ich schlinge die Arme um die Knie, weine und lache und suche nach meinem iPod, damit ich die passende Musik dabeihabe. Ich bin hellwach, von innen beleuchtet, und begreife, dass das Universum mir heute Nacht einen Einblick schenken will – einen Einblick in etwas Großes. Und ich habe Angst, dass sich diese Tür zu etwas Wunderschönem vielleicht schließt und nie wieder öffnet, wenn ich die Chance jetzt nicht nutze.
Ich könnte in einer Schokoladenfabrik in den Rocky Mountains sein und kandierte Äpfel mit Mashmallows und Erdnussbutter essen. Oder in einem Sushirestaurant mit ein paar alten Männern Guitar Hero spielen. Vielleicht am Hafen ein paar Infos zu Schiffsreisen zu den Fiji-Inseln einholen. Oder einfach am Strand sitzen und mit einer Meeresschildkröte angeln. Aber ich bin hier. Jetzt. Und dies ist mein Leben. Und ich habe mich verliebt. Nur nicht in den Jungen, in den ich mich eigentlich verlieben wollte. Dieses aufgedrehte Gefühl ist zu einem summenden, knisternden elektrischen Feld geworden. Ich will die Straße hinuntertanzen.




"Hellwach" ist  ein Jugendbuch, welches von der Altersangabe ab 14 Jahren meiner Meinung nach zu niedrig angesetzt wurde. Jugendliche sollten in diesem Alter bitte noch nicht mit extremen Drogenkonsum und diversen Psychosen konfrontiert werden, da dieses sicherlich überfordern wird. Mir als Erwachsene fiel es mitunter schon schwer Kiris Leben zu reflektieren und anzunehmen. Die ersten 100 Seiten hatte Kiri mich gewonnen und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen. Leider änderte sich irgendwann meine Haltung zu ihr und ich konnte ihr immer weniger Verständnis zuteil werden lassen.
Der Anfang des Buches war großartig, denn wir treffen auf eine sehr verletzliche Protagonistin, dessen ältere Schwester Sukey verstarb. Innerhalb der Familie wird über ihren Tod geschweigen und überhaupt kam es mir so vor, als hätte es diese ältere Schwester nie gegeben. Kiri damals 12 Jahre alt, hat sich nicht verabschieden dürfen und dieses sehe ich auch als Grund an, warum der Anruf von Doug sie dermaßen aus der Bahn wirft, dass sie sofort alles stehen und liegen lässt, um die letzten Dinge ihrer Schwester zu holen. Es ist als wird eine alte Wunde ganz tief aufgerissen, da Kiri innerhalb ihrer Familie auf eine Mauer des Schweigens stößt. Kiri muss erkennen, dass Sukey ein anderes Leben geführt hat, als sie sich als Kind ausgemalt hatte. Die Erkenntnis ist erschreckend und schmerzhaft. An diesem Punkt konnte ich mitfühlen und hatte auch wenig Verständnis für Kiris Eltern, die scheinbar nur darum bemüht sind, die äußere Fassade zu erhalten.
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, indem Kiri nicht mehr sie selbst zu sein scheint und mir ehrlich gesagt auch unsympathisch wird. Nicht mehr schlafen, nur noch existieren, angefüllt von Wahnvorstellungen, so bestreitet Kiri ihr Leben. Ich empfand ihre Verwandlung als sehr beängstigend und nur Kleinigkeiten wie ein Tanz im Sternenkleid konnten dem Roman ein  klein wenig Leichtigkeit geben. Ansonsten ist er wirklich provokativ, da uns Drogenkonsum in aller Offenheit, Depressionen und andere Extreme begegnen.
"Hellwach" macht definitiv wach, aber leider in eine andere Richtung als erwartet. Für mich war es keine leichte Kost und meine Erwartung vielleicht auch etwas zu hoch geschraubt. Kiris Ausbrüche empfand ich mitunter als beschämend. Natürlich ist ein Ausbruch aus den Erwartungen die wir als Eltern an unsere Kinder haben, wichtig um sich selbst zu finden, aber Drogen sind nicht förderlich, um urplötzlich zu einem menschlichen Zombie zu werden. Nicht mehr zu wissen, was richtig oder falsch ist. Die Welt nur noch in Farben zu sehen und Dinge zu tun, die uns unter Umständen nicht im Traum eingefallen wären. In Kiri stecken jede Menge Potential, die sie aber im Drogenrausch komplett vergisst und es nur noch übertreibt. Es ist schwierig eine Person zu beschreiben, die tagelang unter dem Klavier liegt und sich ihren Wahnvorstellungen hingibt, nicht mehr isst und nicht schläft. Die Menschen an ihrer Seite sind wenig hilfreich, um Kiri zu helfen. Ihre Eltern auf Weltreise, der Bruder überfordert, Lukas und Skunk mit sich selbst beschäftigt. Sieht denn niemand Kiris Hilfeschreie? Sieht niemand ihr Scheitern?
"Hellwach" brachte mich an meine eigenen Grenzen, denn auch wenn es leicht zu lesen war, einem Jugendbuch angemessen, ist es absolut krass, da die Geschehnisse wirklich andauern und zu keinem guten Ende zu führen scheinen. Mich hinterlässt der Roman mit einem bitteren Nachgeschmack und dem Wissen mehr auf meine Kinder zu achten und sie nicht mit Lieblosigkeit und Nichtbeachtung zu behandeln. Kiri wäre vielleicht nicht abgestürzt, wenn sie Menschen um sich gehabt hätte, die nicht nur Erwarten, sondern auch Geben können. Vielleicht wäre Offenheit von Seiten der Eltern hilfreich gewesen, denn das Lügengebäude das irgendwann einstürzt, bringt Kiris Welt ins Wanken.
Von mir eine bedingte Leseempfehlung an ein Jugendbuch, welches eigentlich nur wütend und sprachlos macht. Die Altersempfehlung des Verlages ist definitiv zu niedrig gesetzt, da die Emotionen die "Hellwach"freisetzt, überfordern selbst mich als Erwachsene.