Sonntag, 12. April 2015

Neu im Buchregal * 8 / 2015 *


Hallöchen,

ich freute mich auch diese Woche über Buchpost. Ansonsten haben wir Ostern leidlich überstanden, da wir von einer Magen - Darmgrippe flach lagen. Positiv daran war, dass ich recht viel gelesen habe und das macht Krankheitstage dann doch irgendwie schön, denn wann sonst kann ich mich stundenlang in mein Bett legen und lesen?




Mit Worten kann ich fliegen bekam ich über den "Ich wünsche mir ein Buch ...." Thread  auf Lovelybooks. Es stand schon eine ganze Weile auf meinem Wunschzettel, da ich den Klappentext sehr interessant fand. Menschen mit Behinderungen faszinieren mich einfach, da oft ganz viel Intelligenz und Begebenheiten die sehr überraschen können hinter der Person steht, die wir vor Augen haben.

Der Sommer, in dem es zu schneien begann und Honigtot sind Nachzügler aus dem Programm von PIPER, welche ich mir für meinen Jahreshauptgewinn ausgesucht hatte. Ersteres werde ich für die Challenge lesen und freue mich schon sehr darauf. Der Buchschnitt hat dieselben Wellen wie das Cover, daher habe ich es für euch noch zusätzlich fotografiert. Optisch ist es definitiv ansprechend.




Auf Bird Box bewarb ich mich auf BloodeinBuch und wie ihr sehen könnt, wurde mir das Buch auch zugesandt. 
Über uns der Himmel, der dritte Teil der Krumpflinge - Egon schwänzt die Schule und "Die schönsten Pony - Geschichten" bekam ich über das Bloggerportal von Random House. Die Krumpflinge haben uns sehr gut gefallen und gerade den dritten Teil finde ich hörenswert, da es über Mobbing geht, ein ganz aktuelles Thema, auch schon im Grundschulalter. Ich bin sehr gespannt, wie es umgesetzt wurde und ob im Nachhinein Gesprächsbedarf bei meiner Tochter vorhanden ist.




Extradunkel und Rain - Das tödliche Element waren ein Spontanbuchkauf und auch wenn das Regal überquillt überwiegt manchmal doch Neugier über den Verstand und daher konnte ich der Versuchung einfach nicht widerstehen.


In der neuen Woche also wieder ganz viel Lesezeit für mich gewünscht ☺


Schönen Sonntag und bleibt gesund!

Viele Grüße,
Mel








Samstag, 11. April 2015

Die Rose von Jericho



Catherine Chanter

Die Quelle

Hardcover
Aus dem Englischen von Verena Kilchling
ISBN: 978-3-651-02195-2
16,99 Euro





Neu anfangen, draußen auf dem Land. Doch ihr Traum wird zum Albtraum.
Der große internationale Bestseller, der mit seiner verstörenden Aktualität und atmosphärischen Kraft die Leser über alle Grenzen hinweg fesselt.

Was ist grausamer, die Natur oder die Menschen? Ruth wollte mit ihrer Familie neu anfangen, draußen im Haus an der Quelle. Doch als es im ganzen Land nicht mehr regnet, nur noch bei ihnen, wird das Paradies zum Albtraum, der das Leben eines Kindes kostet – und bald kann Ruth nicht einmal mehr sich selbst trauen.

In England regnet es nicht mehr, eine Dürre überzieht das ganze Land. Nur auf dreißig Morgen Land im Westen der Insel fällt noch Regen. Ruth und Mark, denen »die Quelle«, dieses noch fruchtbare Grundstück gehört, haben als Einzige Wasser und könnten sich glücklich schätzen. Doch das vermeintliche Paradies, in dem sie leben, wird zu ihrer ganz persönlichen Hölle.
Ein aufwühlender psychologischer Roman von zwingender Spannung: eine Frau, ein Mann und ihre Familie in einer Extremsituation, die uns jederzeit treffen könnte. Mitreißend erzählt von Catherine Chanter, der Neuentdeckung aus England.






Leider habe ich erst sehr spät einen Zugang zu "Die Quelle" bekommen, da mir lediglich häppchenweise eine Story präsentiert wurde, mit der ich mich weder identifizieren konnte, bzw. anwesende Protagonisten meine Begeisterung hätten schüren können. Ruth gerät in den Sog einer Sekte will ich es nennen und reagiert / agiert absolut kopflos, was natürlich auch aufzeigt, wie schnell Menschen uns beeinflussen können. Ruth setzt alles aufs Spiel und verliert letztendlich alles. War die "Rose von Jericho" so bedeutsam für Ruth, sodass sie ihre Ehe, ihre Tochter und ihren Enkel verliert? Lange Zeit ließ die Autorin mich im Dunkeln tappen und führt mich meiner Meinung nach viel zu langsam in die Story ein.
Die Story setzt sich aus Gegenwart und Vergangenheit zusammen, was ich eigentlich recht gerne lesen mag, aber in "Die Quelle" war es mir zu viel drumherum, bis ich endlich eine Ahnung bekam, was wirklich geschah und Ruth somit in ihren persönlichen Alptraum schleudert. Ich bekam weder einen Zugang zur Story, noch zu den Protagonisten und war ehrlich gesagt froh, dass sich der Roman recht zügig lesen ließ, auch wenn mir mitunter die Begeisterung fehlte.
Anstatt sich im Paradies wiederzufinden, überschlagen sich durchs Ruth Blauäugigkeit irgendwann die Ereignisse und lassen eine verwirrte Frau zurück, die vor lauter Schuldgefühlen zusammenzubrechen scheint. Viele sind verdächtig und auch wenn es mir im Nachhinein logisch erscheint, frustrierte mich die Auflösung dennoch.

Ich kann für "Die Quelle" leider nur eine eingeschränkte Leseempfehlung aussprechen, da mich die Story nicht so packen konnte wie erhofft.  Es erschien mir fast schon blass und oberflächlich, aber vielleicht habe ich den überspringenden Funken einfach nur verpasst? Die wundervolle Natur die sich präsentiert konnte leider nicht herausreißen, dass mir die Spannung fehlte und die ganzen Wirrungen und Erlebnisse in mancher Hinsicht zu viel oder eben auch zu wenig waren, um mich begeistern zu können.

Donnerstag, 9. April 2015

Der April ist ein trügerischer Monat ...





5 Tage im April

Christoph Marzi


 Als Jack sich – mit einem rätselhaften Brief in der Tasche – auf den Weg nach Seals Head Harbor macht, ahnt er noch nicht, welches dunkle Geheimnis ihn dort erwartet. Schnell begreift Jack, dass er in dem kleinen Küstenort kein Fremder ist. Auf mysteriöse Weise scheint seine eigene Vergangenheit mit der Legende des Ortes verbunden zu sein. Nach einer Reihe merkwürdiger Ereignisse will Jack bereits die Flucht ergreifen. Da taucht plötzlich Sadie auf, das Mädchen mit den meerblauen Augen. Sie ist die Einzige, die ihm bei der Suche nach Antworten helfen kann. Mit Sadie verbringt Jack fünf Tage, die sein Leben für immer verändern. 




Arena Verlag / 328 Seiten / gebundene Ausgabe/ ab 14 Jahren / ISBN 978-3-401-06855-8 / 14,99 €



"Der April ist ein trügerischer Monat ...." dieses muss Jack erfahren, als seine Mutter durch einen Unfall ins Koma fällt und Jack einen rätselhaften Brief entdeckt, den seine Mutter nicht abgeschickt hat. Jack macht sich selbst auf die Suche nach dem Empfänger und reist nach Seals Head Harbor. Dort angekommen, muss er feststellen, dass nicht alle dort lebenden Menschen ihm wohlgesonnen sind. Dieses teilweise ungewöhnliche Verhalten liegt in der Vergangenheit seiner Mutter vergraben, die nie über ihre Jugendzeit gesprochen hat. Warum hat sie Jack so viele Dinge verschwiegen? 

Für mein Empfinden war "5 Tage im April" ein recht ungewöhnliches Buch, da ich in Erwartung an einen Jugendroman, der angefüllt ist mit ganz viel Liebe, mich urplötzlich in einem Krimi wiederfand. Ich war darüber zwar erstaunt, fühlte mich aber dennoch sehr wohl in dieser Story und genoss das Lesen absolut. 
Zum Krimi entwickelt sich das letzte Drittel der Story und ich empfand es als atemberaubend, welchen Verlauf die Story nehmen konnte, ohne mich wirklich darauf vorzubereiten. Natürlich gab es den einen oder anderen Verdachtsmoment, aber wer erwartet so viel Hass und Rachegedanken, die schonungslos wie ein Wirbelsturm die Story verändern. 

Für mich war es das zweite Buch des Autors, daher kann ich wenig Vergleiche anstellen. Mich hat "5 Tage im April" auf er einen Seite begeistert zurückgelassen und auf der anderen Seite auch wütend gemacht, denn so viel Liebe wurde verschenkt, die nur dadurch nicht entstehen durfte, weil sie von einem anderen nicht vergönnt war, regelrecht verhindert wurde. Wir treffen also auf der einen Seite einen Liebesroman und auf der anderen Seite wird ersichtlich, zu was Menschen fähig sind. Es entsteht eine Gefühlskälte, die verhindert, sich der Liebe neu zu stellen und den Menschen verbittert zurücklässt. Im Prinzip bedient sich Christoph Marzi der menschlichen Psyche und verpackt dieses in eine ganz besondere Geschichte, die zwar nicht aus der breiten Masse an Büchern herausstechen wird, dennoch wirklich als gelungen empfunden wurde. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus, allein schon dadurch, weil ich das Buch rasend schnell und auch begeistert beendet habe. 


Ersichtlich ist mir nicht, warum Jack das Krankenbett seiner Mutter verlässt, um den Brief zu überbringen. Wäre es meine Mutter, hätte ich bis zum Schluss ausgeharrt und mich danach auf den Weg gemacht, um die Vergangenheit zu ergründen, aber wir Menschen ticken eben alle unterschiedlich.



Dienstag, 7. April 2015

Auf der Suche nach Akzeptanz




John Boyne Illustrator: Oliver Jeffers

Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket

Roman
Taschenbuch
Aus dem Englischen von Adelheid Zöfel
ISBN: 978-3-596-81193-9
7,99 Euro

Vom Mut, anders zu sein

Eine wunderbar phantasievolle Parabel von John Boyne, dem Autor von ›Der Junge im gestreiften Pyjama‹ - nicht nur für Kinder 

Die Brockets sind eine absolut normale Familie – bis auf Barnaby. Denn der schwebt! Und so gern er es auch lassen würde, es gelingt ihm nicht. An einem schicksalhaften Tag geschieht das Unfassbare: Barnaby schwebt davon, immer weiter, hoch in den Himmel hinein. So beginnt eine magische Reise durch die Welt, in der Barnaby höchst sonderbare Abenteuer erlebt. Er lernt eine Reihe kurioser und liebenswerter Freunde kennen. Und am Ende begreift er, dass er so normal wie seine Eltern gar nicht sein möchte: Er ist froh, anders zu sein.


Leseprobe auf der Verlagsseite verfügbar!



"Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket" ist ein sehr amüsantes Buch, wobei es auch Stellen gab, die mich nachdenklich stimmten, sauer und wütend gemacht haben. Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass die Brockets alles andere als ungewöhnlich sein wollen und mit einem Sohn der schwebt maßlos überfordert sind. Barnaby schafft es einfach nicht, der Schwerkraft zu trotzen und entwickelt sich daher als Freak. Seine Eltern unternehmen grausames, um ihr Kind loszuwerden. Völlig unverständlich für mich, aber für Barnaby der Anfang eines großen Abenteuers. Barnaby ist 8 Jahre alt, als sich seine Eltern von ihm trennen und ihn buchstäblich entschweben lassen. Auch wenn es schmerzlich ist und echter Verrat, hat Barnaby Heimweh nach Sydney und durch diesen und jenen Umstand dauert es sehr lange, bis er wieder zuhause ist und erneut auf seine Eltern trifft.
Von John Boyne bin ich Romane gewohnt, die zum Nachdenken anregen, daher war ich erstaunt über eine Abenteuergeschichte, die aber genau dann, wenn man sie zwischen den Zeilen liest, doch echten Tiefgang beweist. Natürlich ist es schwierig sich der Herausforderung zu stellen, ein Kind zu haben, was sich von anderen unterscheidet, aber ist es deshalb ein Grund, dieses Kind um jeden Preis loszuwerden oder operieren zu lassen, damit es angepasst leben kann? Eigentlich schmerzt es mich sehr, dass Barnabys Eltern ihren Sohn nicht einen Moment vermisst haben. Nicht sahen, wie viel Angst und Hunger er verspürt hat, als er mutterseelenallein in der Welt unterwegs war. Viele Menschen waren ihm wohlgesonnen, haben ihm Liebe und ein gutes Gefühl vermittelt. All dies, was seine Eltern nicht vermochten. Letztendlich empfand ich die Story als nicht nur rein fiktiv, sondern ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, dass wir uns unsere Kinder nicht stricken oder backen können, sondern sie annehmen sollten, wie sie uns geschenkt werden. Sollen sie doch schweben, na und?

Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an ein Buch, welches mich auf der einen Seite sehr amüsieren konnte, aber auf der anderen Seite im Blick auf Barnabys Eltern sehr empört hat! Wieder einmal habe ich festgestellt, dass John Boyne immer eine gute Wahl ist.

Dystopisch angehauchter Jugendroman




Tanya Stewner

Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb

Roman
Hardcover
ISBN: 978-3-596-85426-4
14,99 Euro


Mitten ins Herz

Wenn Juli nachdenken will, zieht sie sich auf ihre Lichtung zurück. Doch eines Tages ist sie nicht alleine dort. Ein Junge steht vor ihr, plötzlich und unerwartet. Ein Junge wie von einem anderen Stern, so schön und so geheimnisvoll ist er. Ihrer beider Liebe könnte die Welt verändern. Doch darf diese Liebe überhaupt sein?



"Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb" ist ein wundervoller Roman, der ersten großen Liebe und einer Freundschaft, in der man ohne zu reden verstanden wird. Beeindruckt bin ich tatsächlich vom wunderbaren Schreibstil der Autorin, die mich mitnehmen konnte in eine faszinierend andere Geschichte als erwartet. Die Rezensionen und das Cover sprachen sich für das Buch aus, sodass es meine Neugier schüren konnte und alles was ich erwartete, wurde noch übertroffen. "Das Lied der Träumerin", ein weiteres Buch der Autorin landet nun auf meinem Wunschzettel, da ich auch dort Großes erwarte. Normalerweise meide ich Dystopien, da sie mich meist weniger ansprechen, denn das Endzeitgerede ist oftmals brutal, wenig aufschlussreich auf Hoffnung für die Überlebenden und so sehr überspitzt dargestellt, dass es mich nicht begeistern kann. "Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb" trägt einen leichten Hauch von Dystopie, wobei der Hauptaugenmerk wohl eher auf Zukunft und Zeitreise gerichtet ist. Eine Zukunft, die auch mir gefallen würde. All dieses wurde lebendig und liebenswert in eine außergewöhnliche Liebesgeschichte gepackt, die mich staunen ließ. Ich flog förmlich durch die Seiten und war erstaunt, wie schnell ich das Buch beendet hatte. Natürlich lag es auch ein klein wenig daran, dass die Schrift an ein Jugendbuch angepasst wurde. Die Spannung und das kribbeln vor Erwartung, wie sich die Annäherung von Juli und Anjano entwickeln wird, taten ihr übriges um mich an das Buch zu fesseln.
Auffallend waren auch die Familienschwierigkeiten in Julis Familie, die mir sehr nahe gingen. Juli, die sich angewöhnt hat, Probleme und Schmerz unter den Teppich zu kehren und zwar wortwörtlich, sucht Trost in einer Lichtung, in der sie dann auch auf Anjano trifft. Anjano ist schön und ist auch der erste junge Mann, der Juli Wertschätzung und Anerkennung schenkt. Juli selbst empfindet sich eher als Streber oder Nerd, da dieses das Einzige zu sein scheint, wo sie Beachtung von ihrem Vater bekommt. Hätte Juli nicht so eine treue Freundin wie Whoopi, wäre Juli sehr, sehr einsam, denn innerhalb ihres Zuhauses herrscht eine Eiseskälte. Durch Anjano findet Juli ins Leben zurück, fühlt sich geliebt und wertvoll. Interessant hierbei ist allerdings, dass sie niemanden von ihrer neuen Bekanntschaft erzählen kann.
"Der Sommer, in dem die Zeit stehenblieb" verspricht uns unabsichtlich eine bessere Welt, in der wir gerne abtauchen würden. Ich fand die Story einfach wundervoll und möchte daher sehr gerne eine Leseempfehlung aussprechen! Lasst euch einfach fallen und genießt gemeinsam mit Juli und Anjano einen Sommer, in dem die Zeit stehenblieb.

Montag, 6. April 2015

Mit viel Witz und Charme - Egon Krumpfling - Teil 2 (Hörbuchrezension)



Die Krumpflinge - Egon wird erwischt!

 

Lesung mit Musik
Gelesen von Stefan Kaminski
Regie: Marie-Luise Goerke Originalverlag: cbj HC
Ab 6 Jahren
1 Audio-CD, Laufzeit: 64 Minuten
ISBN: 978-3-8445-1614-2
€ 7,99 

Verlag: der Hörverlag


Ein liebenswertes Monster erobert die Kinderzimmer
Band 2: Nachdem Krumpfling Egon sich dem Menschenjungen Albert aus Versehen gezeigt hat, sind die beiden allerbeste Freunde geworden und verbringen sehr viel Zeit miteinander. Doch dann funkt Lulu, das Nachbarsmädchen, dazwischen und lädt Albert zu sich nach Hause ein – natürlich ohne Egon! Der Krumpfling wird rasend eifersüchtig. Er schmiedet finstere Pläne und lässt nichts unversucht, seinen Spielkameraden wieder für sich allein zu haben. Doch natürlich kommt es auch diesmal anders, als Egon das geplant hat ...





Nahtlos ging es weiter, denn da uns der erste Teil der Hörbuchreihe rund um Egon und die Krumpflingfamilie sehr gefallen hat, freuten wir uns schon regelrecht erneut auf Egon und seine Streiche. Um den Krumpftee braucht sich Egon nicht mehr zu sorgen, denn Albi spricht jeden Abend während des Zähneputzens jede Menge Schimpfwörter in den Duschkopf im Badezimmer. Der Vorrat an Tee ist also gesichert und Egon, der innerhalb seiner Familie doch recht einsam ist, hat nun endlich einen Freund gefunden. Dieses muss allerdings geheim bleiben, denn eine Regel der Krumpflinge besagt, dass sie sich Menschen auf keinen Fall zeigen dürfen. Wie gut also, dass die alte Villa nicht verkauft wurde und die Krumpfburg im Keller der Villa bestehen bleiben konnte, anstatt Sauna und großer Badewanne weichen zu müssen. Wie schön hätte es sein können, wenn Albi nicht auch noch mit Lulu dem Nachbarsmädchen befreundet wäre, denn dann hätte er ganz viel Zeit für Egon. Dieser ist ziemlich traurig, dass Albi lieber zur Verabredung mit Lulu geht, anstatt mit ihm zu spielen. Den Streich den Egon Lulu und Albi spielt ist hundsgemein und gefährdet nicht nur die Freundschaft zwischen Albi und Lulu, sondern auch die zwischen Albi und Egon. Oma Krumpfling unterdessen von Schorschi zum Nachbarhaus geführt, ist begeistert, denn sie vermutet in Egons Aktion einen Streich, der ganz viel Krumpftee produzieren soll. Der Tobsuchtsanfall von Lulu ist definitiv ziemlich mächtig und Egons Streich ging unserer Meinung nach auch etwas zu weit. Wie gut, dass er seine Fehler ausbügeln kann und Albis Freundschaft nicht verspielt hat. Albi glänzt in dieser Geschichte wieder einmal damit, dass er ein absolut angepasstes Kind ist, der allen und jedem gefallen möchte und ich wünsche mir für den dritten Band, dass er etwas mehr Rückrat zeigt und sich nicht immer nur alles gefallen lässt. Klar, er ist so erzogen und heißt sicherlich auch nicht umsonst Artich, aber sich so zu benehmen wie ein normales Kind, welches auch mal laut und eben nicht nur artig ist. Vielleicht kann Egon ihm ja helfen auch mal richtig aus der Haut zu fahren oder auch mal so richtig Blödsinn zu machen? Vielleicht ist es aber auch Lulu, die daran drehen könnte, dass Albi sich wie ein echtes Kind benimmt?


Mich hat nicht nur die Story überzeugt, sondern vor allem die Stimme von Stefan Kaminski. Ich habe noch kein Hörbuch / Hörspiel gehört, indem so viele verschiedene Stimmen so überzeugend von nur einem Sprecher gesprochen wurden.  Selbst die Idee aus Schimpfwörtern Krumpftee zu brauen fanden wir grandios, denn die Schimpfwörter die letztendlich fallen, sind eigentlich keine Schimpfwörter, sondern witzige Satzzusammenstellungen oder Worte, die es so nicht gibt. 
Wie schon erwähnt, haben wir uns köstlich amüsiert und wie gebannt der urigen Story rund um Egon gelauscht. 


 "Die Krumpflinge - Egon wird erwischt!" ist absolut hörenswert. Es macht wirklich Spaß zu lauschen und ist definitiv eine amüsante Geschichte für groß und klein. Positiv ist auch, dass es sich hierbei um keine Jungen oder Mädchentypische Story handelt, sondern von allen Kindern gehört werden kann. Solltet ihr also nach einem idealen Geschenk suchen, seid ihr mit der CD mit Sicherheit gut beraten. 




Wer mehr über Egon erfahren möchte, sollte hier vorbeischauen, denn Egon stellt sich den Fragen der Autorin. Wirklich rundum witzig und lohnenswert zu lesen ☺


Unser Dank an Der Hörverlag, die uns dieses urige und liebenswerte Hörvergnügen zur Verfügung gestellt habe!


Mit viel Witz und Charme - Egon Krumpfling - Teil 1 (Hörbuchrezension)




Die Krumpflinge - Egon zieht ein!

Lesung mit Musik
Gelesen von Stefan Kaminski

Musik von Niklas Bühler
Originalverlag: cbj HC
Ab 6 Jahren
1 Audio-CD, Laufzeit: 57 Minuten
ISBN: 978-3-8445-1613-5
€ 7,99   

Verlag: der Hörverlag
Großer Auftritt für Krumpfling Egon!
Band 1: Die junge, dreiköpfige Familie, die in die alte Villa gezogen ist, streitet und schimpft nie miteinander. Doch genau das wird für die Krumpflinge zum Riesenproblem: Innerhalb kürzester Zeit ist der kostbare Krumpftee aufgebraucht! Um den Vorrat wieder aufzufüllen, soll jetzt Egon nach oben zu Familie Artich ziehen und dort mit allerhand Streichen dafür sorgen, dass ordentlich gestritten, geschimpft und geflucht wird. Egon nimmt die Herausforderung an, aber nicht alles läuft so, wie die Sippenchefin sich das vorgestellt hat ...
 




Krank sein an Ostern ist doof, aber dabei dicht angekuschelt an sein Kind in Mamas Bett ist es eine Wonne, wenn man dabei CD hören kann und dabei  komplett alles um sich herum vergessen kann. "Die Krumpflinge - Egon zieht ein!" zu hören war einfach nur herrlich. Wir haben uns köstlich amüsiert und uns auch ein klein wenig in Egon verliebt, muss ich gestehen. Schade, dass wir unser Haus ohne Keller gebaut haben, denn so haben wir uns selbst die Möglichkeit genommen Krumpflingen ein Zuhause zu bieten. Wir sind leider nicht so artig wie Familie Artich, die in die alte Villa einziehen, denn bei uns fällt doch mal das eine oder andere Wort, woraus sich die Krumpflinge Krumpftee herstellen könnten. Ehrlich gesagt, habe ich mich wirklich gefragt, ob die Artichs wirklich noch normal sind, denn solch eine Bilderbuchfamilie ist mir noch nie untergekommen. Wie gut, dass Egon als der Krumpftee sich zur Neige neigt, ausgesandt wird, die Familie zu ärgern, um ihnen das eine oder andere Schimpfwort zu entlocken. Krumpftee wird nämlich aus Schimpfwörtern gemacht und da es jetzt schon länger keinen mehr gab, sind die Krumpflinge schon fast auf Entzug und ziemlich ungehalten. Egon soll also dafür sorgen, dass der Vorrat aufgestockt werden kann. Ehrlich gesagt, wäre ich schon nach der ersten durchwachten Nacht unausstehlich gewesen, aber Frau Artich hält lange durch, bis sie vor Wut platzt. Irgendwann platzt auch Herr Artich, denn immer wenn er anfängt zu schnarchen wird er von seiner Frau geschupst, dabei ist er es gar nicht der schnarcht, sondern Egon, der diese lauten Geräusche direkt in Frau Artichs Ohr fabriziert. Ihr wisst wahrscheinlich noch, dass Schlafentzug im Mittelalter als Foltermethode eingesetzt wurde, oder? So muss ich auch Frau Artich fühlen, aber bis sie aus der Haut fährt, dauert es einige Tage. Für die Krumpflinge ist Egon ein Held und darf sofort seinen Schlafplatz in der Krumpfburg wechseln. Wären da nicht die Neider innerhalb der Familie und die Tatsache, dass die Familie Artich die Villa verkaufen wollen, würde alles bestens laufen, besonders für Egon, aber dann wäre die Story viel zu langweilig gewesen.

Mich hat nicht nur die Story überzeugt, sondern vor allem die Stimme von Stefan Kaminski. Ich habe noch kein Hörbuch / Hörspiel gehört, indem so viele verschiedene Stimmen so überzeugend von nur einem Sprecher gesprochen wurden.  Selbst die Idee aus Schimpfwörtern Krumpftee zu brauen fanden wir grandios, denn die Schimpfwörter die letztendlich fallen, sind eigentlich keine Schimpfwörter, sondern witzige Satzzusammenstellungen oder Worte, die es so nicht gibt. 
Wie schon erwähnt, haben wir uns köstlich amüsiert und wie gebannt der urigen Story rund um Egon gelauscht. Albi / Albert Artich möchte ich nicht unerwähnt lassen, denn auch er nimmt einen großen Teil der Story ein.  Als Sohn einer Bilderbuchfamilie ist er durch den Umzug in die alte Villa noch ohne Freunde und einsam, aber das bleibt er nicht lange, denn erstens ist da Egon und zweitens ein Mädchen im Nachbarhaus, mit der er aber nicht spielen soll, weil diese zu laut und zu dreckig ist. Dieses zeigt, wie Albsi Eltern ticken und da ist es sogar prima, dass aus Krumpfteeabfällen kandiszuckerähnliche Lol (Loughing lout out in der SMS Sprache, kennt ja jeder, oder?) Bonbons werden, die dazu führen, dass sich die Familie ein klein wenig ändert und auch Zeit zum Lachen nimmt. Egon, der Streiche eigentlich ungern ausführt, ist ein Sonderling der Krumpflingfamilie und kann dennoch glänzen, was für alle Beteiligten zum Vorteil ist.  

 "Die Krumpflinge - Egon zieht ein!" ist absolut hörenswert. Es macht wirklich Spaß zu lauschen und ist definitiv eine amüsante Geschichte für groß und klein. Positiv ist auch, dass es sich hierbei um keine Jungen oder Mädchentypische Story handelt, sondern von allen Kindern gehört werden kann. Solltet ihr also nach einem idealen Geschenk suchen, seid ihr mit der CD mit Sicherheit gut beraten. 




Wer mehr über Egon erfahren möchte, sollte hier vorbeischauen, denn Egon stellt sich den Fragen der Autorin. Wirklich rundum witzig und lohnenswert zu lesen ☺



Unser Dank an Der Hörverlag, die uns dieses urige und liebenswerte Hörvergnügen zur Verfügung gestellt habe!


Sonntag, 5. April 2015

Mit den Augen des Herzens zu sehen

Valerie Bielen

Nur mit deinen Augen

Broschur, 384 Seiten
Aufbau Taschenbuch
978-3-7466-3082-3

9,99 € 



Zwei Fremde in Venedig

Alice Breuer glaubt, das große Los gezogen zu haben. Sie ist Au-pair-Mädchen in Venedig. Ein Traum geht in Erfüllung, doch leider hat die Familie Scarpa andere Pläne. Alice soll nicht nur die beiden Kinder hüten, sondern sich um den ganzen Haushalt kümmern. Nur nachts hat sie Zeit, sich die Stadt anzuschauen – und da trifft sie einen geheimnisvollen Mann, der in ihrer Nachbarschaft wohnt. Tobia ist Amerikaner, und er ist blind. Alice verliebt sich in ihn, ohne zu ahnen, auf welches Abenteuer sie sich einlässt.

Die Geschichte einer schicksalhaften Begegnung vor der romantischen Kulisse Venedigs. 




Mit "Nur mit deinen Augen" lesen wir einen Liebesroman der ganz besonderen Art. Ich freue mich immer noch darüber, dass die Autorin mich per E-Mail angefragt hat, ob Interesse an ihrem Roman besteht, denn mir wäre sonst ein wundervolles Buch entgangen. Natürlich wissen wir schon laut Klappentext, was uns erwarten wird, aber eine solch selbstlose und liebenswerte Protagonistin wie Alice Breuer habe ich selten erlebt. Um den Traum ihrer verstorbenen Mutter zu leben, verlässt Alice ihre Heimat um als Au-Pair in Venedig zu arbeiten, aber anstatt sich die Stadt näher ansehen zu können, nutzt die Familie die sie aufgenommen hat, Alice komplett aus. Alice bleiben nur die Nächte, in denen Venedig ihr gehört. Von einem Altan, der direkt von ihrem Balkon ausgeht, hat sie einen wunderbaren Blick auf Venedig. Eines Tages erscheint dort ein Mann, Tobia, der sehr melancholisch wirkt und sofort  Alices Interesse weckt. Diesen Mann trifft sie auch in der Nacht an und ebenso wie sie sucht er die Ruhe und Geborgenheit der Nacht, denn er hasst mitleidige Blicke, die seine Blindheit mit sich bringt. Es bleibt natürlich nicht aus, dass diese beiden Menschen sich näherkommen und anfangen Zeit miteinander zu verbringen, angefangen mit einem Kostümfest, welches Tobia, der zuvor eher zurückgezogen gelebt hat, in seinem Palazzo gibt. Dieses ist der Anfang einer wunderbaren Freundschaft, denn Alice gelingt es, diesem eher in sich gekehrten, einerseits auch verbitterten Menschen, aus seinem inneren Gefängnis zu locken. Alice lehrt Tobia mit den Augen des Herzens zu sehen.

Interessant hierbei ist, dass in "Nur mit deinen Augen" nicht nur Liebe eine Rolle spielt, sondern auch Intrigen und Missgunst eine tragende Rolle spielen. Ehrlich gesagt ist man als Leserin eines Liebesromans nicht darauf eingestellt, sich urplötzlich in einem Krimi wiederzufinden, aber genau dieses war, was mich letztendlich noch mehr überzeugen konnte. Schon das Annähern von Alice und Tobia war wundervoll, da Alice so natürlich und authentisch wirkt, obwohl Tobia ein reicher Mann und Alice eben "nur" ein Au-Pair-Mädchen ist. Geld spielt für Alice keine Rolle, was sich im Laufe des Romans immer mehr verdeutlichen kann. Urplötzlich wandelt sich die Story und wir lernen Hass und Missgunst kennen. Niemand scheint Tobia und Alice ihr Glück zu gönnen und die Steine die ihnen in den Weg gelegt werden, könnten einen tödlichen Ausweg nehmen. Der Autorin ist es wirklich gelungen, das Blatt so zu wenden, dass die Spannung kaum zu ertragen ist. Ist es Alice und Tobia wirklich nicht vergönnt, einfach nur glücklich zu sein? Interessant ist zu sehen, wie Hass, Neid und Missgunst einen Menschen verändern können.

Insgesamt gesehen ist "Nur mit deinen Augen" ein wundervoller Roman, der auch eine gewisse Tiefe ausstrahlen konnte. Es ging nicht nur um Sex und Sinnlichkeit, was ich oft an Liebesromanen als sehr oberflächlich erachte, sondern darum, was man auch sieht, was man eben nicht sehen kann und zwar den inneren Menschen, den man vielleicht übersehen hätte, wenn man gesehen hätte. Tobia, der zuvor ein Leben im Luxus gelebt hat und sich mit schönen Frauen umgeben hat, hätte Alice vielleicht niemals bemerkt. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus, für einen ganz besonderen Roman, der natürlich auch durch seinen Hauptschauplatz Venedig glänzen konnte.

Neu im Buchregal *8 / 2015*


Frohe Ostern Ihr Lieben,


wünsche euch gemütliche Feiertage im Kreise eurer Lieben und vielleicht die eine oder andere Lesezeit mehr. Mich hat leider ein Virus ausgeknockt, der aber dazu geführt hat, dass ich Zeit zum lesen und hören hatte, was sich anhand der Rezensionen der nächsten Tage bemerkbar machen wird.  Auch mein Postbote hat das eine oder andere Buchpaket gebracht, welches mein Buchregal füllen wird und mir die Entscheidung, welches Buch ich als nächstes lesen werde, erschweren wird.





Vielen Dank an Lyx / Ink  für drei weitere Bücher meines riesigen Buchgewinns auf Lovelybooks. 








Ich hab dich immer geliebt bekam ich vom Aufbau Verlag nachgeliefert. 

Kirschen im Schnee, ein absolutes Wunschbuch konnte ich mir ertauschen. 



Aus dem Bloggerportal von Random House haben Caitlin und ich uns aus dem Programm "Der Hörverlag" zwei Hörspiele ausgesucht, die uns gestern den Abend versüßt haben. Mit Fieber ist dauerhaftes Lesen sehr anstrengend, daher war eine Hörstunde gemeinam mit meinem Kind sehr angenehm. "Die Krumpflinge" sind wirklich amüsant und konnten uns mehr als einmal zum Lachen bringen. 



Wünsche euch einen tollen Tag und hoffe, dass Euch das Ereignis von Ostern neu bewusst wird.
Alles, alles Liebe
Mel





Freitag, 3. April 2015

Abschied einer wundervollen Mutter, Tochter, Freundin und Schwester





Die letzten Tage von Rabbit Hayes

Gekürzte Lesung
Gelesen von Nina Petri
Originalverlag: Rowohlt
5 Audio-CDs, Laufzeit: ca. 384 Minuten
ISBN: 978-3-8371-2872-7
€ 14,99  

Verlag: Random House Audio

Erst wenn das Schlimmste eintritt, weißt du, wer dich liebt
Stell dir vor, du hast nur noch neun Tage. Neun Tage, um über die Flüche deiner Mutter zu lachen. Um die Hand deines Vaters zu halten. Und deiner Schwester durch ihr Familienchaos zu helfen. Um deinem Bruder den Weg zurück in die Familie zu bahnen. Um Abschied zu nehmen von deiner Tochter, die noch nicht weiß, dass du nun gehen wirst ... Die Geschichte von Rabbit Hayes: ungeheuer traurig. Ungeheuer tröstlich.

Nina Petri leiht dem tragischen und ermutigenden Schicksal von Rabbit Hayes ihre facettenreiche Stimme.

(5 CDs, Laufzeit: 6h 24)






"Die letzten Tage von Rabbit Hayes" hat mich tief beeindruckt, was sicherlich ein gewaltiges Stück der Stimme von Nina Petri zuzuschreiben ist. Sie hat den Protagonisten des Hörbuches echtes Leben eingehaucht und somit der Story rund um Rabbit  echte Tiefe gegeben. Für mich was das Hören schmerzlich, aber auch absolut wundervoll, da es Rabbit vergönnt war innerhalb der Menschen die sie liebt und die sie lieben, Abschied zu nehmen. Abschied von einem Leben, welches angefüllt war mit großer Freude und Erlebnissen, die wir gerne mit ihr teilen, um Rabbit näher zu kommen.

Der Tod ist unaufhaltsam, da sich Rabbit im Endstadium einer Krebserkrankung befindet. Im Hopiz bereitet sich Rabbit darauf vor und alle ihre Lieben versammeln sich um sie, um den letzten Weg mit ihr gemeinsam zu gehen. Schlimm an dieser Story ist, dass Rabbits zwölfjährige Tochter immer noch die Hoffnung hegt, dass ihre Mutter überlebt. Sie kann sie doch nicht einfach alleine lassen. Wer sorgt für sie, wenn ihre Mutter gegangen ist? Diese Fragen sind nicht nur für Mütter schmerzlich, sondern auch für die Hörer des Hörbuches, erinnert es doch an unsere eigene Sterblichkeit.

VORSICHT SPOILER!
Natürlich ist die Story rundum traurig, aber wer sich darauf einlässt, wird ein Hörbuch zu hören bekommen, welches auch ganz viel Trost bereithält. Es ist am Ende wie eine feste Umarmung und auch wenn ein Taschentuch bereitgehalten werden sollte, tröstete mich die Tatsache, dass Rabbit umgeben von Menschen die sie liebten und wertschätzen eine neue Reise antreten konnte. Ich habe ganz bewusst nicht gespoilert, da "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" darauf hinzielen. Rabbits Körper ist durch den Krebs so sehr geschwächt, dass eine Heilung nur durch ein Wunder geschehen könnte. Wunder geschehen selten, daher hätte ich das Hörbuch auch nicht ernst nehmen können, wenn es anders gewesen wäre. Ich hatte mich ganz bewusst dafür entschieden, ein Hörbuch über den Tod zu hören und wurde reich belohnt, da es warmherzig, tröstlich, oft aber auch schmerzlich ist zu lauschen, wie in Dialogen der einzelnen wichtigen Menschen in Rabbits Leben zu Wort kommen, dadurch wirkt dieses Hörbuch lebendig und erhält echte Tiefe.
SPOILER ENDE!

Es war unglaublich Rabbit Hayes kennen zu lernen, deren echten Namen zu kennen unwichtig erscheint, da wir sie wertschätzen lernen und der Abschied auch für den Hörer hart wird, schon alleine deshalb, da ein Hörbuch zu Ende geht, welches von Anfang an hat begeistern können. Gerne spreche ich eine Hörempfehlung aus, da ich selten ein Hörbuch gehört habe, was mich auch nachträglich beschäftigt hat. Ich möchte eine Mutter sein, deren Töchter oder Söhne dankbar sind für die Zeit, die sie mit mir verbringen durften. Ich möchte ein Tochter sein, deren Eltern stolz darauf sind, dieses Kind kennengelernt zu haben. Ich möchte eine Schwester sein, die trotz aller Streitereien unter Geschwistern geliebt und wertgeschätzt wird. Ich möchte Freundin sein, die zu kennen das Leben bereichert hat.





Donnerstag, 2. April 2015

„Das Einmal meint das, was war, und das, was noch kommen wird.“


Marcin Szczygielski

Flügel aus Papier

Roman
Hardcover
Aus dem Polnischen von Thomas Weiler
13,99 Euro
ISBN: 978-3-7373-5212-3


Ein spannend geschriebener Roman über den Holocaust, aber vor allem darüber, was im Leben wichtig ist: Liebe, Brüderlichkeit, Ehrlichkeit und Hoffnung 

Warschau um 1942: Rafal flieht vor der grausamen Wirklichkeit des Ghettos in die Bibliothek, in die Welt der Bücher. In H. G. Wells ›Zeitmaschine‹ entdeckt er Parallelen zwischen der Realität und der im Roman beschriebenen Welt. Schließlich gelingt es seinem Großvater, Rafal aus dem Ghetto zu schmuggeln. Er versteckt sich im Warschauer Zoo. Aber die Nazis sind ihm auf der Spur …








"Das Einmal meint das, was war, und das, was noch kommen wird" Dieser Satz macht deutlich wie schwer es Rafal  fällt Rückblicke zu halten oder eben positiv in die Zukunft zu sehen. Gemeinsam mit seinem Großvater lebt er im Warschauer Ghetto, kennt Angst und Hunger. Die einzige Freude sind seine Besuche in der Bibliothek, wo er sich Bücher ausleihen darf. Man schaut also nicht zurück, blickt auch nicht vorwärts, sondern versucht mit dem, was einem das Leben bietet zurechtzukommen. Für einen neunjährigen Jungen schon eine reife Leistung, sich nicht in Vergangenem schmerzlichen zu verlieren, zumal seine Eltern nach Afrika ausgewandert sind und Rafal eigentlich nachholen wollten, sobald sie Fuß gefasst haben. Rafal lebt nun alleine mit seinem Großvater und wer über den Holocaust in Polen bescheid weiß, weiß, dass sich die Lage immer mehr zugespitzt hat und Rafal das Ghetto so schnell wie möglich verlassen muss, um den Aufräumarbeiten durch die Nazis zu umgehen.

Auch wenn wir in "Flügel aus Papier" den Holocaust mit den Augen eines Kindes lesen, macht dieses die Ereignisse nicht weniger grausam. Rafal ist ein toller Protagonist, denn er baut eigene Fantasyelemente ein, um die Grausamkeiten der Nazis in ein anderes Licht zu setzen. "Die Zeitmaschine" ein Buch, welches ihn sehr beeindruckt hat, wird in sein Leben integriert. Die Morlocken sind die Deutschen in ihren Uniformen und die Eloi die unterdrückten Juden. Für Rafals Großvater kommt nur die Flucht, die Rettung seines Enkels in Frage, daher verkauft er seine für seinen Lebensunterhalt sorgende Geige. Rafal verlässt also das Ghetto und kommt im Zoo unter, wo er auf andere Flüchtlingskinder trifft. Der Zoo ist zu einem Kleingarten geworden, indem viele Polen Gemüse anbauen, was den Flüchtlingskindern auch ihren Lebensunterhalt sichern. Zuvor erkrankte Rafal an hohem Fieber und erliegt einigen Wahnvorstellungen, die sich auch mit "Die Zeitmaschine" beschäftigen. Ehrlich gesagt, hat mich dieses doch etwas irritiert. Auch am Ende kommt dieses Erleben noch einmal zum Tragen und gibt dem Buch etwas utopisches, fiktives. Vorher empfand ich die Story als beklemmend, daher störte mich dieses Einbauen von Fantasy schon ein klein wenig, da es dem Buch etwas unwirkliches gibt. Für Kinder vielleicht dadurch verwirrend, da Wahrheit mit Fiktion vermischt wurde. Wo soll ein Kind den Unterschied entecken können? Nach seinen Fieberträumen gilt es für Rafal zu überleben und sich weiterhin der Hoffnung hinzugeben, dass irgendwann eine Zusammenführung mit seinem Großvater wieder möglich ist.

Sehr wichtig ist es, im Nachhinein den Epilog zu lesen, um dieser Story Hintergrundiformationen hinzuzufügen. Für das empfohlene Alter ab 10 Jahren empfand ich das Buch unbedingt zu empfehlen, obwohl ich von Eltern erwarte, dass sie sich für Fragen zur Verfügung stellen, da sicherlich einiges überfordern wird.

"Flügel aus Papier" hat durch seinen geschichtlichen Hintergrund in mir echte Beklemmung ausgelöst, da wir ja wissen, was mit den Juden in Warschau geschehen ist. Rafal hat das Glück, fliehen zu können und zu überleben, aber wir müssen uns auch bewusst machen, dass dieses nur ein kleiner Teil an Kinder war. Sehr schön fand ich, dass wir immer wieder von Familien / Menschen lesen, die Kinder bei sich aufnahmen, um sie zu retten, denn das macht, das Ganze menschlicher.

Gerne möchte ich eine Leseempfehlung aussprechen, da "Flügel aus Papier" nachwirkt und auf spannende, kindgerechte Art und Weise Worte findet, die dem Alter der empfohlenen Leserschar entsprechen.