Montag, 15. März 2021

Dramatischer Neuanfang in den Südstaaten

 


Tamera Alexander


"Die irische Schwestern" ist ein weiterer Roman der Autorin Tamera Alexander, der mir sehr zugesagt hat. Die historischen Ereignisse innerhalb der Story erzählen davon, wie sinnlos Kriege sind und wie viel Leid und Schmerz damit einhergehen werden. Junge Männer, die angehalten sind, sich in den sicheren Tod zu begeben, tun diesen Schritt durch Gehorsam und hinterlassen tiefe Wunden bei ihren Hinterbliebenen. Wie sinnlos dieses Unterfangen und das Sterben unzähliger Männer war, wird hier sehr eindrücklich preisgegeben. Wer das Cover genau betrachtet, wird auf dem hinteren Buchdeckel viele Gräber erkennen, die einen gewissen Teil dieser lebhaft erzählten Geschichte einnehmen wird. Der Versuch allen Gefallenen ein würdiges Begräbnis zu ermöglichen hat mich tief getroffen und dennoch auch Gewissheit für die Familien geschaffen, die Antworten suchen über den Verbleib ihrer Lieben, die nach einer großen, entsetzlichen Schlacht nicht nach Hause zurückgekehrt sind. So ergeht es Catriona, die auf Bitten ihres Zwillingsbruders Ryan aus Irland nach Amerika auswandert. Da sie und ihre jüngere Schwester Nora in Irland ihre komplette Familie verloren hat, steht die Entscheidung fest und Catriona macht sich auf die Suche nach ihrem Bruder, dessen letzter Brief seinen Aufenthaltsort auf der Carnton Plantage in Franklin bestimmt. Leider verliert sich jede Spur und Catriona muss befürchten, das auch Ryan gefallen ist. Der Weg, den die beiden Schwestern eingehen ist steinig und die Sturheit und das unmögliche Verhalten Noras machen das Zusammenleben nicht einfach. Nora ist mir sehr unsympathisch, was sich leider auch nach Beenden des Romans nicht geändert hat. Natürlich bekommt man irgendwann Verständnis für das Verhalten des Kindes, aber das doch sehr unreife Verhalten würde mich in den Wahnsinn treiben und ich wäre nicht so gelassen damit umgegangen wie Catriona. Diese versucht ihrer Schwester ein besseres leben zu ermöglichen und scheitert zunächst einmal kläglich. Letztendlich zeigt sich ein traumatisiertes, verletzliches Kind, was aber meine ursprüngliche Meinung nicht mehr ändern konnte. 
Als die beiden Schwestern komplett mittelos dastehen, kommt unerwartet Hilfe. Wade, der sich den Posten als Vorsteher auf dem Anwesen der Carltons gesichert hat, greift Catriona und Nora unter die Arme, was nur möglich ist durch die Gastfreundschaft der Plantagensitzer. Sehr berührend hierbei ist auch die Lebensgeschichte der Angestellten Tempy, die für mich diejenige war, die die Story am meisten belebt hat. Die historischen Ereignisse innerhalb der Süd - und Nordstaaten bewegen mich zutiefst. Sie werden in "Die irischen Schwestern" zwar nur angeschnitten, aber wer über die Sklaverei Bescheid weiß und das Grauen, was damit einhergeht, wird sicherlich zwischen den Zeilen lesen können.
Für mich ein weiterer Roman, der mich ermutigt und mir die Gewissheit gibt, das alles einen Sinn hat. Für Catriona wird diese Reise in eine andere Welt ein dramatischer Neuanfang, der Wunden heilen lässt, Verzeihen lehrt und Gewissheit über den Verbleib von Ryan bietet. Das angepriesene Falschgeld des Klappentextes nimmt weniger Raum ein als vermutet. Im Mittelpunkt stehen die beiden Schwestern, was manchmal leicht ermüdend wirkt. da ich nicht immer das Handeln und Denken verstehen konnte. Es sind schwere Zeiten und der Krieg noch spürbar, was den Roman noch dramatischer erscheinen lässt. Insgesamt eine gelungen Darstellung, die hier und da zwar einige Schwächen aufweist, aber dennoch ein gewisses Maß an Spannung bereithielt. Einiges wird überraschen, wieder anderes ist so offensichtlich, das eine Erwartungshaltung beim Leser / der Leserin auftreten wird, wann endlich die Auflösung kommen wird.
Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an einen Roman, der die Nachwehen des Bürgerkrieges gekonnt in Szene setzen konnte. Die eingeflochtene Liebesgeschichte bietet ein klein wenig Schönheit in all den Schreckens. Das Aufeinandertreffen der Familie am Ende war definitiv mein Highlight des Romans und wird innerhalb meiner Erinnerungen an diesen Roman immer vorherrschend sein. Ähnlich wie in "Onkel Toms Hütte" ist ein starker Glauben vertreten, der immer wieder aufflammt und mich sehr anrührt. Ich wünsche mir mehr solcher Helden und Heldinnen innerhalb eines Romans, da sie vielleicht unbewusst von der Autorin geschaffen wurden, um mich und meinen Glauben zu hinterfragen oder erneut herausfordern. 


ISBN: 978-3-96362-187-1
16,95€


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