Dienstag, 21. Januar 2020

Kindheit in der Nachkriegszeit



Der Junge aus dem Trümmerland

Sarah Bergmann

Hardcover
ab 12 Jahren
240 Seiten 
ISBN 978-3-7348-4723-3
15€



"Der Junge aus dem Trümmerland" ist ein authentisch verwobener Kinder - und Jugendroman, der eine Kindheit aufzeigt, die sich direkt nach Ende des zweiten Weltkrieges bewegt. Paul als Protagonist zeigt ganz deutlich von Ängsten, Hunger und einem Neubeginn, wobei Träume und Wünsche zunächst einmal ganz hinten angestellt werden, da Paul nur darauf bedacht ist, seine Mutter zu beschützen, da er dieses seinem Vater versprochen hat. Der Vater gilt als verschollen und Paul hegt die Hoffnung, irgendwann wieder Familie zu sein. 
Sarah Bergmann gelingt es Begebenheiten und Schauplätze so gewaltig darzustellen, dass sie zu Bildern im Kopf werden. Bilder, die vielleicht auch mit zahlreichen Berichten oder Fotos der damaligen Zeit behaftet sind und das Grauen noch einmal sehr verdeutlichen können. Frauen, die verwitwet sind oder versehrte Männer versorgen müssen oder aus Trümmern Häuser wieder aufbauen, werden ganz besonders hervorgehoben. Für Schwäche ist kein Platz und dies wird mehrfach deutlich, auch in der Person von Pauls Mutter, die sich durch Näharbeiten Tag und Nacht ihren Unterhalt verdient und dennoch immerzu Hunger leidet. Bill, ein afroamerikanischer Soldat bringt wieder Farbe in das harte Leben und auch ein klein wenig Luxus. Hier wird ganz klar deutlich, wie die Umwelt auf diese Beziehung reagiert und auch Paul damit vergiftet, der alles daran setzt, Bill wieder loszuwerden, zumal immer noch die Hoffnung besteht, dass der Vater den Weg nach Hause finden wird.
Ich finde es sehr gelungen anhand der Person Paul darzustellen, wie schwer es die Menschen in der Nachkriegszeit hatten . Meiner Tochter hätte sicherlich am Besten gefallen, dass es keine Schulen gab und die Kinder den ganzen Tag in Schutt und Asche spielen konnten und keine Helikoptereltern die ganze Zeit ihre schützende Hand über ihnen hielten. Auf der anderen Seite wird aber auch ganz klar verdeutlicht, das Paul den Schwarzmarkt nutzen muss, um mit für die Versorgung der Mutter zu sorgen. Er muss in Trümmern den einen oder anderen Schatz bergen, immer in der Gefahr lebend das die zerbombten Häuser einstürzen. Definitiv keine Friede, Freude, Eierkuchen Zeit. Dennoch ist es eine Zeit der Abenteuer und Freundschaften, wobei auch das eine oder andere Trauma ganz klar zum Vorschein kommt. Was mir gefällt ist, dass die Autorin Bezug nimmt zu diversen Begebenheiten oder auch der damaligen Sprache. Für die jüngere Generation von Lesern sicherlich sehr wertvoll und lehrreich.
Insgesamt ist "Der Junge aus dem Trümmerland" ein Buch, welches ich als sehr empfehlenswert bewerte, da es eine Zeit beschreibt, die sicherlich oftmals gerne verdrängt wird und so erneut erlebbar wird. Absolut gelungen!

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