Samstag, 20. April 2019

Schonungslos ehrlich


Tsunami im Kopf

Flachgelegt von einer Hirnblutung. 

Aber ich hol mir mein Leben zurück.


  •  Gebunden mit Schutzumschlag, 224 Seiten, adeo
  •  9783863342197, 18€



In "Tsunami im Kopf" erzählt Max Sprenger von seiner Hirnblutung, die fatale Folgen in seinem jungen Leben aufweist. Schonungslos ehrlich ist es ein Tatsachenbericht seines Erlebens und für mich als Pflegekraft ist es kaum zu ertragen, da ich selbst mit Menschen im Wachkoma oder dem Lock - In - Syndrom arbeite. Wie viel mehr werde ich nun unseren zu versorgenden Menschen, die sich nicht bemerkbar machen können zu Hilfe eilen? Das Bewusstsein für den Hilfebedarf ist erneut geweckt, da ich Lagerungen nun eindeutig noch wichtiger nehmen werde. In meinem Alltag geht vieles verloren, da leider nicht immer die Zeit so verfügbar ist, wie es angemessen wäre. 
Ich bin sehr dankbar für dieses Buch, da es mir noch einmal deutlich gemacht hat, wie wertvoll unser Leben ist und wie schnell sich die eigene Situation ändern kann. Max ist sehr jung als die Hirnblutung sein Leben komplett auf den Kopf stellt und ein Zeugnis dafür nicht aufzugeben, auch wenn es noch so hart erscheint. Mein Respekt gilt an dieser Stelle auch seiner Familie für die wunderbare Unterstützung. Mehrfach wird in der Bibel erwähnt: "Dein Glaube hat dir geholfen." und so nahm ich es auch wahr. Trotz aller Schwierigkeiten und Ängste vergisst Max Mutter nicht zu beten und sich an Gott festzuhalten. Es beeindruckte mich zutiefst. 
Insgesamt konnte mich "Tsunami im Kopf" wirklich fesseln, da ich beeindruckt bin von dem Überlebenswillen des jungen Manns über den ich lese, der sich lediglich von anderen Jugendlichen dadurch unterscheidet, das er in einigen Bereichen seines Lebens durch die Hirnblutung eingeschränkt ist, was aber nicht heißt, das seine "Behinderung" im Fokus steht. Wie er selbst sagt, ist "Behinderung oder auch behindert" ein Stempel oder auch im Wortschatz vieler ein Schimpfwort. Für mich ein Wort, was ich nicht nutze, da ich mir bewusst bin, wie wenig wertschätzend es ist. Es ist für Max ein Kampf, den er täglich ausfechten muss und das, obwohl er dieselben Bedürfnisse hat wie andere junge Menschen seines Alters. Party, Freunde, Führerschein ...... Und dennoch kommt in mir kein Mitleid auf, da ich mir bewusst bin, das Max sein Leben trotz Einschränkungen in gewissen Bereichen meistern wird, denn er ist eine starke Persönlichkeit und dieses Buch eine Bereicherung für alle. Ich empfand es als sehr authentisch, wenn auch mitunter schmerzlich, da ich selbst Mutter bin und eben auch Pflegekraft. Ich arbeite täglich mit Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen und freue mich über jeden kleinen Schritt der Genesung, wobei leider nicht alle das Vorrecht haben unsere Einrichtung gesund zu verlassen, sondern im eigenen Körper gefangen bleiben werden. Max hat ein Wunder erlebt und es war wirklich eine wertvolle Erfahrung daran teilhaben zu dürfen. Absolute Leseempfehlung!

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