Donnerstag, 26. Juli 2012

Eine bewegende Zeitreise in die DDR



Dieses Buch, welches ich euch heute vorstelle gehört in die Kategorie "Besonders wertvoll", denn ich durfte es in einer Leserunde lesen und habe sehr, sehr viel lernen können. Auch, wenn das Buch nicht alles preisgibt, was in der DDR tatsächlich geschehen ist, habe ich vieles lernen können über das System und auch über die vielen kulinarischen Genüsse. Googelt doch einfach mal nach "tote Oma", dann versteht ihr, was ich meine. Die Leserunde verlief sehr harmonisch und jeder konnte seine Fragen stellen, die unter den Nägeln brannte und es gab / gibt viele Leser/innen (die Leserunde ist noch voll im Gang!) die bereitwillig auf alle Fragen antworten. Selbst die Autorin meldet sich regelmäßig zu Wort und daher kann ich ihr das Buch so wie es ist auch abnehmen, denn es erscheint dadurch noch glaubwürdiger, obwohl es mich als Wessi teilweise doch überfordert hat. 

Die DDR ist für mich wie ein Buch mit sieben Siegeln, denn ich war selbst noch fast ein Kind als die Grenzen geöffnet wurden. Man hörte viele Schauermärchen über Menschen die bei dem Versuch zu fliehen erschossen wurden. War das wirklich so? Ich zumindest habe diese Gedanken ganz weit von mir weg geschoben. 

Das Buch ist sehr ehrlich und daher natürlich wirklich authentisch. Es ist zwar als Jugendbuch herausgegeben worden, ist aber auch sicherlich für Erwachsene sehr ansprechend. Mich hat es von der ersten Seite an fasziniert, viele Fragen beantwortet und mich einiges gelehrt, was ich bis dato nicht wusste und was mich zugegebenermaßen auch nicht interessiert hat. Hier in NRW wurde in den Schulen wenig über die DDR gesprochen oder auch gelehrt, was ich wirklich total Schade finde, da mir ein Ost - West Verständnis scheinbar abhanden gekommen ist und ich jetzt wirklich mehr wissen möchte. Ich habe vieles, was mir unter den Nägeln brannte schon erklärt bekommen, aber bin in vielen Dingen doch noch genauso unwissend wie vorher und dabei ist es die Geschichte unseres Landes, welches nun zusammengeführt wurde und eine Einheit bildet. Weshalb also haben unsere Schulen die DDR totgeschwiegen? Meine Kids wissen viel mehr als ich und das ist echt armselig und beschämend. 

Ich hoffe, das ich mit meinem Bericht niemanden auf die Füße trete oder verletze. Sollte ich es dennoch tun, schiebt es bitte, bitte auf meine Unwissenheit. Ich möchte hier weder für noch gegen die DDR sprechen, sondern einfach meinen Eindruck über das Buch "In einem Land vor meiner Zeit" loswerden. Vielleicht wäre jemand anders reifer und würde auch eher die passenden Worte finden um das Buch zu präsentieren, aber ich möchte es dennoch versuchen, denn mir ist das Buch sehr wertvoll geworden und ich werde es definitiv an die eine oder andere Person weitergeben, da ich der Meinung bin, dieses Buch muss unbedingt gelesen werden. 

Worum geht es überhaupt in dem Buch? 
Eigentlich ist es eine ganz besondere Zeitreise, in der Alina am Tag ihres 14. Geburtstag im Zimmer ihrer Mutter erwacht, mitten in der DDR. Das ist natürlich mehr als verwirrend in dem Augenblick, aber um die Zukunft ihrer Mutter Antje nicht zu zerstören versucht Alina alles um zu überleben und die Zukunft nicht zu verändern. Sie beginnt zu verstehen, warum ihre Mutter so ist wie sie ist. Alina selbst lernt in dieser Zeitreise noch am meisten und wir dürfen sie dabei ein Stück weit begleiten und haben einen Einblick in den Schulalltag, die Jugendweihe und dem Anstehen im Kaufhaus, wo alle nach der begehrten Tomatensoße anstehen. Warum nur, war es verboten in die Kirche zu gehen? Hier im Westen waren die Kirchen für alle offen, aber die Menschen haben sich dagegen entschieden. Im Osten durften sie nicht und nahmen auch Strafen in Kauf um sich dort als Junge Gemeinde zu treffen. Vieles was für mich unfassbar ist und ich mit Unverständnis reagiere wird hier aufgezeigt, aber dabei nicht verachtend dargestellt, sondern so wie es eben war, als gegeben dargestellt. 

Mir hat das Buch wirklich sehr gefallen und ich bin immer noch völlig gefangen von dem geschriebenen Worten, obwohl ich das Buch schon einige Tage beendet habe. 

Einige Sätze im Buch haben mich zutiefst bewegt und daher werde ich sie für euch abtippen: 
"Okey, nehmen wir an, du hast zwanzig Tiere gefangen, die du im Zoo in ein Gehege setzt, ja? Fünf davon gewöhnen sich sehr schnell daran, das sie nur noch kurze Strecken laufen können. Finden es vielleicht auch ganz gut, dass sie regelmäßig Futter bekommen, keinen Stress mit der Jagd auf superschnelle Kleintiere haben und so weiter. Sicherheit. 
Weitere zwölf von den eingesperrten Tieren fühlen sich da nicht wohl. Sie sehen struppig und ungesund aus, aber sie kommen halbwegs zurecht. Und die restlichen drei, die drehen durch. Sie rennen die ganze Zeit gegen die hohen Gitterzäune, wieder und wieder. Sie merken, dass es nichts bringt. Aber sie können einfach nicht damit aufhören. Irgendwann sterben sie. Oder sie werden von den Wärtern erschossen - ist ja auch kein schöner Anblick für die Zoobesucher, diese durchgedrehten Kreaturen anzuschauen, nicht? 
Zitat S. 196 

Man könnte das Thema DDR sicherlich ausschlachten ohne Ende, aber ich will hier einfach einen Punkt setzen. Für mich war das Buch ein kleiner Schritt um mich mit dem Thema auseinander zu setzen und Verständnis zu bekommen für diejenigen die in diesem System großgeworden sind. Ich habe mir wie gesagt bisher nie darüber Gedanken gemacht, wie es gewesen sein könnte in der DDR groß zu werden und mich immerzu anpassen zu müssen um keine Schwierigkeiten zu bekommen oder eben auch meinen Eltern keine Schwierigkeiten zu machen. 

Im Anhang finden wir Gedanken und Erfahrungen der Autorin, die wirklich dadurch wertvoll sind, da es nichts beschönigt sondern eben so erzählt, wie es war und erfahren wurde. Das Leben im Sozialismus der DDR! 


Es war wie es war und es war vielleicht nicht immer einfach, aber wenn ich mir die Kommentare der anderen User auf Lovelybooks anschaue, waren es auch sehr schöne Zeiten. Ich bin nicht diejenige die befugt ist darüber zu urteilen, aber das eine oder andere sehe ich jetzt doch mit anderen Augen und dasselbe kann ich euch nur empfehlen. Verschließt nicht die Augen vor dem was war, sondern seht ihnen ins Auge und ihr lernt zu verstehen. Ein äußerst lehrreiches Buch nicht nur für Jugendliche, daher unbedingt zu empfehlen! 







Klappentext: 

Alina schläft am Vorabend ihres 14. Geburtstages über dem Tagebuch ihrer Mutter ein - und wacht am nächsten Morgen in fremder Umgebung auf: zwischen »fetzigen« Looks, neuen Freundinnen, unbekannten Grenzen und verbotenen Gedanken. Schockiert erkennt sie, dass sie im Jahr 1984 ist. Und zwar mitten in Sachsen, als jugendliche Version ihrer Mutter. Durch kuriose Momente, beklemmende Erlebnisse und witzige Situationen versucht Alina einen Weg durch diese bizarre Welt zu finden - zurück in ihr eigenes Leben. Staatsbürgerkunde, Jägerschnitzel und Jugendweihe: eine verrückte Zeitreise und ein humorvolles »Geschichtsbuch« für Teenager, die eine kleine Vorstellung davon bekommen, wie es war, ein DDR-Jugendlicher zu sein. Mehr Infos zum Buch: http://in-einem-land.jimdo.com/ 



Über die Autorin: 
Ina Raki, geboren 1968 in der damaligen DDR, lebt mittlerweile mit ihrer Familie in Bayern. Nach dem Studium folgten Ausflüge in verschiedene berufliche Bereiche. Seit 1994 arbeitet die Autorin auch als Lektorin und Ghostwriterin. »In einem Land vor meiner Zeit« ist Ina Rakis erster Roman. 




Taschenbuch: 288 Seiten / 12,99 Euro 
Verlag: Aufbau Verlag 
Sprache: Deutsch 
ISBN-10: 3351041578 
ISBN-13: 978-3351041571 
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre 


Das Cover selbst ist schon recht Retro, was heute ja wieder total "In" ist. Erinnert ihr euch an die Zeiten (selbst im Westen!) als wir vor dem Radio saßen um Musik auf Kassetten aufzunehmen? Möglichst ohne die Stimme des Moderators? Das waren noch Zeiten. Meine Kids haben es da doch um einiges einfacher, aber dennoch gehört die Zeit mit nur drei Sendern im TV und ohne Handy zu meiner Kindheit. 


Wünsche euch allen einen tollen Tag und verbleibe mit ganz lieben Grüßen, 
Mel





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen