Mittwoch, 14. August 2019

Stadt im Ausnahmezustand


Karina Sainz BorgoNacht in Caracas224 Seiten, FISCHER E-Books,ISBN: 978-3-10-491116-8, 18,99€





"Nacht in Caracas" lebt von Gewalt und Angst. Eine Stadt befindet sich im Ausnahmezustand und der Mensch kämpft in einem untergehenden Land ums Überleben. Adelaida lebt in ständiger Furcht vor Überfällen und nachdem sie aus ihrer Wohnung vertrieben wird, greift sie zu drastischen Mitteln, um sich ein Dach über dem Kopf zu sichern. "Nacht in Caracas" ist definitiv kein Buch der sanften Töne, da Mord und Totschlag an der Tagesordnung sind und höhere Mächte darüber bestimmen, wer überlebt und wer nicht. Es hat mich schwer getroffen, da es sich um Tatsachen handelt, die man ganz weit weg schieben möchte, um nicht daran zu denken, wie hart das Leben in anderen Ländern ist. Es breitet sich ein leichtes Schamgefühl darüber aus, das wir immerzu meckern und meist auf hohem Niveau. Mein Leben ist nicht bedroht und ich muss nicht um mein Leben fürchten. Meiner verstorbenen Mutter werden nicht im Sarg liegend die Schuhe ausgezogen, um diese zu verkaufen. "Nacht in Caracas" liest sich wie ein Roman einer komplett fremden Welt. 
Angesprochen wurde ich durch den Klappentext und auch das Cover kann in meinen Augen sehr glänzen, wobei das bunte, farbenfrohe des Papageis nur Trugschluss ist. Der Roman ist komplett düster wie das schwarz auf dem Cover. Die Farben täuschen und fehlen komplett. Angefüllt mit Angst, Trauer und Gewalt, ist es ein echtes Schreckensszenario, wobei es für Adelaida eine Ausweg aus der "Hölle" gibt, was einem Happy End gleichkommen könnte, welches aber nur für wenige Menschen bereit gehalten wird. Adelaida hat viel eher Glück im Unglück, denn von dem Leben zuvor ist nur noch ein gewaltiger Scherbenhaufen übrig. 
Der Autorin ist es gelungen mich zu überzeugen und auch ihre eigenen Worte: "Nichts war für mich dringlicher, als diese Geschichte zu schreiben. Über den Sturm zu sprechen, während er in einem tobt. " wirken nach Beenden des Buches absolut authentisch. Als Mensch ist man machtlos gegen den Staat und muss sich Dingen beugen, die barbarisch und menschenverachtend wirken. Hinzukommt die schlechte Versorgung und Inflation. Darüber zu lesen war hart und dennoch konnte ich mich darauf einlassen, da Adelaide eine Kämpferin ist und am Ende über ihr eigenes Unglück siegen konnte.
Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, obwohl der Wohlfühleffekt komplett ausbleibt, aber ausgesprochene Wahrheiten doch überzeugen können, auch wenn es wehtut. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen