Montag, 19. August 2019

Innere Zerbrochenheit verbindet



Die andere Hälfte der Augusta Hope

Roman

gebundene Ausgabe
400 Seiten
ISBN: 978-3-7160-2782-0
24€



"Die andere Hälfte der Augusta Hope" ist ein Roman mit vielen Facetten der Emotionen, welches mich sehr nachdenklich stimmt. Auch wenn ich während des Lesens immer wieder die Vermutung hegte, worauf die Autorin hinzielt, war ich erschüttert über Leid und Gleichgültigkeit. Es tut weh und die eigene Ohnmacht wird sehr schnell bewusst. Wie kann ich als Einzelne reagieren, wenn die vielen Menschen in meiner Umgebung wegsehen? 
"Die andere Hälfte der Augusta Hope" ist so viel mehr als nur eine Zwillingsgeschichte, die ich hinter dem Klappentext vermutete. Es ist ein Roman, der in unser jetziges Zeitgeschehen passt, wie die Faust aufs Auge und daher mehr als gelungen ist. In mir wurde einiges bewegt, denn auch ich bin wie Julia hilflos und würde ebenso wie sie, an dem Leid und der nicht vorhandenen Hilfeleistung zerbrechen. Hinzu kommt Trauer und Depression, sodass immer wieder neue Wendungen im Leben der Zwillinge Julia und Augusta vorgezeichnet wurden. Es sind die letzten 100 Seiten des Buches, die Einblicke in das Geschehen und Erleben geben, zuvor hält sich die Autorin damit auf, die Unterschiedlichkeiten der beiden Mädchen und späteren jungen Frauen aufzuzeigen. Dies ist dann auch mein winziger Kritikpunkt, das sich hier und da Oberflächlichkeiten und Banalitäten auszeichnen, die nicht so recht zur Kernaussage des Buches passten. Ansonsten konnte mich die Stimmung innerhalb der Story für sich einnehmen und begeistern, sodass ich sehr gerne eine Leseempfehlung aussprechen möchte.
Was absolut gelungen ist, sind die beiden Handlungsstränge die aus Augustas und Parfaits Sicht aufgebaut sind, diese werden zwar nicht überraschenderweise ineinander gefügt werden, aber dennoch ist die Story dadurch sehr stimmig. Augusta wirkt auf mich ein klein wenig sonderbar, wenn nicht sogar autistisch, da sie sich durch Wörterbücher liest und besondere Worte in ihr Leben integriert. Zudem ist "Burundi", ein Binnenstaat in Ostafrika, das Land, welches Augusta von Kindheit an fasziniert. Augusta ist absolut sprachbegabt und sauft fremde Worte auf wie ein Schwamm. Julia hingegen muss sehr viel lernen, um schulische Aufgaben zufriedenstellend zu erfüllen, während Augusta gute Noten förmlich zufliegen. Die Schwestern sind sich nicht nur äußerlich unähnlich, sondern auch charakterlich. Auffallend ist zudem die Zuneigung der Eltern gegenüber Julia, die sich anpasst und fast niemals aus der Reihe tanzt. Augusta geht fragend durch ihr Leben und eckt somit immer wieder an. Ganz am Ende des Romans zeigen Augustas Eltern Liebe für ihre Tochter, was ich sehr anrührend fand und mich fast zu Tränen rührte. Gerade Augustas Vater verhält sich auffällig Fremden oder auch auch Menschen mit Behinderungen gegenüber und erfüllt hier und da tatsächlich ein Klischee, da alles, was "anders" ist, wird "anders" behandelt oder eben nicht beachtet, was für Julias weiteres Schicksal ausschlaggebend ist. Es ist erschreckend, aber eben nicht untypisch, da sicherlich viele Menschen ebenso reagiert hätten. Eigentlich müsste ich auch mich hinterfragen, wie ich mich in dieser Situation verhalten hätte. Wäre ich ins Wasser gesprungen oder hätte ich mich abgewandt?
"Die andere Hälfte der Augusta Hope" ist in seiner Aussage wirklich befremdlich und das macht den Roman so authentisch. Ich finde den Plot komplett gelungen und am meisten begeistert mich, das zwei zerbrochene Seelen zueinander finden und sich Trost zusprechen können. Definitiv eine andere Story als ich erwartet hätte, aber gerade dadurch absolut überzeugend.


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