Dienstag, 12. Februar 2019

Ironisches und kurzweiliges Rentnerdasein


Rosa Schmidt

Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet

Das geheime Tagebuch einer Ehefrau


Taschenbuch, Broschur, 304 Seiten, ISBN: 978-3-328-10239-7, PENGUIN, 10€





Um Rente zu kassieren, muss ich noch einige Jahre arbeiten und dennoch macht sich auch in mir manches Mal Angst vor der vielen gemeinsamen Zeit mit meinem Mann breit, denn wie werden wir die Tage füllen, ohne uns ständig zu streiten oder zu langweilen? Volkshochschulkurse wären hier und da sicherlich eine gute Alternative, wenn man denn gemeinsame Interessen hat. Ich könnte den ganzen Tag lesen und ganz wunderbar entspannen, aber wie wird mein Mann die Tage begehen? Auf der anderen Seite wäre diese Struktur mit gemeinsamen Essen (wobei ich koche und mein Mann die Zeitung liest) und gemeinsamen Sichten von Kochsendungen mir dann doch zu schnöde, aber genauso begegnet es uns in "Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet" und so ganz unrealistisch ist es nicht, denn mal ehrlich, wie soll man auch sonst die langen Tage bestreiten, wenn man auf einmal sehr viel Freizeit hat? Klar, man könnte es wie Günter machen, der nachdem er das Internet entdeckt hat, Youtube Videos über Gartengestaltung dreht. Er hält die Kamera und seine Frau arbeitet, das nur mal so nebenbei erwähnt. 

Günter ist insgesamt wirklich ein witziger Geselle, der mich sehr, nachdem ihm die Männergrippe ereilt, Ähnlichkeiten mit meinem Besten hat und mich ab dem Zeitpunkt für sich gewinnen konnte. Insgesamt ist "Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet"  wirklich amüsant und hat mich mehrfach zum Schmunzeln gebracht. Rosa bringt durch ihre Tagebucheinträge sehr viel Ironie ins Spiel und davon lebt die Story.  Manches muss man halt nicht so ernst nehmen, anderes aber doch, denn ganz so utopisch sind die Ängste von Ehefrauen nicht, wenn der Mann plötzlich zu Hause ist und den Tagesablauf mitbestimmen will. 

Ich habe es sehr genossen in Rosas und Günters Welt einzutauchen, da ich eben auch die Erfahrung wie gemacht habe wie Julia, dass urplötzlich viele aus meinem Freundeskreis eine Freundschaftsanfrage meiner Mutter über Facebook hatten und ich es auch nicht witzig fand. Irgendwie war es wie ein Eindringen in meine Privatsphäre. Andersherum hat mein Sohn mich gesperrt, als ich ihm einen Geburtstagsgruß auf seiner Pinnwand hinterlassen habe, die ihm peinlich war. Mittlerweile sind wir wieder befreundet und ich hinterlasse keine Grüße mehr, wie "Alles Gute mein Großer. Endlich 16 oder so" Ich habe mich also in "Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet" mehrfach wiedergefunden, aber nicht nur mich, sondern auch meine Eltern, die Rentner. Die eine oder andere Begebenheit hat mich sehr daran erinnert, wie meine Eltern auf "Tablett und Co" reagiert haben und es war wie ein Dèjà - vu. Nicht immer positiv, aber insgesamt doch sehr witzig. 
Gerne eine Leseempfehlung!

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