Dienstag, 11. April 2017

Mächtig "Strom auf der Tapete"


Strom auf der Tapete

Roman

192 Seiten
Ab 14 Jahre 
978-3-407-82211-6
12,99€


Mit dem Schneewittchen ans Ende der Welt ...
Ron Robert Ranke hat keinen Plan. Das ist der Plan. Logisch. Aber er hat ein altes Foto aus der Küchenschublade. Deswegen fahren er und die geheimnisvolle Clara mit dem Schneewittchen zur Wahl der Oderbruchkönigin in ein gottverlassenes Dorf an der polnischen Grenze. Damit sich die Wölfe endlich vom Acker machen, und weil er wissen will, wer sein Vater ist. Mann, Mann, Mann ...

»Eine Reise ans Ende der Welt, das in diesem Roman im Oderbruch liegt. Stilsicher, witzig und zugleich mit großem Ernst lotsen die Autorinnen ihre Figuren durch die kleinen und großen Katastrophen dieses Roadmovies, durch Beinahe-Unfälle und Prügeleien mit angejahrten Dorf-Casanovas, durch Exzesse und Momente der Stille. Kann das gut gehen? Es geht gut, in jeder Hinsicht, in diesem rasanten, gegenwartstrunkenen und überraschend zärtlichen Jugendroman.« Aus der Jury-Begründung des Peter-Härtling-Preises


"Strom auf der Tapete" ist ein sehr gelungenes Buch für Jugendliche und Junggebliebene. Die beiden außergewöhnlichen Protagonisten machen das Lesen zu einem Erlebnis, da ihre Unterschiede nicht interessanter hätten beschrieben werden können. Ron Robert lebt in einem Plattenbau mit seiner Mutter, die den Alkohol sehr zuspricht und auch diverse Männergeschichten aufweisen kann. Clara sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl. Sie hat Eltern, die sie selten zu Gesicht bekommt, lebt aber ansonsten im Reichtum, obwohl Geld vieles nicht ersetzt, was im Roman offen zur Sprache gebracht wird. Robert Ron kennt seinen Vater nicht, daher macht er sich auf die Suche und nimmt Clara mit. Es ist ein Unterfangen, welches auf der einen Seite herrlich chaotisch, aber auf der anderen Seite auch dazu führt, dass beide ins Nachdenken geraten, oft über ihren eigenen Schatten springen müssen und dabei erkennen, wie wichtig Freundschaft ist. 
Insgesamt gesehen hat "Strom auf der Tapete"meine hohen Erwartungen voll erfüllt. Die 192 Seiten waren viel zu schnell gelesen und dennoch arbeitet der Roman noch weiter, denn die leisen und lauten Töne der Story lassen sich schlecht überhören. Mir gefiel der Schreibstil, der eigenwillig und dennoch sehr deutlich ist. 
Der Titel des Romans wird schnell klar. Spätestens dann, wenn die Nachbarin unter der Wohnung gegen die Tür hämmert. In einer Plattenbausiedlung muss man sich anpassen und laute Musik oder anderer Krach wirkt sich auch auf die Nachbarschaft aus. Für Ron Robert und Clara ist es Zeit, die Flucht zu ergreifen. Dies geschieht in "Schneewittchen", einem Auto, welches extra für Ron Roberts 16. Geburtstag geliehen wurde. Es versteht sich von selbst, dass Ron Robert zu dem Zeitpunkt noch keinen Führerschein hat, oder? Manche Dinge muss man einfach überlesen, obwohl es hoffentlich nicht dazu führt, dass sich die Zielgruppe an Leser/-innen ins Auto setzt und losfährt?
Trotz Stress und Enttäuschungen lassen sich die Protagonisten nicht hängen, sondern geben "alles", um Ron Roberts Vater in Letschow zu finden. Letztendlich finden sie vieles anderes, was "Strom auf der Tapete" zu etwas ganz Besonderem macht. Ich empfand das Lesen als Bereicherung und vergebe daher sehr gerne eine Leseempfehlung, da der Roman es wirklich schafft aus der Masse heraus zu stechen. 

 und dem Beltz Verlag ein ♥liches Dankeschön für das Bereitstellen dieses wirklich ungewöhnlichen Romans. 

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