Mittwoch, 11. Januar 2017

Lycke - Originaltitel wäre stimmiger










Glücksmädchen


Ein Mädchen verschwindet. Doch nicht jeder will, dass es gefunden wird ...                                                                                            Ellen Tamm ist besessen vom Tod, seit ihre Zwillingsschwester vor acht Jahren starb. Sogar während ihrer Arbeit verfolgt sie der Verlust: Sie ist Kriminalreporterin bei einem Stockholmer Fernsehsender und sucht sich mit Absicht die schlimmsten Fälle aus. Als könne sie damit den Tod überwinden und die Trauer aus ihrem eigenen Leben verdrängen. Dann verschwindet an einem kalten, verregneten Tag die achtjährige Lycke spurlos. Ellen soll über den Fall berichten. Aber mit einem Mal funktionieren ihre Abwehrmechanismen nicht mehr. Es ist, als hätte sie ihre Zwillingsschwester erneut verloren. Panisch sucht sie nach Lycke. Kann sie das Mädchen retten und endlich Frieden finden?



"Glücksmädchen" ist ein ausgewogener Thriller, der von dem Verschwinden eines Kindes erzählt, welches mich zutiefst berührte. Die verschiedenen Perspektiven der Protagonisten geben die gewisse Spannung, die sich ab der ersten Seite bemerkbar machen konnte. Als Mutter berührte mich die Story sicherlich um einiges tiefer, da ich den Schmerz und die Angst deutlich spüren konnte. Stutzig machte mich die Medienpräsenz, die die Entführung oder was immer hinter dem Verschwinden von Lycke stecken mag, denn die Story wird ausgeschlachtet und zeigt, dass wenig Rücksicht auf die Emotionen der Eltern genommen wird. Ich empfand es als sehr bitter, denn es wirkt leider sehr authentisch. Störend empfinde ich nach Beenden des Thrillers den Titel des Buches. Unter "Glücksmädchen" hätte ich eine ganz andere Erwartung gehegt und empfand ihn letztendlich als unpassend. Das Ende kam für mich völlig überraschend und überrollte mich komplett. Niemals hätte ich mit dieser Wendung gerechnet und kann es daher als absoluten Erfolg verbuchen. Nun kommt auch ein klein wenig "Glück" ins Spiel, wobei es mir aber zu wenig war, um den Titel zu rechtfertigen.
Mir gefiel die intensiven Darstellungen der Protagonisten. Chloe empfand ich als sehr unsympathisch und mehr als egoistisch. Immer wenn von ihr die Rede war, bekam ich ein klein wenig Wut im Bauch, denn in Rückblenden wird immer wieder ihr Umgang mit Lycke als Stiefmutter deutlich hervorgehoben. Ein klein wenig könnte man Parallelen zu Aschenputtel ziehen. Ich finde interessant, dass dies unerkannt von Mutter und Vater bleibt und Lyckes Traurigkeiten nicht zu sehen sind. Natürlich ist eine Scheidung für Kinder immer fürchterlich, aber wenn sich die Stiefmutter als oberflächlich und eklig entpuppt, darf dies nicht unerkannt bleiben. Chloe macht sich ebenso schuldig wie Lyckes Vater und Mutter.

Fazit:
Ein runder Thriller, der mich mit leichten Bauchschmerzen begleitet. Die Angst um Lycke war präsent und das Ende mehr als überraschend. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, da ich die Story in vielen Dingen absolut unglaublich fand. Unglaublich in dem Sinne von den Emotionen die in mir freigesetzt wurden. Angefangen von Wut bis hin zur Hilflosigkeit. Leider ist ein Eingreifen nicht möglich, aber hier und da, hätte ich Menschen gerne geschüttelt, um sie von ihrer Blindheit und Oberflächlichkeit zu befreien. Warum sind Kinder immer die, die das Leid ertragen müssen?

★★★★ 

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