Freitag, 27. Januar 2017

Familien - Saga aus Ostpreußen


Ulrike Renk

Das Lied der Störche

Broschur, 512 Seiten
Aufbau Taschenbuch
978-3-7466-3246-9
12,99€

Alte Heimat 

Ostpreußen 1920: Frederike verbringt eine glückliche und unbeschwerte Kindheit auf dem Gut ihres Stiefvaters in der Nähe von Graudenz. Bis sie eines Tages erfährt, dass ihre Zukunft mehr als ungewiss ist: Ihr Erbe ist nach dem großen Krieg verloren gegangen, sie hat weder Auskommen noch Mitgift. Während ihre Freundinnen sich in Berlin vergnügen und ihre Jugend genießen, fühlt sich Frederike ausgeschlossen. Umso mehr freut sie sich über die Aufmerksamkeit des Gutsbesitzers Ax von Stieglitz. Wäre da nur nicht das beunruhigende Gefühl, dass den deutlich älteren Mann ein dunkles Geheimnis umgibt ... 

Ein berührende Familien-Saga die auf wahren Begebenheiten beruht. 





"Das Lied der Störche" ist in mehrere Teile eingeteilt, die erst die Kindheit von Frederike erzählt, um dann sehr detailliert in die Jugendzeit einzutauchen. Gerade das sehr detaillierte Leben auf dem Gutshof des Stiefvaters  hat mir sehr gefallen. Es ist eine definitiv andere Zeit und Frauen die ohne große Mitgift verheiratet werden sollen, werden regelrecht verschachert. Ich empfand es als sehr bitter und war erstaunt, das Frederike trotz großer Intelligenz und Fleiß sich unterordnet. Der erste Band ist mit "Alte Heimat" untertitelt, was sehr gut zu passen scheint, denn der zweite Band wird darauf aufbauen. Es endet mit einem echt miesen Cliffhanger und meine große Hoffnung nicht zu lange auf den Folgeband zu warten, wird sich hoffentlich erfüllen. Da die Seiten nur so dahin geflogen sind, wäre es wundervoll gewesen gleich weiterzulesen, denn ich erhoffe mir für Frederike das große Glück. Auch wenn sie nie Hunger oder Ablehnung gelitten hat, ist sie dennoch die Tochter, die nicht auf ein großes Erbe hoffen darf, zumal ihre Mutter und ihr Stiefvater für einige weitere Söhne und Töchter gesorgt haben. Der Wunsch der Mutter ist, Frederike in guten Händen zu wissen und erst spät wird deutlich, dass ihr das Wohl der Tochter ihr am Herzen liegt. Die Mutter erschien mitunter sehr gefühlskalt. Als Frederike ihre Schulbildung beendet hat, wird sie auf dem Gut regelrecht auf den Prüfstand gestellt, um festzustellen, ob sich die Investition der Schulgelder gelohnt hat. Manchmal empfand ich das Verhalten ihrer Mutter sehr oberflächlich, aber man muss natürlich auch bedenken, dass es andere Zeiten waren und Emanzipation noch nicht stattgefunden hat. 

Es ist natürlich nicht nur das Leben auf dem Gut, welches sehr detailliert wiedergegeben wurde, sondern auch die zarten Liebesbande zu Ax von Stieglitz, der schon seit langen Jahren im Hause der Familie ein gern gesehener Gast ist. Die politische Lage findet ihren Platz und auch die Schwierigkeiten und Ängst die damit einhergehen. 

Insgesamt ist die Story als sehr hochwertig einzustufen. Interessant ist, dass es sich hierbei um eine wahre Begebenheit handelt, die sicherlich auch ausgeschmückt wurde. Im Anhang findet sich dazu einige Erklärungen der Autorin.  

Ich vergebe sehr gerne eine Leseempfehlung. Leser/innen, die gerne in historische Romane abtauchen, werden in  "Das Lied der Störche" einen echten Buchschatz finden.

★★★★


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