Mittwoch, 28. Dezember 2016

Hochkaräter mit kleinen Schwächen

Bi Feiyu

Sehende HändeRoman

Gebundenes Buch mit SchutzumschlagISBN: 978-3-89667-565-122,99€Blessing




Der neue preisgekrönte Roman eines der bedeutendsten Schriftsteller Chinas

Als der blinde Masseur Wang Daifu mit einer Freundin, aber mittellos und ohne Perspektive in seine Heimatstadt Nanjing zurückkehrt, kann er bald Hoffnung schöpfen: Sein alter Freund von der Blindenschule, der ehrgeizige, belesene Sha Fuming, heuert ihn als Therapeuten in seinem Tuina-Massagesalon an. Abends schlafen Wang und seine Freundin im nahe gelegenen Wohnheim, in dem alle Mitarbeiter nächtigen, Frauen und Männer getrennt. Geschichten von Liebe, Freundschaft und Eifersucht entspinnen sich rund um die Mitarbeiter, zu denen nun auch noch Du Hong stößt, die eigentlich Pianistin werden wollte und von großer Schönheit ist. Für Wang aber reißen die Sorgen nicht ab: Kaum verdient er wieder Geld, muss er für seinen Bruder alles riskieren, da dieser sich erpressbar gemacht hat.

25 Jahre hat der große chinesische Schriftsteller recherchiert und das Thema der blinden Masseure mit sich herumgetragen, bevor er sich an diesen Roman wagte, der uns mit seinen plastischen und berührend beschriebenen Verwicklungen in das Leben im modernen China hineinzieht.





"Sehende Hände" ist ein Roman, der verdeutlicht, welch wichtiges Gut unser Augenlicht ist. Hier sind es die Hände, die Ohren und andere Sinne, die blinden Masseuren und Masseurinnen ein gutes Auskommen ermöglichen, trotzdem ist es mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Schwer fiel mir, die chinesischen Namen auseinander zu halten und mich auf die Protagonisten einzulassen, Es erschwerte mitunter den  Lesefluss. Trotzdem ist "Sehende Hände" ein echter Hochkaräter auf den man sich als Leserin einlassen sollte. Die Story selbst ist erstklassig geschrieben und verdeutlicht zwar ein gewisses Maß einer Behinderung, die aber nicht überhand nimmt, da die Blindheit zwar vorhanden ist, die beschriebenen Menschen aber einen guten Weg finden, sie zu umgehen. Es ist ein Kampf ums Überleben auf eine wirklich wundervolle, liebenswerte Art und Weise beschrieben. Die beschriebenen Charaktere, die einige Zeit brauchen, um auseinander gehalten zu werden, werden irgendwann zusammengefügt und ergeben eine Einheit, die nicht von Anfang an zu erkennen ist. Wichtig ist, sich darauf einzulassen, denn es kommt der Punkt, an dem der Leser begreift, was Bi Feiyu aussagen will. Die Recherchen des Autoren kommen zum Tragen und geben dem Roman einen authentischen Rahmen. 
Es geht um Freundschaft und auch um Liebe, was erschwerend ist, wenn eine Partnerschaft aus Blinden besteht, die sich auch gegenüber ihren Familien behaupten müssen. Diese Felsbrocken der Ablehnung bestehen lediglich aus Angst, was verständlich und authentisch wirkt. Als blinder Mensch geboren oder durch Krankheit dazu verdammt, erschweren das Leben, was oft deutlich wird. Herausragend ist die innere Stärke, die sich auf andere Sinne und Begabungen stützt, die ein Mensch nutzen kann, um trotzdem seinen Lebensweg zu meistern. Trotzdem sind Sorgen nicht ausgeschlossen, sei es aus der Familie heraus oder aus der betreffenden Person kommend. Innere Kämpfe sind deutlich hervorgehoben und wirken absolut glaubwürdig. 

Fazit:
"Sehende Hände" fokussiert sich auf Probleme, die aufgrund einer Sehbehinderung absolut authentisch auf seine Leser einwirkt. Dies geschieht liebevoll und warmherzig, regt aber dennoch zum Nachdenken an. Schwer fiel lediglich, die chinesischen Namen auseinander zu halten, die erst spät für mich als Leserin ein Gesicht und eine Zuordnung der Begebenheiten bekamen. Ein hochkarätiges Buch, welches Probleme nicht ausschmückt, sondern als gegeben beschreibt und sie nachdrücklich auf seine Leser einwirken lässt. 

4,5 Sterne -  ★★★

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