Samstag, 24. Dezember 2016

Berührt zutiefst - Aktuelles Zeitgeschehen in eine Liebesgeschichte verpackt


Antonia Michaelis / Peer Martin

Taschenbuch - Grenzlandtage


464 Seiten · broschiert
ab 15 Jahren
13,99 €
ISBN-13: 978-3-8415-0469-2
OETINGER

Auch als E-Book erhältlich


Zwei Wochen Ferien auf der winzigen griechischen Insel liegen vor Jule. Das Meer ist blau, die Nächte sternenklar. Alles scheint perfekt. Bis Jule den Jungen mit den verbundenen Händen trifft und begreift, wer er und die anderen sind, die im Verborgenen leben. Jules Welt gerät aus den Fugen. Denn das Meer ist ein Grab, die Nächte sind kalt und das Dorf ein Ort des Misstrauens. Und quer durch die Wellen läuft eine Grenze, die niemand sieht. Eine tödliche Grenze.

Eine berührende Liebesgeschichte vor aktuellem politischen Hintergrund, die Flüchtlings-Schicksale einfühlsam und greifbar schildert. Die beiden Autoren wurden von der Jugendjury des Jugendliteraturpreises nominiert.                                                        




"Grenzlandtage" ist definitiv kein einfaches Buch. Mich hat es zutiefst erschüttert und ich brauchte einige Tage, um mich einer Rezension widmen zu können, Ich habe ein klein wenig Angst, dem Buch nicht gerecht zu werden, da es mich wirklich nachdenklich stimmt. Ich denke an meine Facebook Timeline, auf der in regelmäßigen Abständen die Flüchtlingspolitik diskutiert wird und aus der ich mich raushalte, da mir die Hintergründe oft unbekannt sind. Es wird in "Grenzlandtage" kein Blatt vor den Mund genommen und eindrücklich, bildlich darüber berichtet, wie es aussehen könnte über das Meer zu fliehen. Wie viel Verlust es vorher gab, als man sich noch im Kriegsgebiet befand und was es einen Menschen an Kraft und Geld kostet, um sich in ein hoffentlich besseres Leben zu begeben. Es ist aber nicht alles Gold was glänzt, denn es  ist nicht einfach in fremden Ländern wie Griechenland oder Italien Fuß zu fassen. Es ist mit vielen Verlusten und Strapazen verbunden. Es tat mir weh es zu lesen, denn als Mensch habe ich eine automatische Verdrängungstaktik um mich herum errichtet, die sich auf Angst vor dem Flüchtlingsstrom fokussiert hat. Ich schäme mich. Ich schäme mich über mich selbst und ich schäme mich wegen denen die den Mund weit aufreißen und regelrecht Fremdenhass empfinden. Flüchtlinge sind nicht gleich Flüchtlinge und nicht in jedem steckt ein potentieller Attentäter. Es ist schwer dies zu begreifen und ich muss bei mir selbst anfangen, um die Flüchtlingspolitik nicht aus meinem Leben auszuklammern. 
Vielen Dank an Antonia Michaelis und Peer Martin für diesen schmerzlichen Roman, der so aktuell und authentisch ist. Genauso hätte es sich auf der winzigen Insel in Griechenland abspielen können. Wobei mich ein klein wenig gestört hat, das Jule erst 17 ist. Meine Tochter hätte nicht alleine verreisen dürfen, aber das ist ein ganz anderes Thema ☺ 
Die Liebesgeschichte zwischen Asman und Jule ist dem Thema wunderbar angepasst. Es wirkt nicht aufgesetzt oder blumig, sondern zeigt deutlich die Unterschiede dieser zwei Menschen die aufeinander treffen und sich ineinander verlieben. Die Liebe ist überall zuhause und sucht sich nicht aus, ob es sich nun um einen Flüchtling handelt oder ein gut situiertes Mädchen aus Deutschland. Manchmal durchbricht die Liebe alle Barrieren und regt dadurch zum Nachdenken an. Ein Moslem ist nicht sofort ein Mitglied der IS. warum ist unsere Angst vor dem Fremden so groß? Es sind eindeutig die Medien, die unsere Angst und Beklemmung schüren.  Ich glaube nicht, dass die Gewalt mit den Flüchtlingen kam. Die Gewalt war schon immer da und immer dann, wenn ein Flüchtling in blutige oder abartige Taten involviert ist, wird die Angst gefördert und gepusht. Ich versuche schon länger mich davor zu schützen, indem ich aktuelle Nachrichten ausblende. 
"Grenzlandtage" ist definitiv ein Jugendbuch mit dem Prädikat Besonders wertvoll. Es sollte gelesen und begriffen werden. denn in einer Flucht steckt so viel mehr, als wir uns in unseren warmen Häusern und dem reichlichen Essen vorstellen können. Natürlich gibt es auch in Deutschland Armut und Hunger, aber keinen Krieg, der uns alles nehmen will, was uns lieb und teuer ist. Bisher werden unsere Familien nicht auseinander gerissen und unsere Häuser ausgebombt. Wir leben in einem geschützten Rahmen und vielleicht lässt uns dieses Wissen ein klein wenig dankbarer werden?


Absolute Leseempfehlung!

★★★★ 

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