Freitag, 18. November 2016

Vergangenheitsbewältigung und Gegenwart liegen eng beieinander



Jane Harper

The Dry


Ein beklemmender Thriller um Heimat, Loyalität und Vergebung.
Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten lastet wie heißes Blei auf dem ländlichen Städtchen Kiewarra mitten im Nirgendwo. Das Vieh der Farmer stirbt, die Menschen fürchten um ihre Existenz. 
Als Luke Hadler, seine Frau und ihr Sohn Billy erschossen aufgefunden werden, glauben alle, dass der Farmer durchgedreht ist und erweiterten Suizid begangen hat. Aber Sergeant Raco hat seine Zweifel.
Aaron Falk kehrt nach zwanzig Jahren zum ersten Mal nach Kiewarra zurück - zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke. Bald brechen alte Wunden wieder auf; das Misstrauen wirft seine langen Schatten auf die Kleinstadt. Und in der Hitze steigt der Druck immer mehr...
Die Filmrechte für «The Dry» sicherte sich Hollywood-Star Reese Witherspoon.
"The Dry" ist ein äußerst spannender Thriller, der seinen Protagonisten Aaron Falk vor eine große Herausforderung stellt. Zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke kehrt er nach 20 Jahren in seine Heimat zurück und wird sogleich mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Was damals einer Flucht glich, wird nun aufgearbeitet. Es ist eine schmerzliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die nach und nach aufgearbeitet wird. In Rückblenden wird deutlich, was damals geschah und Luke regelrecht dazu gezwungen hat, Kiewarra zu verlassen und einen Neuanfang fern ab begonnen hat. Misstrauen und auch Wut schlägt Aaron entgegen, der sich nun erneut konfrontiert sieht mit Begebenheiten, die er jahrelang zu verdrängen versucht hat. Oft hatte ich das Gefühl, Aaron kehrt sein Inneres nach Außen und umgekehrt. Es ist eine schonungslose Lebensbeichte, die nicht nur Aaron in das rechte Licht rückt, sondern durch gemeinsame Erfahrungen mit seinem Freund Luke verwirrt und mich auf komplett falsche Fährten führt, Verwirrend ist auch die Tatsache, dass Luke angeblich seine Frau und seinen Sohn Billy erschossen haben soll und nach den Morden an Frau und Kind, sich selbst das Leben nahm. Warum aber lässt er seine eineinhalbjährige Tochter Charlotte am Leben? Angespornt durch Lukes Eltern macht sich Aaron auf die Suche nach der Wahrheit. Eigentlich wollte Aaron mit seiner Vergangenheit abschließen und setzt sich nun gemeinsam mit Sergeant Raco erneut mit dieser auseinander. 

Durch die Trockenheit in Kiewarra sind die Menschen unausgeglichen und verängstigt. Sie fürchten um ihre Ernte und dementsprechend wird oft eine leichte Aggressivität deutlich. Damals gab es einen Schuldigen für ein Tötungsdelikt, welches nie wirklich aufgeklärt wurde und daher schlägt Aaron nun Misstrauen und auch erhöhtes Gewaltpotential entgegen. Die meisten Menschen meiden ihn und machen ihm die Aufklärung der Todesfälle dadurch nicht leichter, sondern erschweren diese. Es zeigt sich vermehrt, das viele Menschen unversöhnlich sind und sich durch Gerüchte und anderem sehr beeinflussen lassen, anstatt Dingen auf den Grund zu gehen. Vielleicht, weil es einfach zu anstrengend ist? Niemand sieht den Tatsachen gerne ins Auge, sondern zeiht sich lieber zurück oder glaubt an das, was gesagt wird. Warum also hinterfragen? Wegsehen ist natürlich auch um einiges einfacher, als die Wahrheit zu begreifen und sich vielleicht auch dagegen aufzulehnen.

Das Ende war für mich sehr überraschend und schockierend. Skrupellos und regelrecht krankhaft wird mir ein Täter / eine Täterin präsentiert, die ich so niemals in Verdacht hatte. Menschen die über Leichen gehen und Geheimnisse eher mit ins Grab nehmen, als sie auszusprechen. Wir erblicken menschliche Abgründe und ich gestehe, dass eine oder andere war mir wirklich zu viel, da ich inneres Leid förmlich spüren konnte. Die Ortsbeschreibungen und der Wirkungskreis Australien wirkt absolut authentisch und verdeutlicht rasch den Wassertropfen des Covers. Gerne möchte ich eine Leseempfehlung aussprechen, da ich "The Dry"mit sehr großem Interesse gelesen habe. Man ist als Leser_in sofort im Geschehen und wird emotional in eine Story hineingeworfen, die immer mehr an Fahrt aufnimmt und letztendlich ein unerwartetes Ende aufweist. Absolut gelungen!





Mein Dank an  und Rowohlt  für das Bereitstellen dieses sehr gelungenen Thrillers.

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