Donnerstag, 3. November 2016

Tandemsprung ins Ungewisse



Auf Null

"Vielleicht ja, vielleicht nein. Lasst euch überraschen."
Gesund – aber nicht geheilt. Das ist Ninas Diagnose nach überstandener Leukämie.
Für die Zwanzigjährige klingt das wie: Freu dich bloß nicht zu früh. Ohnehin hat die Krankheit alles verändert. Mit ihrer besten Freundin Bahar ist sie zerstritten, ihr Bruder ist streng gläubig geworden, und Nina würde eher einem Hütchenspieler vertrauen als ihrem eigenen Körper. Dann lernt Nina Erik kennen und ist schneller in ihn verliebt, als ihre Angst vor einem Rückfall es erlaubt. Aber wie soll Liebe funktionieren, wenn einem der Mut zum Leben fehlt?
Ein mitreißender und lebensbejahender Debütroman.
Hardcover - 400 Seiten - ISBN-13: 978-3463406688 - 19,95€ - KINDLER







"Auf Null" ist ein sehr bewegender Roman über eine Krebserkrankung, deren Folgen und dem Weg zurück ins Leben. Nina wird quasi auf Null gesetzt, was ich als Titel sehr passend finde. Als sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, steckt Nina voller Ängste und Sorgen, denn auszuschließen, dass die Leukämie zurückkehrt kann sie nicht und diese Ängste liegen auf ihr wie ein Schleier. Das Vertrauen zu sich selbst und zu anderen ist stark ins Wanken geraten. Wir befinden uns als Leser_innen mittendrin in einer Story, die von Chemo erzählt und auf der anderen Seite vom Neuanfang nach all der Qual und Schmerz. Mich hat es tief beeindruckt, welch wunderbaren Worte die Autorin gefunden hat, um zwar über ein Buch angefüllt mit Krankheit und Leid, dennoch einen Roman zu basteln, der auch aus sehr viel Schönheit und Freude besteht,

Nina zieht sich in sich zurück und lässt niemanden wirklich an sich heran. Die Diagnose Leukämie steht zwischen ihr und all ihren Beziehungen, sei es die zu ihrer Familie oder zu ihren Freundinnen. Verlieben ist vorläufig ein echtes NO GO, denn wie soll man sich binden, wenn man vielleicht sterben muss und jemanden dadurch verletzt und Schmerz zufügt? Für mich waren diese Emotionen mehr als greifbar, Catharina Junk ist es gelungen mich nicht angefüllt von Trauer lesen zu lassen, denn dies ist, was oft überwiegt. Es ist aber nicht belastend, sondern gibt irgendwie auch ganz viel Hoffnung. Natürlich kann der Krebs zurückkommen und natürlich wäre dies absolut fürchterlich, aber das Leben deshalb auf Sparflamme leben auch nicht der Sinn und das Ziel.

Natürlich geht es in "Auf Null" nicht nur um Nina, obwohl sie die Protagonistin schlechthin ist, auch ihre Familie und Freunde werden beleuchtet. Es ist sehr interessant, die einzelnen Figuren zu verfolgen, denn letztendlich bewegen sie sich alle irgendwie in Ninas Umfeld und ihre Reaktion auf Ninas Krebserkrankung hat schon eine gewisse Faszination. Rückzug, bei Gott Trost suchen oder die Unsicherheit mit einer Krebserkrankung umzugehen. Wie würde ich mich verhalten? Wo sehe ich mich in diesen Charakteren?

Der Schreibstil ist sehr flüssig und daher würde ich "Auf Null" auch für junge Leser_innen empfehlen. Nina ist knapp 20 und dies wird oft auch deutlich durch ihr Verhalten, ihre eigenen Lebensweisen und der Liebesgeschichte, die sich auch in den Roman einschleichen konnte. Ninas Leben entwickelt sich tatsächlich zu einem Tandemsprung ins Ungewisse. Sich darauf einzulassen fiel ihr sehr schwer und die Verwandlung zum Ende des Buches hin, war wirklich phänomenal.

Ein Roman, der traurig und freudig zugleich sein konnte, hinterlässt mich mit Begeisterung und einer echten Leseempfehlung! Ein tolles Buch über das Leben, welches jeder auf seine eigene Art und Weise wertschätzen und festhalten sollte. Sehr gelungenes Debüt.

★★★

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