Montag, 10. Oktober 2016

Machtbesessenheit




Caroline Eriksson

Die VermisstenPsychothriller

Paperback, KlappenbroschurISBN: 978-3-328-10038-613,00€Penguin Verlag 


Das grünschwarze Wasser leuchtet geheimnisvoll in der untergehenden Sommersonne. Der Abend könnte nicht schöner sein, als Greta, Alex und Tochter Smilla mit dem Boot zur kleinen Insel in der Mitte des Sees fahren. Greta bleibt am Ufer, während die anderen beiden neugierig auf Entdeckungstour gehen. Aber sie kommen nicht mehr zurück. Beunruhigt macht sich Greta auf die Suche – doch von Alex und Smilla fehlt jede Spur … In ihrer wachsenden Verzweiflung wendet sie sich an die Polizei. Schnell wird klar, dass Gretas eigene Geschichte ebenso große Rätsel aufwirft wie das Verschwinden ihrer Lieben. Und die Frage: Hat sie etwas damit zu tun?


"Die Vermissten" ist ein wahrer Psychothriller der aufzeigt, wie schnell man sich selbst verliert und sich auf Machenschaften einlässt die binden und absolut hörig machen. Ich fühlte mich oft unwohl, da ich mir auch Gretas Verhalten nicht erklären konnte. Leidet sie an einer Psychose oder was stimmt mit ihr nicht? Bildet sie sich Smilla und Alex Verschwinden nur ein? Verheiratet ist sie nicht und ein Kind hat sie laut Polizei auch nicht, aber wie ist sie dann mit den beiden Vermissten verbunden? Nach und nach erschließt sich mir ein Bild, welches der Handlung Sinn und Tiefe gibt. Es zeigt auf das Vergangenheit und Gegenwart eins werden. Mich hat es regelrecht gefesselt da ich mich immer wieder auf falschen Fährten befunden habe. Der Autorin ist es gelungen mich zu verwirren und mich auf die Suche nach Antworten zu begeben. 

"Die Vermissten" bietet echten Thrill, da Aufklärung erst zum Ende hin möglich wird. Eine Mutter - Tochter - Beziehung die durch eine Kindheitserinnerung immer wieder eingeblendet wird und Schuldgefühle in Greta auslösen. Diese Schuld begleitet Greta schon ihr ganzes Leben und macht sie dafür anfällig sich in Abhängigkeit zu begeben, da sie sich wertlos fühlt. Greta lässt sich auf Schmerz und Machtbesessenheit ein und tappt in eine Abhängigkeit von der sie sich nicht zu lösen vermag. 

Es verlaufen einige Handlungen parallel die letztendlich zusammengefügt werden können. Was klar heraus sticht ist die Schuldfrage, die nie ausgesprochen wurde und Greta daran hindern sie selbst zu sein. Selbst Psychotherapien können nicht helfen, da Greta scheinbar selbst nicht weiß was in dieser bedeutsamen Nacht geschehen ist. Die Erinnerungsfetzen sind sehr deutlich und dennoch sind sie nur Mittel zum Zweck. Sie liefern mir absichtlich Verwirrung und die Gedanken daran Greta als Mörderin zu sehen. Ist sie schuldig am Verschwinden von Alex und Smilla? 

Letztendlich ist alles anders und lässt mir den Atem stocken. Völlig unerwartet ändert sich die Handlung und gibt Sichtweisen auf Menschen, die ihre eigene Abhängigkeit offenbaren. Diese Wandlung habe ich als sehr gelungen empfunden. "Die Vermissten" hat mich mehr als einmal in die Irre geführt und verdeutlicht, was Worte und taten in Menschen bewegen können, um sie zu verletzen und so zu verändern, dass sie sich letztendlich selbst nicht mehr vertrauen können. 

Gerne eine Leseempfehlung an einen Psychothriller dessen Verlauf immer wieder neue Facetten aufweisen konnte. Verwirrend und voller Hochspannung und einem wirklich gelungenen Ende, Die Schuldfrage wurde geklärt und ein Neuanfang ist möglich. Es ist zwar kein direktes Happy End vorhanden, da dieses in Thrillern verstörend auf seine Leser wirken würde, dennoch ist es ein Loslösen und eine Machtverschiebung, die ich sehr genossen habe.

★★★







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