Sonntag, 18. September 2016

Menschliche Abgründe wirken unergründlich







A. J. GRAYSON

Boy in the Park – Wem kannst du trauen?


368 Seiten
ISBN: 978-3-426-30571-3
14,99€



Ein komplexer psychologischer Spannungs-Roman um Alptraum und Realität, dunkelste Erinnerungen und menschliche Abgründe.

Ein kleiner Junge verschwindet. Am helllichten Tag wird er aus dem Botanischen Garten in San Francisco entführt. Der einzige Zeuge des Verbrechens ist Dylan, der dort eigentlich in Ruhe seine Mittagspause verbringen wollte. Die Polizei tappt im Dunkeln und so entschließt sich Dylan, auf eigene Faust nach dem Kind zu suchen. Je weiter er bei seiner Suche ins kalifornische Hinterland dringt, je näher er dem Versteck zu kommen scheint, desto verstörender und blutiger werden seine nächtlichen Alpträume. Sie zwingen Dylan dazu, sich seiner eigenen dunklen Vergangenheit zu stellen, die mit einem grausamen Doppelmord in Verbindung zu stehen scheint… 








"Und wenn man etwas Schönes gefunden hat, das einem das Herz berührt, dann bricht man die Suche ab. Man lässt sich von der Schönheit vereinnahmen und gibt sich ihr bedingungslos hin."
Zitat Buch S. 221

"Boy in the Park" hat mich wirklich verwirrt und ich gestehe, dass es dieses war, was den Thriller so gewaltig gemacht hat. Die vielen Personen und Perspektiven zusammenzufügen ist mir tatsächlich erst sehr spät gelungen. Mitunter verfügt der Thriller über einige Längen, die aber dem Lesefluss nicht schaden konnten. Ich bin immer wieder neu von Psychosen / Schizophrenie fasziniert und konnte mich am Ende komplett überrollen lassen. Manche Szenen empfand ich als sehr schmerzhaft für meine eigene angegriffene Seele, da es ein Tabuthema beinhaltet und leider doch noch zu oft totgeschwiegen wird. Erst dann, wenn etwas Schlimmes geschieht, fangen Nachbarn an zu reden, die zuvor geschwiegen haben, da man sich ja nicht einmischt. Ich kriege da regelrecht Wut, will aber nicht näher darauf eingehen, da es der Aufhänger des Thrillers ist und falls ich jetzt schon zuviel gespoilert habe, entschuldige ich mich hiermit in aller Form. 
Für mich war "Boy in the Park" absolut hochwertig, wenn auch nicht sofort, da ich erst einmal in die Story hineinfinden  musste. Letztendlich hat es mich aber überzeugt, da ich verstanden habe, warum Dylan mitunter komisch reagiert und der Autor mich immer wieder auf falsche Fährten führen konnte. Ein Thriller, der sich entwickeln muss, um echte Spannung aufzubauen und letztendlich ein Gefühl der Leere, Wut, aber auch einen würdigen Abschluss aufweisen konnte. Gewalt erzeugt Gewalt, das ist leider nicht nur ein dummes Sprichwort, sondern in diesem Thriller wahrheit geworden. Es entsetzt mich sehr, wenn ich nur daran denke. Psychischer Schmerz in Form von Schuldgefühlen werden deutlich, die erzeugt wurden durch körperliche Gewalt. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Ich vergebe eine Leseempfehlung, da ich mich mit menschlichen Abgründen immer wieder gerne auseinandersetze. Oft muss sich eine Story erst entwickeln, um dann letztendlich doch überzeugen zu können. "Boy in the Park" bot mir einiges an Überraschungen und das Ende konnte mich letztendlich für sich gewinnen. Vorher war da nur Wut und Hilflosigkeit, denn ich konnte nicht eingreifen und musste Leid und Schmerz ertragen. Für mich ein abgründiger Thriller, der sich zu einem echten Drama entpuppt.

★★★








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