Dienstag, 9. August 2016

Barbarisch genial


Linda Castillo

Grausame Nacht

Roman
Taschenbuch
Aus dem Amerikanischen von Helga Augustin
400 Seiten - ISBN: 978-3-596-03263-1 - 9,99€ - Fischer Verlage

Über die alte Scheune kursieren viele Geschichten. Die neunjährige Sally Ferman kennt sie alle. Sie weiß nicht, ob sie stimmen. Sie weiß nur, dass sie keinen unheimlicheren Ort kennt als dieses verfallene Gebäude mit seinem steinernen Fundament und den dunklen Fenstern.

Als der Tornado über Painters Mill in Ohio hinwegfegt, legt er nicht nur die halbe Stadt in Schutt und Asche. Er bringt auch etwas zum Vorschein, was besser in der Erde geblieben wäre. Unter einer eingefallenen Scheune werden die Überreste eines menschlichen Skeletts gefunden. Wer ist der Tote? Und warum lag er jahrelang hier vergraben? Als Doc Coblenz die Leiche obduziert, wird klar, dass diese Leiche keines natürlichen Todes gestorben ist. Und plötzlich muss Kate noch einmal in einem 30 Jahre zurückliegenden Fall ermitteln, der damals die kleine Amisch-Gemeinde von Painters Mill beschäftigte, zu der sie auch gehörte. Ein altes Familiengeheimnis und ein ungesühntes Verbrechen – Kate Burkholders siebter Fall führt sie an einen unheimlichen Ort.



Mit "Grausame Nacht" ist mittlerweile der 7. Band rund um die Ermittlerin Kate Burkholder erschienen. Kate Burkholder ist selbst als Amische aufgewachsen und hat sich nach der Rumspringa gegen ein Leben als Amische entschieden. Auch wenn es hin und wieder kleine Einflechtungen auf andere Fälle der Ermittlerin gibt, ist es nicht zwingend notwendig die anderen Bücher zu kennen, da sich vieles von selbst erklärt und eben auch eine eigenständige Story erzählt. Mir gefällt der Schreibstil der Autorin und auch die Lebensweise der Amischen bringt immer wieder neue Erkenntnisse dieser Glaubensrichtung, sodass es dadurch schon recht interessant zu lesen ist.
"Grausame Nacht"ist sehr brutal und erweckt auch einen leichten Ekelfaktor in mir, dennoch fand ich es wieder einmal absolut hochwertig geschrieben. Manchmal wüsste ich gerne, woher Thrillerautoren ihre Ideen nehmen, denn manchmal erweckt es doch den Anschein, als wäre schon alles erzählt. So ist es aber nicht mit unserer Ermittlerin Kate Burkholder, da sie natürlich auch ein Privatleben hat, welches von Buch zu Buch aufgebaut wird. In "Grausame Nacht" wird Kates Leben auf den Kopf gestellt, denn manchmal kann man Dinge nicht planen und sie könnten eine komplette Umstellung der Gewohnheiten sein oder ein Umdenken erfordern. Kate wird herausgefordert und am Ende war ich richtig wehmütig, denn es wurde sehr traurig und ich litt tatsächlich mit der Ermittlerin. Manchmal sind Bücher wie gute Freunde, denn man geht den Weg gemeinsam, wenn auch fiktiv. 
Der aktuelle Fall ist auch der Amischen Gemeinde angesiedelt und lässt mich lange rätseln, bis dann letztendlich die Erkenntnis kommt. Wieder einmal zeigt sich, das alte Wunden nicht schnell heilen und irgendwann aufbrechen, obwohl man das Leben, welches man jetzt führt, auch genießen könnte, wenn einen die Vergangenheit nicht immer einholen wird. Das Drama beginnt in einer alten Scheune und liegt 30 Jahre zurück. Dank moderner Kriminaltechnik ist es fast schon ein Leichtes herauszufinden, wem die gefundenen Gebeine gehören, die durch den Tornado in Painters Mill freigelegt wurden. Die vielen falschen Fährten die gelegt werden, geben dem Thriller die nötige Spannung und sorgten wieder einmal dafür, das ich am Ende restlos zufrieden war, zumindest was den aktuellen Fall betrifft. Die anderen eingeflochtenen Themen passen hervorragend und sorgen für die nötige Würze. Letztendlich ist "Grausame Nacht" absolut barbarisch, megaspannend und wieder einmal absolut gelungen. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an einen Thriller, der seinem Titel alle Ehre macht, denn mehr "grausam" geht fast nicht. 

★★★

1 Kommentar:

  1. Hi Du,

    mit der Rezi hast du mich jetzt aber neugierig gemacht. Das Buch wandert gleich auf meine Leseliste :)

    Viele Grüße,
    Christian

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