Sonntag, 12. Juni 2016

Sehr ungewöhnlich konstruierter Spannungsaufbau


Fiona Barton

Die Witwe

Ein liebender Ehemann oder ein kaltblütiger Mörder ... Was weiß sie wirklich? 

DER BESTSELLERERFOLG AUS DEN USA UND GROSSBRITANNIEN

 
Rowohlt Verlag, 432 Seiten, Paperback, ISBN: 978-3-8052-5097-9, 16,99€ 


Die Frau.
Jean Taylor führt ein ganz normales Leben in einer englischen Kleinstadt: Sie hat ein hübsches Haus und einen netten Ehemann. Glen und sie führen eine gute Ehe.

Der Mann.
Dann kommt der Tag, der alles ändert: Sie nennen Glen jetzt das Monster. Er soll etwas Unsagbares getan haben. Und Jeans heile Welt zerbricht.

Die Witwe.
Jetzt liegt Glen auf dem Friedhof, und Jean ist frei. Frei, das Spiel endlich nach eigenen Regeln zu spielen ... 
Jean Taylor wird uns sagen, was sie weiß.





"Die Witwe" hat mich aufgrund des Klappentextes sehr angesprochen, da lediglich nur von die Frau, der Mann oder die Witwe gesprochen wird. So wird es auch im Thriller anzutreffen sein. Namen werden zwar auch genannt, aber die Kapitel beginnen immer mit die Frau, der Mann, die Journalistin, der Polizist oder auch die Witwe. Der Aufbau der Story ist daher sehr interessant, da jede Person seine Rede- und Gedankenzeit hat, um letztendlich die Story doch noch voran zu treiben.

Die ersten Seiten plätschert die Story leicht dahin, um irgendwann dann doch noch ein klein wenig Fahrt aufzunehmen. Mich hat dies begeistern können, da ich nicht immer sofort mit einem Todesfall konfrontiert werden möchte und es auch als gelungen empfinde, wenn ich erst am Ende allen Hinweisen nachgehen konnte in Gedanken. "Die Witwe" machte mir sehr zu schaffen, denn das Thema ist wirklich ernst und ich habe immer Wut im Bauch, wenn es darum geht, Kindern ein Leid zuzufügen. Von den betroffenen Eltern möchte ich nicht anfangen, obwohl Dawn wie hier im Buch sich nicht wirklich mit Ruhm bekleckert hat. Jean Taylor, die Witwe, bewegt in mir ein Gefühl von Mitleid, da ihr verwehrt wird, was sie sich ganz tief im Herzen wünscht und alle ihre Gedanken übernimmt. Welch ein trauriges Schicksal. Trotzdem habe ich ihr Schweigen bis zum bitteren Ende nicht verstanden, auch wenn sie sich mittlerweile in therapeutischer Behandlung befand. All ihr Sehnen galt einem einzigen Gedanken und Glen ist derjenige, der ihr ihre Wünsche nicht erfüllen kann oder will. Es wird einfach totgeschwiegen. Auch Glen hat Sehnsüchte, die ihn innerlich zerfressen und irgendwann die Oberhand übernehmen. Es kommt zum Eklat, was erst geschätzt die letzten 50 seiten verdeutlicht wird. Für mich gab es bis dahin lediglich Mutmaßungen, aber irgendwann packt Jean aus und lässt uns teilhaben an Grusel und Horror. Es ist in Worte verpackt, die nicht beängstigen, denn es ist als würde man lediglich einen sachlichen Bericht lesen. Mir ging es dennoch durch Mark und Bein.

Der Aufbau des Thrillers und den Schreibstil habe ich als sehr angenehm empfunden. Man wird als Leser/in nicht komplett überrannt, sondern erhält Informationen scheibchenweise.  Der sehr ungewöhnlich konstruierte Spannungsaufbau ist, was mich letztendlich überzeugt hat. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus, da ich mich auf "Die Witwe" einlassen konnte und am Ende doch überrascht war, obwohl alles auf dieses Ende hingezielt hat und ich doch Hoffnung hatte, das ich mich irre. Viele aktuelle Themen wurden eingebaut und führten dazu, die Spannung zu erhalten. Die psychologischen Facetten waren sehr anspruchsvoll und wirkten authentisch. Insgesamt ein gelungenes Erstlingswerk.


★★★




Vielen Dank an BloggdeinBuch und den Rowohlt Verlag (Wunderlich)für das Bereitstellen dieses faszinierenden Buches.




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