Montag, 16. Mai 2016

Gewaltige Erinnerungen



Mario Alberto Zambrano

Sonne, Mond und SterneRoman

Mit Illustrationen von Jarrod Taylor


Ein Mädchen, das nicht reden will. 53 Spielkarten, die ihre Geschichte erzählen.

Ein junges Mädchen erzählt die tragische Geschichte ihrer Familie mit Hilfe eines Kartenspiels – des lateinamerikanischen Lotería. Elf Jahre alt ist Luz. Ihre ältere Schwester Estrella liegt auf der Intensivstation, ihr Vater sitzt im Gefängnis, die Mutter hat Mexiko verlassen. Luz, allein auf sich gestellt, zieht sich hinter eine Mauer des Schweigens zurück. »Lass dir von den Karten helfen«, sagt man ihr im Heim. Jedes der bunten Motive – die Meerjungfrau, der Tod, die Sterne – lässt ihre Erinnerung Funken schlagen. Zusammengesetzt wie ein Satz Spielkarten erzählen die Kapitel dieses Romans Luz‘ Leben, sie erzählen von allem Schönen und allem Schrecklichen – berührend und poetisch, lebenssatt und so bunt, wie die vierfarbigen Illustrationen von Lotería-Karten.

Gebundenes Buch, HalbleinenISBN: 978-3-630-87441-822,99€Luchterhand
Leseprobe auf Verlagsseite verfügbar!

In "Sonne, Mond und Sterne" erhalten wir Rückblicke auf Ereignisse, die in ihrer Ausführung sehr ungewöhnlich sind. Spielkarten erzählen eine Lebensgeschichte, die geprägt ist von Gewalt, die sich auf Luz ausgewirkt haben und verarbeitet werden müssen. Die Schönheit ihrer Kindheit findet natürlich auch ihren Platz, aber letztendlich ist es ein Drama, welches hier und da eingestreut wird. Mühsam ist mitunter die Sprache, auch wenn dem Roman ein Glossar eingefügt wurde. Da ich über keinerlei Spanischkenntnisse verfüge, war dies etwas, was mich in meinem Lesefluss ein klein wenig gebremst hat, Um den Sinn zu verstehen, ist es ratsam zurückzublättern, um die Worte zu verstehen, damit die Handlung verdeutlicht wird. Gefallen haben mir die Loteria - Karten, die thematisch zu den kurzen, knackigen Kapiteln gepasst haben. Der Roman wirkt dadurch bunt und erfrischend, auch wenn der Inhalt des Kapitels oft traurig stimmt. Alkohol und Gewalt übernehmen mitunter die Überhand und wirken auf mich beklemmend. Die Story wirkt oft ein wenig wirr, da die Zeitsprünge des Geschehens nicht chronologisch erfolgen, dennoch fügt sich im Nachhinein alles nahtlos ineinander.Luz ist 11 Jahre alt und die jüngste Tochter einer Einwanderfamilie, die aus Mexiko stammend einen Neuanfang in den USA starten wollen. Die Schwierigkeiten sich einzuleben und Fuß zu fassen, werden sehr deutlich. Ein klein wenig erinnert dies an die aktuelle Situation in Deutschland, denn auch hier treffen unterschiedliche Kulturen aufeinander. Wir lesen letztendlich ein Drama, welches sich innerhalb der Familie abspielt und erst nach und nach zu einem Puzzle zusammengefügt wird. Die Loteria - Karten peppen auf, können aber nicht ablenken davon, welch Traurigkeiten Luz in ihrem kurzen Leben erlebt haben muss. "Sonne, Mond und Sterne" ist recht zügig gelesen durch das recht große Schriftbild. Schwierigkeiten bereiteten mir letztendlich nur die einfließenden spanischen Worte, die das Geschehen innerhalb der Familie verdeutlichen und authentisch machen konnten. Gerne eine Leseempfehlung an einen Roman, der sich nachhaltig noch auf meine Gedanken auswirken konnte und eine Thematik behandelt, die so wie sie beschrieben wird, tatsächlich hätte stattfinden können. 
★★★★ (4,5 Sterne)




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