Mittwoch, 11. Mai 2016

Beklemmend Realistisch




Louise Millar

Gefährlich nah

Psychothriller

Taschenbuch
Aus dem Englischen von Maria Andreas-Hoole
ISBN: 978-3-596-19377-6, 9,99€, Fischer Verlage


Kate will ihren Sohn und sich obsessiv vor allen Risiken schützen. Ist das paranoid oder berechtigt? Der raffinierte Psychothriller für Frauen.

Kate Parker fühlt sich, als ob ein Fluch auf ihrem Leben liegt. Denn ihr ist schon viel Schlimmes passiert. Jetzt tut sie alles, um ihren Sohn Jack und sich vor Gefahren schützen – aber die Leute sagen, sie sei überängstlich und paranoid. Da lernt sie einen Oxford-Professor kennen, der ihr Hilfe verspricht. Aber seine Methoden sind ungewöhnlich. Wenn sie wieder Lebensfreude empfinden will, muss sie lernen, Risiken einzugehen.
Kate versucht es. Als ein Nachbar immer mehr Interesse an ihr und ihrem Alltag zeigt, bleibt Kate cool und ignoriert sein aufdringliches Verhalten. Aber was, wenn in diesem Fall die Gefahr tatsächlich nah ist?
Psychologisch brillant baut Louise Millar Spannung auf zwischen Kates Ängsten und dem Risiko, das sie nie hätte eingehen dürfen.






"Gefährlich nah" erzählt die Geschichte der Kate Parker, die mir anfangs sehr paranoid erschien. In ihrem Kopf existieren Statistiken und Zahlen und nichts scheint dagegen zu helfen. Kate fühlt sich beobachtet und verfolgt. Das Cover zeigt eine Frau, die ängstlich nach hinten starrt und genauso ist Kates Charakter zu beschreiben. Eine überängstliche Frau, die Gefahren schon vorher sieht und sie daher umgeht. Ihr Sohn ist daher in seiner Freiheit sehr eingeschränkt. Ist es nun psychotisch oder Realität?

Der Einstieg ist eher seicht und es scheint sich eher eine Liebesgeschichte anzubahnen, als ein Psychothriller. Als das Ruder herumgerissen wird, hinterlässt es mich sprachlos und völlig fasziniert. Ich hatte komplett andere Assoziationen zum Titel und war erstaunt, was sich letztendlich offenbart. Das Lesen von "Gefährlich nah" erweist sich als sehr zügig. Auch wenn mir lange die Spannung fehlte, konnte ich mich komplett auf die Handlung einlassen. Die letzten 50 Seiten hauen einiges an Spannung raus und versöhnen mich daher mit dem Thriller. Zuvor empfand ich keinen Thrill, sondern nahm teil an einer Psychose einer Frau, deren Mann ermordet wurde. Es scheint, als müsste sich Kate mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, um innerlich zu heilen. Statistiken bestimmten ihr Leben und gibt nun anderem Raum. Die Beziehung zu ihrem Sohn Jack fängt an zu heilen und gibt ihm ein klein wenig Freiheit zurück, Kate ist sich ihren Ängsten bewusst und will sich ihnen stellen, ob es aber der richtige Weg ist, den sie einschlägt, wagte ich öfter zu bezweifeln. Ein Oxford - Professor, der aus dem Nichts auftaucht und Kates Interesse wecken kann? Kann Kate loslassen? Wird sie ins Ungewisse springen können?

"Gefährlich nah" erzählt in ruhiger und angemessener Sprache einen Thriller, der sich irgendwann so dermaßen entlädt, dass ich es als sehr beklemmend empfand. Die Rückblicke in die Vergangenheit gaben mir lange Rätsel auf und doch erscheinen sie am Ende als völlig klar und logisch.

Ich vergebe sehr gerne eine Leseempfehlung, da ich mich letztendlich bestens unterhalten gefühlt habe. Ich hätte mir gerne hier und da mehr Tiefe gewünscht, aber letztendlich klärt sich das Gefühl der Angst und der Verfolgungswahn wie von selbst, auch wenn es ein weiter Weg bis dahin ist. 

★★★

1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Dieses Buch ist ein super Beispiel dafür, dass ich es wohl unter normalen Umständen (im Faltzelt am Flohmarkt oder in der Buchhandlung) komplett ignoriert hätte, denn das Cover finde ich ehrlich gestanden absolut nichtssagend ... Aber immerhin macht der Titel neugierig, deswegen hab ich jetzt auch deine Rezi dazu gelesen. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob ich Kate nicht fürchterlich nervig finden werde, aber es reicht einmal, um es auf meine WuLi zu setzen bzw. eine Leseprobe zu suchen (Es gibt doch hoffentlich irgendwo eine, oder?).

    Liebe Grüße
    Marie

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