Dienstag, 22. März 2016

Geniale Grundidee, Umsetzung scheiterte



The other Girl


Zwei Mädchen, eine Entführung, zwei Wahrheiten

Lois und Carly May sind zwölf, als sie entführt und in einer abgelegenen Jagdhütte für zwei Monate eingesperrt werden. In diesem Sommer, unter dem wachsamen Blick des Entführers, gehen sie eine innige Freundschaft ein, die sie für immer verbinden wird. Aber nach ihrer Befreiung dürfen sie sich nicht mehr sehen und verlieren den Kontakt. Zwanzig Jahre später. Lois ist Professorin für Literatur und hat unter Pseudonym einen Roman über ihre Entführung geschrieben. Carly May kämpft in L. A. um Filmrollen und gegen den Alkohol. Bis sie ein Drehbuch in die Hände bekommt, das genau ihre Geschichte erzählt. Ihr wird die Rolle der Ermittlerin angeboten. Zufall? Es gibt nur eine Person, mit der sie jetzt sprechen will: Lois. Doch die ist nicht so leicht aufzuspüren. Nur eins ist deutlich: Die Vergangenheit ist nicht vorbei.

  • Klappenbroschur
  • 384 Seiten
  • ISBN-13 9783471351123
  • 14,99€
  • Ullstein




"The other Girl" ist laut Verlag in die Genre Psychothriller einsortiert. Diesem muss ich leider widersprechen, denn der Thrill blieb aus, obwohl der Roman dennoch hervorragend geschrieben wurde. Wir begleiten Lois und Carly May dabei  Rückblicke auf die Entführung durch Zed zu halten und dabei sich 20 Jahre später wieder zu begegnen. Beide Mädchen haben sich weiterentwickelt und dennoch nicht mit ihren gemeinsamen Erlebnissen abgeschlossen. Ich hatte oft das Gefühl, dass sie sch fürchten. Erstens darauf aufeinander zu treffen und zweitens die Vergangenheit erneut in ihr Leben zu lassen. Vielleicht wäre es besser gewesen, den Kontakt aufrecht zu erhalten, um abzuschließen? So ist eine Art Verdrängungsmechanismus aufgetreten und die beiden Frauen dennoch im Unterbewusstsein an das Erlebte gebunden. Furchtbar fand ich die Reaktionen der Familien, als die Mädchen sich wieder heil und gesund wieder im Schoss der Familien wiederfinden. Lieblos und absolut ungewöhnlich, denn ich wäre als Mutter vor Sorge verrückt geworden und so kam mir der Gedanke, dass es vielleicht nur ein Störfaktor in einer heilen Welt war, obwohl dies vielleicht nur auf Lois zutrifft. Carly May schlägt sich nun erneut mit Stiefmutter und ihren Halbbrüdern herum und erhält wenig Rückendeckung ihres Vaters. Wollten sie überhaupt zurück nach Hause? Immer wieder stellt sich die Frage, warum Zed ausgerechnet sie beide auserwählt hat.

Die Grundidee des Buches ist phänomenal und dennoch fehlt es an echter Spannung, die ich laut Klappentextes und Covers erwartet hätte. Es liest sich leicht und flüssig und dennoch bin ich am Ende unbefriedigt, da ich immer noch nicht erkennen konnte, warum Zed sich gerade diesen beiden Mädchen angenähert hat, um sie zu entführen und sie dennoch nicht angerührt hat. Wovor wollte er sie retten? Eine deutliche Aussprache am Ende des Thrillers wäre sinnig gewesen, um mich nicht noch weiter zu verwirren.


Letztendlich geht es um Vergangenheitsbewältigung zweier Frauen, die unterschiedlich auf ein Erlebnis reagieren und dieses jede für sich verarbeiten wollen. Die Eine sucht Trost im Alkohol und die Andere schreibt sich alles von der Seele. Nun führt ein Drehbuch sie wieder zusammen und ich erhoffte mir Antworten auf meine Fragen. Leider bleibt dies oberflächlich und auch wenn der Schreibstil und die Grundidee hervorragend ist, bleibt eine Leere zurück, die anders hätte gefüllt werden konnte.


★★★



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