Samstag, 19. März 2016

Drama und Kitsch wundervoll vereint






Das Mohnblütenjahr


Nicole Schwarz ist allein bei ihrer Mutter aufgewachsen. Schon immer hat sie sich eine große Familie gewünscht. Umso mehr freut sie sich über ihre Schwangerschaft. Doch dann erfährt sie, dass ihr Baby mit einem Herzfehler zur Welt kommen wird - die Folge einer Erbkrankheit. Voller Fragen fährt Nicole zu ihrer Mutter Marianne an die Mosel. Bei ihr findet sie Trost. Und endlich eine Antwort auf die Frage nach ihrem Vater. Marianne wollte nie über ihn sprechen. Jetzt beginnt sie zu erzählen: vom Aufwachsen in der Nachkriegszeit, von einer großen Liebe zwischen Deutschland und Frankreich und von den Ressentiments, die der Krieg auf beiden Seiten hinterlassen hat. Nicole will verstehen, woher sie kommt und macht sich auf die Suche nach ihrem Vater ...


  • 528 Seiten
  • ISBN-13 9783843711913
  • Ullstein
  • 9,99€

Leseprobe 

Hörprobe




"Das Mohnblütenjahr" ist ein wundervoller Roman, der Vergangenheit und Gegenwart vortrefflich miteinander vereinen kann. Ich fühlte mich sehr wohl in Mariannes Vergangenheit, auch wenn sie einen sehr schmerzlichen Hintergrund besitzt. Marianne hat lange geschwiegen und nachdem Nicole in einem psychischen Dilemma steckt, öffnet sich ihre Mutter nach und nach und lässt sie teilhaben an ihren Erlebnissen als junge Lehrerin, die in Frankreich an einem Austausch teilnahm. In Frankreich ist Marianne dem Hass der Franzosen ausgesetzt und auch ihr Elternhaus ist ihr feindlich gegenüber eingestellt, denn wie kann sie Französisch studieren, wo ihr Vater im Krieg so sehr durch die Franzosen gelitten hat? Frankreich und Deutschland führten Krieg gegeneinander und das Resultat ist Misstrauen und Hass den Deutschen gegenüber und umgekehrt. Diese Begebenheiten miteinander zu verflechten, fand ich sehr spannend, denn mir war nicht bewusst, dass auch noch Jahrzehnte später Argwohn und Misstrauen auch auf Nachfahren der Kriegsführenden ausgeübt wurde. Es hat viel mit Vergebung und Vergessen der damaligen Schrecken zu tun und Marianne hat einige an inneren und äußeren Kämpfen zu kämpfen. Sie ist eine starke Persönlichkeit und die Liebe gibt ihr Halt und lässt sie an Stärke gewinnen. Nicole lernt ihre Mutter von einer ganz anderen Seite kennen und schätzen. Warum hat Marianne so lange geschwiegen? Auch am Ende des Roman, der wirklich alle Klischees an Kitsch und Drama vereinen konnte, bleibt diese Frage unausgesprochen. Es fügt sich jede Puzzleteil nahtlos ineinander und auch Nicole findet Trost und Beistand, dort wo alles ohne Perspektive erschien, da die Angst um das ungeborene Kind ihr die Luft zu atmen nahm.

Corina Bomann ist es erneut gelungen, mich zu begeistern. Eine Leseempfehlung an alle Leser/innen, die es genießen in die Vergangenheit zu reisen. Drama und Kitsch wurden wundervoll vereint, denn das Ende ist wirklich so herrlich kitschig, dass es schon fast zu dick aufgetragen wirkt. Lasst euch mitnehmen in Mohnblütenfelder und einer außergewöhnlichen Geschichte, die am Ende für alle Beteiligten mit einem Happy End aufwarten kann. Durch die Lesung auf der Frankfurter Buchmesse 2015 angesprochen,  wartete ich voll freudiger Erwartung auf den Erscheinungstermin und wurde nicht enttäuscht. Vielen, vielen Dank dafür.

★★★★ (4,5)

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