Freitag, 19. Februar 2016

Kulinarisch eine Offenbarung


Sally Andrew

Tannie Marias Rezepte für Liebe und Mord


Südafrika, im beschaulichen Klein Karoo: Hier lebt Tannie Maria, eine lebensfrohe Witwe, in einem Haus unter einem Eukalyptusbaum. Wenn sie nicht gerade in ihrer Küche neue Gerichte erfindet, schreibt Tannie an ihrer Kolumne für die Lokalzeitung, in der sie robuste Lebenshilfe erteilt – und diese zur Begeisterung der Abonnenten zuverlässig mit den köstlichsten Rezepten garniert. Als jedoch eine junge Frau ermordet aufgefunden wird, gibt es nichts mehr, was Tannie noch in der Küche hält. Nachdem sie in ihrem Leben schon so manches Geheimnis – unter anderem das des perfekten Schokoladenkuchens – gelüftet hat, schreckt sie auch vor der Jagd nach einem waschechten Mörder nicht zurück. Tannie folgt ihrer feinen Nase, womit sie schon bald Detective Kannemeyer in die Quere kommt, der sich bei seinen Ermittlungen lieber auf klassische Polizeimethoden verlässt. Vergeblich versucht Kannemeyer, die ebenso bezaubernde wie hartnäckige Hobby-Detektivin kaltzustellen. Denn Tannie lässt sich nicht beirren und folgt weiter ihrer Spur, die sich als immer heißer und gefährlicher entpuppt …

480 Seiten · mit Schutzumschlag
ISBN-13: 978-3-85535-003-2
EUR 19,99  
ATRIUM



"Tannie Marias Rezepte für Liebe und Mord" ist trotz seiner Längen, ein ganz besonderes Buch. Man merkt der Protagonistin Tannie Maria ab der ersten Seite an, dass Essen in ihrem Leben eine große Rolle spielen. Essen hilft bei Schmerz und Einsamkeit und dies kommt oft sehr deutlich zum Vorschein. Ich war mir oft unsicher, ob ich lieber weinen möchte oder herzlich lachen darüber, dass Tannie Maria mitunter sogar mit ihrem Essen spricht. Es scheint ihr Trost zu spenden, was sich dann auch dadurch verdeutlicht, wenn sie in der Kolumne der Lokalzeitung Leserbriefe beantwortet und diese mit Rezepten aufwerten kann. Ich denke, dass die Vergangenheit der Protagonistin, die immer wieder durchklingt ein lebendiges Zeichen dafür ist, welches Schutzwall wir um uns bauen müssen, um zu überleben. Bei Tannie Maria ist es das Kochen, während andere Menschen vielleicht anderes wählen würden. Aus den Seiten ist oft eine tiefe Traurigkeit zu erkennen und daher ist die Story nicht als oberflächlich wahrzunehmen, auch wenn ich fand, dass hier und da gerne ein Stück der Story gekürzt werden könnte. Manches war wirklich zu langatmig, obwohl die Story natürlich viel Potential hatte. Es ist auf der einen Seite eine kulinarische Offenbarung (Rezepte finden sich im Anhang) und durch den Mord, den der Titel des Buches ja schon ankündigt, eine gewisse Spannung erkennbar. Im Gesamtergebnis ist "Tannie Marias Rezepte für Liebe und Mord"ein wundervolles Buch und das Lesen war rund und interessant durch die außergewöhnlichen Protagonisten. Manche Wörter wie Stoep musste ich nachschlagen, obwohl sie sich nach und nach selbst erklären.
Der Roman spiel in Südafrika und dieser besondere Flair einer anderen Kultur, einer anderen Sprache und Lebensgewohnheiten kommt sehr deutlich rüber und machen den besonderen Charme des Buches aus. Mir hat es sehr gefallen, abzutauchen und eine virtuelle Reise zu machen. Mitunter sind Schauplätze und kulinarische Genüsse sehr deutlich beschrieben und es ist, als könnte ich die Ferne riechen und erschmecken. Dies ist, was den Zauber dieses Buches ausgemacht hat und mir eine Leseempfehlung wert ist. Ein lebendiger Schreibstil und Menschen, die wirklich etwas Besonderes sind und nur durch andere Menschen ausgebremst wurden, ehe sie sich entfalten konnten, geben dem Roman die gewisse Wärme und Authentizität.

★★★★


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