Sonntag, 10. Januar 2016

Zickenkrieg Deluxe



Lucy Sykes + Jo Piazza

Ich klick dich weg

Roman
Taschenbuch
Aus dem Amerikanischen von Birgit Schmitz
512 Seiten, ISBN: 978-3-596-03255-6. 9,99€, Fischer Verlage
Die eine hat Follower, die andere Erfahrung. Was zählt mehr beim Zickenkrieg in der Redaktion?
Ein stylisher, herrlich böser Roman aus der Welt der Mode und der Medien.

Imogen Tate kehrt nach längerer Abwesenheit zurück an den Schreibtisch der Chefredakteurin des Magazins ›Glossy‹, nur um auf ihrem Stuhl ihre frühere Assistentin Eve vorzufinden. Eve plant einen komplett digitalen Relaunch des Magazins als App, keine dicke 400-Seiten-September-Ausgabe. Imogen kennt zwar alle wichtigen Designer und Supermodels persönlich, hat aber keinen Schimmer von Dingen wie Community Management in den sozialen Netzwerken oder dem verkaufsfördernden Einsatz von Instagram und Snapchat. Und sie ruft tatsächlich noch Menschen an, statt einfach eine E-Mail zu schreiben oder eine WhatsApp-Nachricht zu schicken. Um ihren Job zu behalten, muss sie den Kampf gegen die TechBitch aufnehmen.

"Ich klick dich weg" hat mich auf der einen Seite köstlich amüsiert, aber auf der anderen Seite auch ein klein wenig beängstigt, denn wie wäre es tatsächlich, wenn wir uns nicht mehr die Zeit nehmen würden für Gespräche, sondern alles über unser Smartphone erledigen würden? Wie wäre es, wenn es für alles eine App geben würde? Möchte ich mich wirklich darauf einlassen und selbst durch eine App meine Freizeit gestalten lassen? Während Eve allen Neuerungen aufgeschlossen ist, ist Imogen in Technikfragen eher ein Dinosaurier. Im Gegensatz zu Eve ist Imogen aber immer noch menschlich geblieben, während Eve alles von ihren Mitarbeitern verlangt. Wer schwächelt fliegt, ganz einfach. Hier ist ganz klar Mobbing im Vordergrund und letztendlich verliert die, die es auch nicht unterlassen konnte, Imogens Kinder anzufeinden. Ich verstehe da auch keinen Spaß und mir war schon vorher klar, wer hinter den Anfeindungen steckt. Manche Menschen machen vor nichts Halt und fliegen dadurch verdientermaßen auf die Nase. Was nutzt ein Abschluss von Harvard, wenn man nie gelernt hat, menschlich zu sein? Mit Imogen und Eve wurden zwei völlig unterschiedliche Protagonistinnen erschaffen. Die eine ist mir sogleich sympathisch und die andere in meinen Augen eine Hexe, die nicht nur Mitarbeiterverschleiß ohne Ende aufbietet, sondern sich wie ein Cyborg verhält. Es macht sie nicht sympathisch und manchmal vermute ich fast eine Psychose in ihrem Verhalten. Wie gut, das Eve dennoch unter Beobachtungen steht und irgendwann die Quittung kriegt. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte keine Schadenfreude empfunden. 
Es hat sehr viel Spaß gemacht in die Welt der Reichen und Schönen einzutauchen, auch wenn dies niemals meine Welt werden würde, zumindest nicht, wenn es da so Biester wie Eve geben würde. Ein klein wenig Glamour, Glitzer und Glossy wäre für zwischendurch vielleicht ganz nett, aber in "Ich klick dich weg" ist es oft so dermaßen übertrieben, dass es schon unattraktiv wirkt. Immer wieder wirft Eve Imogen Felsbrocken auf den Weg, gibt Ideen als ihre aus und, und, und. Sie ist definitiv fies und berechnend und sich für nichts zu Schade, was mich nur den Kopf schütteln lässt. Am Ende sinkt Eve ganz tief und es zeigt sich, dass Menschlichkeit immer noch der beste Weg ist. 
ChickLit Deluxe. Macht Spaß, erstaunt und bietet auch hin und wieder einen kleinen Lerneffekt im IT Bereich. Hoffen wir mal, das wir irgendwann nicht nur über WhatsApp oder Twitter kommunizieren, sondern auch im persönlichen Gesprächen noch Worte finden, die nicht nur aus Smileys oder Abkürzungen bestehen. 
Leseempfehlung!
★★★★

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