Samstag, 2. Januar 2016

Vom Chorknaben zur Diebesbande



Catharina Ingelman-Sundberg

Wir fangen gerade erst an

Taschenbuch
Aus dem Schwedischen von Stefanie Werner
416 Seiten, ISBN: 978-3-596-19681-4, 9,99 €, Fischer Taschenbuch

Auch im Herbst des Lebens sollte noch Leben in der Bude sein, sagen sich Märtha, Snille, Kratze, Anna-Greta und Stina und schmieden einen Plan: Sie müssen ein Verbrechen begehen, damit sie raus aus diesem Heim und rein ins Gefängnis kommen, denn dort ist man bekanntlich viel besser dran. Gutes Essen, keine Sparmaßnahmen, geregelter Freigang. Doch Planung und Durchführung eines Verbrechens sind gar nicht so einfach – vor allem, wenn man es ehrlich meint.
Catharina Ingelman-Sundberg erzählt eine kriminell lustige und herzerwärmende Geschichte über fünf Freunde, die ihrem Leben eine völlig neue Wendung geben und sich ihren Traum vom Glück erfüllen.







"Wir fangen gerade erst an" ist ein recht außergewöhnliches Buch, denn die Protagonisten sind um die 80 Jahre alt, dabei aber sehr rüstig und pfiffig. Das Leben in der Altersresidenz ist langweilig geworden und auch das Essen spärlich. Sparmaßnahmen, die es dem Leiter des Heims ermöglichen eine Kreuzfahrt mit seiner Affäre zu machen? Da muss man sich doch wehren, wenn man noch Kraft und Muße hat, oder etwa nicht? Dieses ist der beginn einer kriminellen Handlung, die eine andere nach sich zieht und dann noch eine folgt. Ehrlichkeit bleibt auf der Strecke, auch wenn man im Grunde seines Herzens nur Gutes im Sinn hatte. 
Die bissigen Dialoge sind oft wirklich amüsant und scheinen zum Alter der Protagonisten nicht wirklich passen zu wollen, dennoch hatte ich meinen Spaß. Die 416 Seiten sind recht schnell gelesen und das Chaos, welches die fünf Alten verbreiten ist so überspitzt dargestellt, dass es schon fast unglaubwürdig erscheint. 
Der Klappentext spricht eine sehr deutliche Sprache, daher war mir bewusst, dass ich eher eine Komödie lesen werde, als einen Krimi, darauf deutet schon das Titelbild hin. Ob es sich wirklich lohnt, im Gefängnis sein Dasein zu fristen ist fraglich, denn die Senioren haben in ihren Planungen ihre Mitinsassen vergessen, die tatsächlich Dreck am Stecken haben und nicht nur auf gutes Essen, Freigänge und ein warmes Bett aus sind. Also kommt natürlich der Wunsch auf, das Gefängnis zu verlassen und wieder im Altersheim zu landen und sich dann dort zu überlegen, wie man das Leben dort lebenswert gestaltet.
"Wir fangen gerade erst an" ist ein gutes Buch für zwischendurch, welches man nicht zu kritisch lesen sollte, denn es macht einfach nur Spaß. Die Handlung wird  einfach nur übertrieben auf seine Leser wirken. Märtha, Snille, Kratze, Anna - Greta und Stina versuchen lediglich dem Alltag zu entfliehen und scheitern dabei kläglich, zumindest sieht dieses oft so aus, denn es dreht und wendet sich mehrfach. 


Von mir eine Leseempfehlung, da ich mir wünschen würde, dass sich Menschen nicht mit ihrem Schicksal abfinden, sondern sich dagegen wehren. Was spricht gegen Spaß und Freude im Alter? Solange der Mensch gesund ist und dabei auch noch gute Freunde hat, sollte er in seinem Dasein nicht eingeschränkt werden. Es geht hier nicht nur ums Versorgen, sondern auch um Erhalt der Lebensqualität. Bevor ich hier weiter philosophiere, wollte ich eigentlich nur anmerken, dass mir "Wir fangen gerade erst an" gefallen hat und ich aber trotz allem Witz, auch über das eine oder andere nachdenken musste, denn so utopisch sind mir manche Dinge dann doch nicht erschienen, aber was ich damit nun genau meine, lest ihr am Besten selbst ☺


★★★★

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