Sonntag, 31. Januar 2016

Die Wespenkönigin


Kenneth Oppel

Das Nest



Text von Kenneth Oppel
Einband und Illustrationen von Jon Klassen

Steve durchlebt eine schwere Zeit: sein neugeborener Bruder kämpft um sein Leben und fordert damit natürlich alle Aufmerksamkeit seiner Eltern. Währenddessen zeichnet sich vor dem Dachüberhang bedrohlich ein Wespennest ab. Als sich eines Nachts die Wespenkönigin in Steves Träume einschleicht und ihm anbietet, das Baby zu "reparieren", scheinen seine Wünsche erhört zu werden. Doch die Dinge nehmen eine finstere Wendung, als Steve erkennt, was wirklich mit dem Kleinen geschehen soll.
"Das Nest" von Kenneth Oppel wurde eindringlich illustriert von Jugendliteraturpreis-Gewinner Jon Klassen.224 Seiten · mit Schutzumschlag
DRESSLER
ab 11 Jahren
EUR 12,99 
ISBN-13: 978-3-7915-0005-8




Nachdem ich "Das Nest" gelesen habe, musste ich einige Tage darüber brüten, wie ich meine Rezension gestalten könnte, da das Jugendbuch wirklich sehr außergewöhnlich ist und ich die richtigen Worte finden wollte. Es ist ein leichter Grusel / Horror vorhanden, der sich den ganzen Roman durchziehen konnte. Manchmal war es mir fast zu viel Spannung und ich vermute, dass Kinder ab 11 Jahren überfordert sein könnten. Selbst mich packte ein starkes Grauen und manchmal auch echter Ekel.
Aus dem Klappentext sticht deutlich hervor, dass Steve einen kleinen Bruder hat, der nicht gesund ist und unbedingt einer Reparatur bedarf. Steves Eltern pendeln zwischen Klink und ihrem Zuhause und es erscheint oft, als wären Steves Träume seinem Unterbewusstsein entsprungen. Das er von Wespen träumt, könnte daran liegen, dass er gegen Stiche dieser Insektenart hochgradig allergisch reagiert. Der kranke Bruder, der dringend eine Herz OP benötigt und die Allergie begünstigen den Eindruck, dass Steve entweder eine lebendige Phantasie besitzt oder eben auch, dass er sich von seinen Eltern vernachlässigt fühlt. Was ist also wahr und was Fiktion?
"Das Nest" ist ein solides Jugendbuch, dennoch befürchte ich, dass die Altersempfehlung nicht angemessen ist. Ich möchte meine eigene Interpretation in diese Rezension mit einbringen, denn "Das Nest" bietet einiges an Raum für Spekulationen. Mein erster Gedanke wäre, dass jeder Elternteil oder auch jedes Geschwisterkind sich ein gesundes Baby wünscht und einem Austausch vielleicht sogar zustimmen würde, da ein Kind mit Defizit Sorge und Mehrarbeit erfordert. Daher treffen viele Frauen in der Schwangerschaft schon die Entscheidung ein krankes Baby nicht aus zu tragen. Ein weiterer Gedanke wäre, dass die Bindung von Steve zu Theo erst wächst innerhalb der Story und er erst spät anfängt, seinen kleinen Bruder zu lieben und sein Beschützerinstinkt erst dann erwacht, als es schon fast zu spät ist. Seine Entscheidung kann nicht rückgängig gemacht werden, da schon ein neues Baby für den Austausch entsteht, Ein Baby ohne Erkrankung. Würde ein gesundes Baby der Familie mehr Glück bringen als Theo es tut? Steve hat lange Zeit nur von dem Baby gesprochen und beginnt erst zum Ende hin seinen Bruder beim Namen zu nennen.
Die Illustrationen sind sehr düster und oft auch beängstigend. Sie passen absolut zur Thematik, die mir doch schwer im Magen liegt. Mir bot "Das Nest" ganz viel Raum zum Nachdenken und wie nun schon oft erwähnt, befürchte ich eine Überforderung des jüngeren Lesers. Vielleicht wäre es angebracht, dass Eltern den Roman vor ihren Kindern lesen, um Fragen aufzufangen oder Ängste, die sich vielleicht entwickeln könnten besprechen zu können?
Ich vergebe gerne eine Leseempfehlung. Muss aber den Hinweis verdeutlichen, dass ich die Altersempfehlung unangemessen halte. Das Ende ist wundervoll, auch wenn zuvor echter Horror vorangegangen ist. Familie ist und bleibt Familie, egal mit welchen inneren und äußeren Kämpfen man sich auseinandersetzen muss, um zusammen zu wachsen.

★★★★

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