Samstag, 30. Januar 2016

Definitiv nicht alles Gold was glänzt


SHILPI SOMAYA GOWDA

Der goldene Sohn


Zwischen zwei Welten – ist deine Freiheit wichtiger als deine Familie?
Anil wächst wohlbehütet im Kreis einer großen Familie in einem indischen Dorf auf. Als ältester Sohn soll er später die Rolle des Familienoberhaupts und Schiedsmanns einnehmen und Streitigkeiten in der Dorfgemeinschaft schlichten.
Leena ist seine beste Freundin. Ein mutiges Mädchen und draufgängerischer Wildfang, das seine Familie und die freie Natur über alles liebt. In ihrer Kindheit sind Anil und Leena ein unzertrennliches Gespann, doch dann führen ihre Wege in verschiedene Richtungen. Anil verlässt das Dorf, um Medizin zu studieren und in den USA als Arzt zu arbeiten. Er genießt sein neues Leben dort und verliebt sich Hals über Kopf in eine Amerikanerin. Leena bleibt in Indien, heiratet und zieht zu der Familie ihres Mannes.
Anils Leben gerät aus den Fugen: Ihm unterläuft ein schwerer medizinischer Fehler, seine Beziehung zerbricht und er stürzt in eine Krise. Bei einem Besuch in seiner Heimat trifft er Leena wieder, die Frau, die ihn besser kennt als jeder andere. Aber zwischen ihnen steht eine Entscheidung, die Jahre zuvor getroffen wurde.
Bewegend, mitreißend, klug – Shilpi Somaya Gowdas glänzend erzählter neuer Roman ist eine ergreifende Geschichte über Unabhängigkeit und Liebe.

Titel der Originalausgabe: The Golden Son
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
ISBN: 978-3-462-04774-5
496 Seiten, Taschenbuch
Kiwi




"Der goldene Sohn" vereint Drama, Liebesgeschichte und einen Einblick in unterschiedliche Kulturen. Das Leben als Frau in Indien wurde mir als sehr schmerzlich offenbart, denn Frauen scheinen nichts wert zu sein und werden oft lediglich wie Ware behandelt. Je höher der Brautpreis, umso höher die Chance einen guten Mann zu bekommen. Mitgift ist strafbar und dennoch wird es immer noch ausgeführt. Leena muss Schlimmes erleben und ich bekam Wut auf ihren Ehemann und dessen Familie. Da sie eine starke Frau ist, lernt sie zu überleben. Anil indessen verlässt seine Heimat, um in Amerika als Assistenzarzt sein Wissen zu vervollständigen. Er vergisst dabei mitunter seine Wurzeln und seine Kultur. Er hängt zwischen zwei Welten und muss lernen, sich und seine Werte zu erkennen. Auch für ihn ist das ungewohnte Leben schwer, obwohl er als Mann definitiv höher gestellt ist. Anil muss nach dem Tod des Vater als Familienoberhaupt Streitigkeiten schlichten und kommt dabei oft an seine Grenzen. Auch seine Assistenzarztstelle verlangt alles von ihm und oft machen sich Zweifel  breit.
Anils und Leenas Erleben wird immer wieder miteinander verknüpft und machen das Lesen des Romans zu einem ganz Besonderen Erlebnis. Mit den Augen einer Unwissenden, was die Kulturen betrifft, ist es lehrreich, wenn ich auch oft den Kopf schütteln musste, über Grausamkeit und Lieblosigkeit der Menschen untereinander. Niemand hat es verdient, wie eine Sklavin behandelt zu werden. Misshandelt und missbraucht. Eine Heirat sollte definitiv unter anderen Umständen geschehen und nicht, weil die Tochter sich im heiratsfähigen Alter befindet. Ich fand die Situation rund um Leena als sehr demütigend und beängstigend. Auch wenn es nur ein Roman ist, entdecke ich die Wahrheiten versteckt in den Zeilen und es beschämt mich ein klein wenig, dass ich mein doch sehr einfaches Leben nicht dankbarer betrachte. Ich werde als Frau wertgeschätzt und kann mich voll entfalten, ohne damit zu rechnen, im nächsten Moment geschlagen zu werden.
"Der goldene Sohn" liest sich leicht und flüssig, obwohl die Thematik sehr dramatisch ist. Mir erschien es authentisch und der Konflikt zwischen Moderne und Tradition werden sehr deutlich hervorgehoben. Es ist auf der einen Seite sehr interessant in den Roman abzutauchen, auf der anderen Seite empfand ich es aber auch als sehr schmerzlich, weil Leena oder auch Anils Geschichte sich so hätten abspielen können, wie sie geschildert wurden. Mit genügend Geld lässt sich vieles vertuschen und Menschen können sich weiterhin quälen ohne bestraft zu werden. Die medizinische Not in Anils Dorf wird beleuchtet und zeigt auf, wie sehr Menschen Hilfe benötigen und diese nicht bekommen können, da ihnen die Fachlichkeit oder auch das Geld fehlt. Anils Entscheidungen sind für mich zwar nicht immer nachvollziehbar, dennoch macht er eine echte Verwandlung durch und erscheint am Ende sehr viel dazugelernt zu haben. Leena glänzt durch den kompletten Roman hindurch und zeigt eine echte innere Stärke, die nicht so leicht gebrochen werden kann.

Eine echte Leseempfehlung für einen Roman, der authentisch wirkt und zum Nachdenken anregt. Das Ende fand ich zwar holprig und zu dick aufgetragen, aber im Gesamtergebnis, war "Der goldene Sohn" wundervoll geschrieben und wertvoll.


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