Samstag, 30. Mai 2015

Sehr beklemmend



Lügenmädchen



Paperback, Klappenbroschur, 320 Seiten
ISBN: 978-3-442-31384-6
€ 14,99 

Verlag: Goldmann

Eines Abends steht sie einfach vor der Tür. Und sie wird so lange bleiben, bis sie alles zerstört hat.
Stella lebt völlig zurückgezogen in einem luxuriösen, einsam gelegenen Haus in der Nähe von London. Sie hat es kaum verlassen, seit sie nach einem traumatischen Ereignis an Panikattacken leidet. Eines kalten Winterabends steht überraschend ein völlig durchgefrorenes junges Mädchen vor ihrer Tür und bittet um Einlass. Alles in Stella sträubt sich, aber die Gestalt macht einen so hilflosen Eindruck, dass sie schließlich widerwillig die Tür öffnet. Sie bereut es schnell, denn von dem Mädchen scheint eine merkwürdige Bedrohung auszugehen. Und dann beginnt Blue, Geschichten zu erzählen, die Stella zutiefst verstören. Ist das Mädchen eine Psychopathin? Oder sagt sie gar die Wahrheit? Stella weiß nicht mehr, was sie glauben soll, sie weiß nur eines: dass sie entsetzliche Angst hat ...




"Lügenmädchen" ist ein fundiert erzählter Psychothriller, der nicht sofort eindeutig ist, sondern erst nach und nach offenbart, welche Gründe Blue mit ihrem Erscheinen in Stellas Haus begründet sieht. Der Titel erscheint im Nachhinein äußerst passend, da Blues Leben auf vielen Lügen aufgebaut ist. Das hierbei ein junges Mädchen in den Fokus gerückt wird, empfand ich zwischendurch sehr unangenehm, da Blues Leben recht krass beleuchtet wird und klar ist, dass oft auch andere Menschen auf ihr Verhalten einwirken und dieses nachhaltig verändern. Ich kriege da regelmäßig die Wut, denn ein Mensch sollte sich emotional nicht binden müssen, um geliebt zu werden. Etwas schwierig für mich, da nun einen Punkt zu setzen und nicht ausschweifend zu werden. Klar ist irgendwann, das Blue und Stella einen oder auch mehrere gemeinsame Nenner haben und lediglich ausgenutzt werden. 
Um in die Story einzutauchen, werden verschiedene Blickwinkel beleuchtet, die hinterher zusammengefügt werden und mich fassungslos machten. Sind es die Medikamente, die das Bewusstsein verändern oder ist es die Tatsache, dass es Menschen gibt, die die völlige Kontrolle über Körper und Geist übernehmen wollen? Hannah macht sich abhängig und vielleicht wäre ihr doch recht eingeschränktes Leben anders verlaufen, wenn sie sich Hilfe geholt hätte und Dinge nicht einfach unter den Teppich gekehrt worden wären. So wäre sicherlich irgendwann in Hannah Heilung geschehen. Hannah hat ihren Geist betäubt, um ihren inneren Schmerz zu unterdrücken. Blue ist es, die ausschlaggebend ist, dass Hannah ihr Leben hinterfragt und leider auch in menschliche Abgründe gestoßen wird.
"Lügenmädchen" hat mir sehr gefallen, da der Psychothriller den Menschen beleuchtet und nicht sofort ersichtlich war, wohin die Autorin uns führen wird. Die Spannung baut sich nach und nach auf und nachdem der rote Faden zu erkennen war, empfand ich Mitleid mit beiden Frauen, die lediglich der Spielball derer geworden sind, die sie an sich binden wollen, egal aus welchen Beweggründen. Schlimm, wenn man sich selbst nicht mehr wahrnimmt und eine Abhängigkeit entsteht.

Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für "Lügenmädchen", auch wenn der Psychothriller mich wirklich wütend gemacht hat, da mir bewusst wird, wie schnell emotionale Abhängigkeit entstehen kann und es nicht gelingt sich aus diesem Teufelskreis zu befreien.   


Mittwoch, 27. Mai 2015

Einführung in die Macht der Sternzeichenstämme


Julie Heiland

Bannwald

Hardcover
ISBN: 978-3-8414-2108-1
16,99 Euro


Ich hasse den Wald. Ich hasse ihn aus tiefstem Herzen. Er tut so, als wäre er mein Zuhause. Aber das ist er nicht. Er ist mein Gefängnis.

Sie können nicht töten – als Anhänger der weißen Magie erschaffen sie nur. Seit Generationen lebt der friedliche Stamm der Leonen gefangen im Wald, gewaltsam unterdrückt vom Stamm der mörderischen Tauren. 
Als die 17-jährige Robin auf den jungen Tauren Emilian trifft, ist sie sich sicher, dass er sie töten wird. Doch Robin gelingt es zu fliehen – scheinbar. Erst später wird ihr bewusst: er hat sie laufen lassen. Warum? 
Als Robin dann ein Reh mit der bloßen Kraft ihrer Gedanken tötet, ist sie zutiefst erschüttert. Was ist mit ihr? 
Robin trägt ein Geheimnis in sich, und es gibt nur einen, der davon weiß – ihr größter Feind.




"Bannwald" ist der Auftakt einer faszinierende Trilogie und gleichzeitig das Debüt der Autorin Julie Heiland. Ab der ersten Seite kam erhöhte Spannung auf, die sich komplett wie ein roter Faden durch die Story hindurchziehen konnte. Ich fühlte mich bestens unterhalten, da ich nicht sofort erahnte, wohin die Story mich führen wird. Die eingeflochtene Liebesgeschichte, braucht die Leserin / der Leser unbedingt, denn ansonsten würde all das Grausame und Böse, was uns natürlich auch begegnen wird, die Oberhand gewinnen. Robin entwickelt eine grausame, tödliche Gabe und wirkt daher den Tauren, einem Stamm, dem sie dienen müssen, immer ähnlicher. Robins bisher sehr behütetes Leben nimmt eine ganz andere Wendung, nachdem sie das Geheimnis ihrer Geburt kennt. Durch die Begegnung mit Emilian, wird sie regelrecht angestachelt umzudenken und anders zu handeln als zuvor. Um ihre Gabe unter Kontrolle zu bringen, benötigt Robin Hilfe und die bekommt sie zu Genüge von Emilian. Emilian, eigentlich Feind wird zum Vertrauten, da er sich ihr immer mehr offenbart und erkennbar ist, dass auch in ihm ein guter Kern steckt. Irgendwann lernt Robin ihre Ängste loszulassen und Emilian zu vertrauen, aber bis dahin ist es doch ein weiter Weg.

Der Stamm der Leonen ist friedlich und im Umgang miteinander sehr liebevoll. Es könnte alles harmonisch sein, wenn die Tauren diesen Frieden nicht regelmäßig stören würden. Die Leonen müssen Abgaben leisten und leben selbst fast schon am Existenzminimum. Hier sieht man, dass auch wer wenig hat, Glück vorhanden sein könnte, wenn nicht dennoch immer ein Aufruhr im Inneren und der Wunsch nach Frieden wäre. Bis zum Ende hin, ist es nicht geklärt, warum die Stämme auseinander, statt miteinander leben und die Tauren sich als Oberhaupt der Stämme aufführen und ihre Macht regelmäßig verdeutlichen. Die Tauren verhalten sich grausam und sind definitiv eine tödliche Waffe. Hier herrscht Unterdrückung von Menschen, die im Einklang mit der Natur leben und dort auch ihre Gaben verfeinern und ausleben. Ist es Angst oder einfach ein Hinnehmen der Begebenheiten? Völlig klar war, dass dieses nicht so bleiben wird und die Leonen versuchen werden sich gegen die Unterdrückung zu wehren. 

Mehr kann ich über das Buch nun nicht offenbaren, denn es würde die Handlung zu weit ausführen. Das Ziel ist, neugierig zu machen und den Wunsch zu schüren "Bannwald" unbedingt lesen zu wollen. Für mich war es der Trailer und das sehr gut gewählte Cover, was mich bewog, das Buch unbedingt lesen zu wollen. Ein Mädchen, was sich in einen Wald flüchtet, der dunkel erscheint, aber dennoch von Licht durchtränkt wird. Wird es Hoffnung für den Stamm der Leonen geben? Werden sie die tief ersehnte Freiheit bekommen können? Kann die Autorin auch in "Blutwald" den Spannungsbogen halten? Für mich als Leserin erwarte ich die Fortsetzung sehnsüchtig, denn ich erhoffe mir Frieden, der wahrscheinlich durch einen Krieg der Stämme ausgelöst werden wird, aber vielleicht bin ich gedanklich auch auf einer völlig anderen Fährte?

Insgesamt gesehen hat "Bannwald" es tatsächlich geschafft mich komplett in den Bann zu ziehen und mich zufrieden zurückblicken lassen, auf eine Story, die einerseits sehr unterhält und auf der anderen Seite genial ausgedacht wurde, um mich begeistern zu können. Ein lesenswertes Debüt bestückt mit einer Leseempfehlung!


Dienstag, 26. Mai 2015

Einen Sack Flöhe hüten ist einfacher ☺




RÜDIGER BERTRAMHERIBERT SCHULMEYER

Mo und die Krümel - Der erste Schultag


Mit Illustrationen von Heribert Schulmeyer
ORIGINALAUSGABE
Ab 6 Jahren
Gebundenes Buch, Pappband, 160 Seiten15,5 x 21,0 cm
Mit s/w Illustrationen
ISBN: 978-3-570-17075-5
€ 9,99  
Verlag: cbj

Freche Abenteuer aus der Hamster-Klasse
»Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause «, sagt Frau Grimm. Aber da kennt die Lehrerin Mo und die Krümel schlecht, denn die haben nie Pause – und wenn, dann nur um Unsinn zu treiben. Es ist eben nirgendwo so aufregend wie in der Schule! Und damit das auch so bleibt, lassen sich die Erstis einiges einfallen, von der Schultütenschlacht bis hin zu Klassen-Hamster Albert. Jetzt müssen die Freunde nur noch dafür sorgen, dass die nette Frau Grimm keinen Mann findet und eigene Kinder kriegt, denn ohne sie wäre Schule nur noch halb so lustig! Aber Mo hat da schon einen Plan …



"Mo und die Krümel - Der erste Schultag" ist ein wahrlich amüsantes Buch, welches mir gemeinsam mit meiner Tochter, denn ich las ihr einige Passagen aus dem Buch vor,  ein echtes Schmunzeln ins Gesicht gezaubert hat. Eine Lehrerin, die es fertig bringt, die Hamster - Klasse zu unterrichten und nicht dem Wahnsinn zu verfallen verdient meinen Respekt. Mo / Moritz und seine Freunde aus dem Kindergarten werden gemeinsam die erste Klasse besuchen und schon der Kennlern Nachmittag an der Grundschule artet in eine Katastrophe aus, die man allerdings mit einem Lächeln wahrnehmen sollte. Völlig überspitzt treffen wir auf Chaos innerhalb einer Schulklasse und ich muss sagen Frau Grimm ist eine hervorragende Klassenlehrerin und obwohl die Kinder sie sehr herausfordern, verliert sie nicht die Kontrolle, sondern bewahrt die Fassung. Scheinbar ist sie berufen für ihren Dienst an den Kindern. Mich hätte es nicht verwundert, wenn sie in eine Depression verfallen wäre. Vielleicht bemerkt sie auf der anderen Seite aber auch, wie sehr die Kids sie schätzen? Im Gegensatz zu der Erzieherin im Kindergarten, steht Frau Grimm nämlich nicht im Garten und raucht eine Zigarette nach der anderen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfand es sehr geeignet für das empfohlene Alter. Sehr viel Schabernack, der allerdings nicht aus Bosheit passiert und jede Menge Wortwitz machen das Buch charmant und amüsant. Mein Dank an alle Lehrer/innen dieser Welt die sich berufen fühlen unsere Kinder zu unterrichten und dabei ebenso liebevoll reagieren wie Frau Grimm, indem sie den Kindern das Gefühl der Wertschätzung übermitteln. Da es der erste Band einer Buchreihe ist, bin ich sehr gespannt auf die weitere Entwicklung. Wird Ezra irgendwann doch Fußball spielen dürfen, obwohl sie ein Mädchen ist? Vielleicht wäre es sinnig, das Buch gemeinsam zu lesen, denn es gibt einiges, was vielleicht erklärenswert ist. Eine rauchende Erzieherin im Kindergarten empfinde ich als unnötig und auch so einiges anderes bietet genügend Raum um ein Kind anzuleiten. Meine 7 Jährige Tochter würde sich sicherlich wundern, warum es manchen Mädchen nicht erlaubt ist, Dinge zu tun, wie z.B. Fußball zu spielen. Etwas, was für sie völlig normal ist und meiner Meinung nach nicht etwas ist, was nur Jungen vorbehalten sein soll. Man könnte es nutzen um den Unterschied der Nationalitäten zu erläutern.
Insgesamt gesehen, möchte ich "Mo und die Krümel - Der erste Schultag" eine Leseempfehlung aussprechen. Ich habe mich auf der einen Seite bestens unterhalten gefühlt, die Zeichnungen genossen, die das Buch definitiv aufgeppt haben und eine außergewöhnliche Story genossen, indem fiktives Chaos geherrscht hat. Lehrer/innen die dieses Tag für Tag aushalten und dennoch jeden Tag aufs Neue sich ihrem Alltag stellen. Danke!

Montag, 25. Mai 2015

Vergebung hat eine Macht die befreiend wirkt




Lori Nelson Spielman

Nur einen Horizont entfernt

Hardcover
Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer
ISBN: 978-3-8105-2395-2
14,99 Euro

***Von der Autorin der berührendsten Geschichte des Jahres 2014 kommt nun ein Roman über das Verzeihen, der Hoffnung macht.***

Mit zittrigen Fingern öffnet die TV-Moderatorin Hannah Farr einen Brief. Der Absender ist eine ehemalige Schulfreundin, die sie jahrelang gemobbt hat. Die Frau bittet sie nun um Vergebung. Dem Brief beigelegt sind zwei kleine runde Steine und eine Anleitung. Einen Stein soll sie als Zeichen dafür zurücksenden, dass sie ihrer früheren Klassenkameradin vergibt. Den anderen soll sie an jemanden schicken, den sie selbst um Verzeihung bitten möchte. Hannah weiß sofort, wer das sein könnte: ihre Mutter. Aber soll sie wirklich zurück zu den schmerzhaften Ereignissen von damals und die Auseinandersetzung mit dem Menschen suchen, der sie am besten kennt? Denn Hannah hat etwas getan, das das Leben ihrer Mutter für immer verändert hat … 

Manchmal ist es etwas winzig Kleines, das uns Großes tun lässt.




"Nur einen Horizont entfernt" reizte mich dadurch, da es ein echt brisantes Thema innehat, denn Versöhnung / Vergebung ist keine Leichtigkeit, vor allem, wenn die Wunden sehr tief verwurzelt sind. Nach Lesen der Leseprobe war meine Neugier erweckt. Natürlich war auch das Cover ausschlaggebend und die Tatsache, dass "Morgen kommt ein neuer Himmel" (Rezension -> HIER!) der Autorin mich sehr begeistern konnte, dass der neue Roman Platz in meinem Regal einnehmen musste. Dort blieb es allerdings nicht lange stehen, denn die Neugier gewann schnell die Oberhand. Interessanterweise stecke ich auch in einer Situation, in der das Buch nun sehr passend schien. Wer sein Leben reflektiert, wird sicherlich die eine oder andere Verletzung durch andere erlitten haben oder sogar selbst dazu beigetragen haben, jemanden gegen sich aufzubringen. Ich stecke da gerade tatsächlich fest und das Buch war genau das, was ich benötigte. Etwas zu verzeihen ist wirklich schwer und jemanden um Verzeihung zu bitten manchmal noch schwerer. Den Groll den man aufeinander hegt, kann aber auf jeden Fall hinderlich sein, sich aufeinander zu zu bewegen und ich merke, dass ich im Moment innerlich versteinere. Versteinern - Versöhnungssteine - ein Gedanke, der mir immer wieder kam und den ich sinnig finde. Diese kleine Einleitung empfand ich als nötig, um zu begründen, warum mir "Nur einen Horizont entfernt" so sehr gut gefallen hat. Natürlich ist es vorhersehbar. Natürlich trieft es mitunter vor Kitsch, aber es stecken auch jede Menge Worte im Buch, die man sich vielleicht zu Herzen nehmen sollte. Als Mensch baue ich eine Mauer um mich herum, die mir als Selbstschutz dient, damit Verletzungen an mir abprallen können oder im schlimmsten Fall hinderlich sind, mich Menschen nähern zu können, aus Angst neue Verletzungen hinzuzufügen. Hannah, unsere Protagonistin erscheint daher anfangs des Buches sehr gefühlskalt und oberflächlich, aber erst solange, bis die äußere Schale zerbricht und zu erkennen ist, was sie so hat werden lassen. Ich konnte mich komplett auf sie einlassen und wurde je mehr ich las, richtig warm mit ihr und ihrem Leben. Hannahs Vergebungsstein liegt ihr schwer im Magen, denn die Dinge die sie sagte und tat, führten zu einem Bruch mit ihrer Mutter. Es erschrak mich zutiefst, dass es Hannahs Vater gelungen ist, Hannah zu manipulieren. 

Wirklich glänzen konnte in "Nur einen Horizont entfernt" Dorothy, die trotz ihrer Blindheit vom Licht spricht und mich mit ihren Aussagen zutiefst berühren konnte,

"Ich habe mir immer vorgestellt,dass das Leben eine Höhle voller Kerzen ist, sagte sie. Bei unserer Geburt brennt die Hälfte der Kerzen. Jede gute Tat entzündet eine weitere und spendet etwas mehr Licht.Aber zwischendurch erlöschen auch Flammen durch Egoismus und Gemeinheit. Verstehst du? Einige Kerzen zünden wir an, andere blasen wir aus. Am Ende können wir nur hoffen, dass wir in dieser Welt mehr Licht als Dunkel geschaffen haben." Zitat S. 56

"Für jede Kerze, die wir löschen, entzünden wir eine neue. Welch ein Ausprobieren unser Leben doch ist! Unsere Schuldgefühle und Scham werden von Augenblicken der Demut und Gnade aufgewogen. Am Ende können wir nur hoffen, dass das von uns entzündete Licht die Dunkelheit erleuchtet." Zitat S. 315

Letztendlich vereint "Nur einen Horizont entfernt" vieles in sich, was mich als sehr emotional geprägten Menschen wirklich bewegt hat. Eine Liebesgeschichte, eine Verleumdung, echte tiefe Freundschaft und das annähern von Menschen, die miteinander gebrochen haben. Ich war am Ende des Buches mehr als zufrieden und kann auf eine Story zurückblicken, die absolut brillieren konnte. Vielleicht wird nicht jeder Leser / jede Leserin "Nur einen Horizont entfernt" die Story so wahrnehmen wie ich, denn für mich war es ein Anlass zur Reflexion, die mir sehr gut getan hat. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für eine geniale Grundidee und der Tatsache, dass ich nachdenklich, aber auch befreit zurückblicken kann. 

Sonntag, 24. Mai 2015

12. Buchpost 2015

Halli Hallo Hallöchen,
auch an diesem hoffentlich sonnigen Pfingstwochendene möchte ich zeigen, welch Schätze sich in meinem Buchregal eingefunden haben. Auch wenn mein Ziel in diesem Jahr war, weniger zu lesen, kommt es mir so vor, als würde mein Vorsatz nicht zu erfüllen sein. Wenn ich all diese wunderbaren Bücher betrachte und an ihnen schnuppere (neue Bücher verströmen einfach einen unsagbar guten Geruch), möchte ich oft sofort anfangen sie zu lesen.





Da ich an der Fischer Jahreschallenge auf Lovelybooks teilnehme, ist der Verlag dieses Mal reichlich an Büchern vertreten, denn ich versuche natürlich das eine oder andere Buch ertauschen zu können oder eben halt auch das eine oder andere Wunschlistenbuch zu kaufen. Sehr erfreut bin ich natürlich über Überraschungspost des Verlages. Vielen Dank an dieser Stelle für Tiefe Wellen und Bannwald





Ismaels Orangen ist mein aktuelles Buch. Da es vom Schreibstil sehr hochwertig ist und wirklich Konzentration erfordert, lese ich es häppchenweise, aber nicht, weil es schlecht ist, sondern meine Tage zur Zeit doch anstrengend sind und ich mich nicht mehr genügend konzentrieren kann. Diesen Schicksalroman bekam ich direkt vom Verlag zur Rezension über das Bloggerportal. Vielen Dank dafür.
Die Zutaten der Liebe und Alles Tofu, oder was? sind Bücher, die ich mir über den Jahreshauptgewinn über Lovelybooks ermöglichen konnte. Vielen Dank an den Aufbau Verlag, die ein unheimlich attraktives Angebot an Büchern boten. Auf Ellen Berg freue ich mich ganz besonders.


Wünsche euch ein tolles Pfingstwochende. Genießt die freie Zeit und lasst es euch gut ergehen.
Viele Grüße,
Mel

Donnerstag, 21. Mai 2015

Düstere Faszination Meer



Kat Rosenfield

Tiefe Wellen

Hardcover
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Schäfer
ISBN: 978-3-8414-2170-8
14,99 Euro


DAS MEER RUFT MICH. ICH KANN ES SPÜREN.

*** Nach ›Toter Sommer‹ der zweite Roman von Kat Rosenfield ***

Callie Morgan hat Angst vor dem Wasser. Ihre Mutter ist ertrunken – Unfall oder Selbstmord? Durch eine mysteriöse Krankheit steigt das Wasser auch in ihrer Lunge. Doch als ihr Vater ausgerechnet im feuchtwarmen Florida einen Job annimmt, verschwinden die Symptome. Callie findet Freunde, ein Junge verliebt sich in sie. Aber das schicksalhafte Verhältnis ihrer Familie zum Wasser scheint sie zu verfolgen.

EIN ÜBERWÄLTIGENDES BUCH: packende Erzählstimme, hypnotische Atmosphäre, ein unglaubliches Familiengeheimnis!





"Tiefe Wellen" ist regelrecht düster in seiner Grundstimmung und schon deshalb sehr faszinierend. Als Leserin bliebe ich eine ganze Weile ungewiss, wie sich die Story entwickeln wird. Nicht gleich von Beginn an, bekomme ich eine Einführung in Callies Leben, obwohl verdeutlicht wird, dass sie an einer Lungenkrankheit erkrankt ist und ihr Mutter Selbstmord begangen hat. Dieses beides kann nicht zusammenhängen, oder doch? Vermutet wurde vorerst eine psychosomatische Störung, wobei ich mir allerdings nicht erklären konnte, warum sich Callies Lungen voll Wasser saugen und dieses regelmäßig abgesaugt werden muss. Nach und nach befallen mich Verdachtsmomente und es ist ehrlich gesagt auch regelrecht gruselig, als die Bedeutung von Land und Wasser klar wird. Callie hat unheimliche Träume und mitunter ist sie klatschnass geschwitzt und brackig stinkend wie der Fluss in der Nähe ihres neuen Zuhauses.

"Tiefe Wellen" ist definitiv anders als "Toter Sommer" der Autorin. Der Jugendthriller war gelungen, dennoch wage ich zu behaupten, eine Stilveränderung des Schreibens zu bemerken. "Tiefe Wellen" nimmt ab der ersten Seite gefangen, da es nicht gleich offensichtlich ist, was mich erwartet und die düstere Spannung tut ihr übriges, um mich begeistern zu können.

Es ist schwierig ein Buch zu bewerten, ohne viel preiszugeben. Wenn ich dieses oder jene Wort einflechten würde, dann würde jede/r wissen, was ihn erwartet. Ich würde komplett die Spannung nehmen, die in diesem Roman wirklich heraus sticht, da es eine gute, solide Story ist, deren Grundfeste das Meer ist.  Klappentext, Titel und Cover sprechen eine deutliche Sprache, dennoch ist niemand wirklich vorbereitet auf das, was uns erwarten wird. Callies Vater hält Callie für schizophren und in Laramie, auf dem platten Land, wird Callie regelrecht der Atem genommen. Erst ein Umzug in die Nähe des Wassers, erzeugt, dass Callie sich fast wie ein normales Mädchen verhalten kann. Sie findet zum ersten Mal in ihrem Leben Freunde und die Krankenhausaufenthalte fallen weg. Die gruseligen Träume bleiben und bekommen nach und nach mehr Aufmerksamkeit. Die Story nimmt rapide Wendungen, die nicht nur Callie in Gefahr bringt. Das Wasser / das Meer übt eine regelrechte Faszination aus, die sich auch auf uns als Leser/in übertragen lässt.

 "Tiefe Wellen" ist ein interessantes Jugendbuch, welches ab der ersten Seite überzeugt, da es nicht offensichtlich ist, was die Faszination ausmacht und warum Callie durch ihre Lungenkrankheit ein eingeschränktes Leben führen muss. Hinzu kommt der Selbstmord ihrer Mutter, der Callie fast schon automatisch zu einer Aussätzigen macht. Grausam ist in diesem Fall die Reaktion des Vaters und der Mitmenschen um Callie herum. Es gibt auch Menschen, die Callie wohlgesonnen sind, aber das sind die wenigsten. Der Umzug tut nicht nur ihrer Lunge gut, sondern sorgt dafür, dass sich Callie zu einem ganz normalen Mädchen entwickeln kann, wenn nicht die Sehnsucht nach dem Meer so stark wäre und der Sog irgendwann die Überhand gewinnt. Das Ende ist gut gewählt und schließt ein Buch ab, welches mich erstaunt und wirklich begeistert hat. Gerne eine Leseempfehlung!

Mittwoch, 20. Mai 2015

Tiefe Einblicke in den Beruf des Killers


Malcolm MacKay

Der Killer hat das letzte Wort

Taschenbuch
Aus dem Englischen von Thomas Gunkel
ISBN: 978-3-596-03059-0
9,99 Euro

Wie schickt man einen Auftragskiller in den Ruhestand?

Frank MacLeod war der beste in seinem Fach. Überlegt. Effektiv. Skrupellos. Aber ist er immer noch der beste? Er bekommt einen neuen Auftrag. Ein Ziel. Aber diesmal wird etwas furchtbar schiefgehen. 
Der zweite Thriller nach ›Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter‹ nimmt die Leser mit auf die dunkle Seite von Glasgow. Wer zwischen die Fronten gerät, darf sich keinen Fehler erlauben. Denn Fehler sind tödlich.



"Der Killer hat das letzte Wort" ist ein anderer Thriller als erwartet und wirkt eher auf psychologischer Ebene auf den Leser ein, da haarklein das Leben eines Killers beleuchtet wird. Es hat schon eine gewisse Spannung, wenn man den Beruf des Killers genauer unter die Lupe nimmt, denn dieses wird ausführlich beleuchtet und zeigt echte Skrupellosigkeit. Der Beruf des Killers ist einsam, denn man würde nicht nur sich in Gefahr bringen, sondern auch die Menschen, die man liebt.

Frank MacLeod war der beste seines Fachs, aber durch sein persönliches Versagens eines Auftrages, zeigt sich, dass er ausgedient hat. Frank weiß genau, was nun geschehen wird und plant dieses präzise und lässt dadurch nicht nur mir den Atem stocken. Gedankengänge und Begebenheiten werden haarklein wiedergegeben, Dies führt zwar nicht dazu, dass ich mich gelangweilt habe, dennoch fehlte mir der Kick, den ein Thriller eigentlich auslösen müsste. Wirklichen Thrill wirst du also nicht erleben, obwohl die Story insgesamt super verpackt wurde, Trotzdem finde ich es ein klein wenig enttäuschend, dass dieser Roman in die Genre Thriller gepackt wurde und dieses eigentlich nicht verdient hat. Natürlich ist auf der psychologischen Ebene einiges zu erwarten, da der Beruf des Killers wunderbar dargestellt wurde und mir bewusst macht, dass ich andere Wege einschlagen muss, da mir die Skrupellosigkeit fehlt. Wer zuviel denkt macht Fehler und dieses bricht auch Frank MacLeod das Genick. Er ist raus aus dem Job und muss sich nun überlegen wie es weitergeht. Manchmal werden einem auch Entscheidungen abgenommen und da Frank weiß, wie der Hase läuft, hat er Zeit sich vorzubereiten.

Ein rotes Cover, ein aussagekräftiger Titel und ein Klappentext, der mich genügend ansprach, um das Buch lesen zu wollen. Es handelt sich hier um eine Trilogie, die aber unabhängig voneinander gelesen werden kann. Auf den ersten Band wird zwar hin und wieder ein Blick geworfen, ist aber nicht verwirrend, sondern hilfreich, um den Beruf des Killers einen noch besseren Rahmen zu liefern.

Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter

Der Killer hat das letzte Wort

Die letzte Rache des Callum MacLean - erscheint Frühjahr 2016


Von mir 4 Sterne und eine Leseempfehlung, mit dem kleinen Hinweis, sich bewusst zu sein, dass Thriller nicht immer Thriller ist. In "Der Killer hat das letzte Wort" treffen wir auf eine solide und gut aufgebaute Story, die zwar nicht 100% mitreißen kann, dennoch unterhaltsam ist. Wer sich darauf einlassen kann, wird sich wohlfühlen und sicherlich auch hier und da begeistert sein.

Dienstag, 19. Mai 2015

Keine Quantenphysik, sondern Fliegen lernen



LEA SCHMIDBAUERKRISTINA MAGDALENA HENN

Ostwind

Zusammen sind wir frei

 

Filmhörspiel
Ab 8 Jahren
1 Audio-CD, Laufzeit: 80 Minuten
ISBN: 978-3-86717-972-0
€ 9,99  
Verlag: der Hörverlag
Ostwind erobert Herzen im Galopp - Teil 1 mit den Originalstimmen
Mika ist stinksauer. Weil sie die Versetzung in die nächste Klasse nicht geschafft hat, heißt es, den Sommer lang zu büffeln – und das ausgerechnet auf dem Pferdegestüt ihrer strengen Großmutter. Doch in der dunkelsten Box des Pferdestalls findet sie dort den wilden und scheuen Hengst Ostwind, den weder die beste Springreiterin am Hof noch Mikas Großmutter bändigen können. Das wird der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, denn Mika entdeckt ihre ganz besondere Gabe: Sie spricht die Sprache der Pferde! Wird sie es schaffen – entgegen aller Widerstände – Ostwind zu zähmen?

Mit den Originalstimmen aus dem Film: Hanna Binke, Jügen Vogel, Cornelia Froboess, Detlev Buck und vielen anderen

HÖRPROBE!




"Ostwind - Zusammen sind wir stark" ist eine wirklich wundervolle Story, an deren Ende ich tatsächlich ein Taschentuch benötigte. Gestern war mein Bügeltag und ich nahm mir Zeit, um endlich das Hörspiel zu hören, von dem meine Tochter sagte: "Mama, es ist sehr traurig, aber auch ganz, ganz schön" Ich muss dazu sagen, dass mein Kind an einem Abend der letzten Woche ganz früh ins Bett gegangen ist, um die Geschichte von Mika und Ostwind endlich zu ende zu hören. Sie ist immer vorher eingeschlafen und war darüber regelrecht sauer, weil sie nicht wusste, wie die Geschichte endet.

Durch die Erzählerin wirkt das Hörspiel sehr intensiv, da sie Begebenheiten so schildern konnte, als würde man einen Film sehen. Ich spürte die tiefe Zuneigung, die Mika zu Ostwind verspürt und  es wirkt insgesamt sehr lebhaft dadurch, dass die Stimmen aus dem Film übernommen worden sind und dem Hörspiel einen Rahmen geben.Ich bin normalerweise keine Pferdenärrin wie meine Töchter, aber hier verspürte selbst ich eine ganz besondere Magie, die von Pferd und Reiterin ausgegangen sind, Es schien wie Fliegen zu sein und auch wenn Mika vorerst nicht begeistert schien ihre Ferien auf Gut Kaltenbach zu verbringen, lernt sie etwas ganz entscheidendes und das ist nicht Quantenphysik wie ihre Eltern es sich gewünscht hätten. Mika hatte zuvor keinen Kontakt zu ihrer Großmutter und wusste daher auch nicht, dass diese vor ihrem Unfall eine begnadete Reiterin war und ihr Wissen nun an andere weitergibt. Mika ist eine Pferdeflüsterin, was regelrecht magisch ist und mir unheimlich gut gefallen hat. Anstatt dem Pferd mit einer Gerte eins überzubraten, baut Mika eine Verbindung zu Ostwind auf. Obwohl sie zuvor nie geritten ist, erscheint es, als wäre sie nur dazu geboren worden. Eine Intrige scheint alles kaputt zu machen, denn Ostwind sollte schon bevor Mika ihn regelrecht verwandelt zu ungarischer Salami verarbeitet werden. Etwas, was auch lange im Raum steht und nun zu einer Wahrheit werden soll. Es hat mich zutiefst getroffen und obwohl ich wusste, dass es ja einen zweiten Teil der Story gibt, hatte ich ganz lange die Befürchtung, dass es sich bewahrheiten könnte.

In diesem Hörbuch passiert ganz viel und manchmal überschlagen sich die Ereignisse regelrecht. Mir hat es gefallen und ich gestehe, ein klein wenig habe ich mich in Mika und Ostwind verliebt, was auch schon geschah, als ich die Kinovorschau gemeinsam mit Töchterchen sah. Die Wiesen, der Wind, die Weite und das alles auf einem Pferderücken erleben, erscheint mir wirklich wundervoll zu sein. Ostwinds Stärke kristallisiert sich von Anfang an heraus und eingesperrt in seiner Box harrt er den Dingen die da kommen, bis zu dem Tag an dem Mika ihn entdeckt und eben keine Angst zeigt. Vielleicht war das der ganze Zauber, der eine besondere Freundschaft hervorrufen konnte?

Von uns eine absolute Hörempfehlung. Gemeinsam mit meiner Tochter haben wir einstimmig beschlossen, dieses Hörspiel weiterzuempfehlen, da es zum Träumen einlädt und uns wirklich begeistern konnte. Wie schon erwähnt, brauchte ich am Ende ein Taschentuch, da ich  ich so intensiv auf das Hörspiel einlassen konnte, dass es mich am Ende zu Tränen gerührt hat. Eine sehr warmherzige Geschichte, die in der Hauptrolle ein junges Mädchen und ein Pferd zeigt. Es gibt viele Nebendarsteller, die aber nur dazu dienen der Story einen Rahmen zu geben.


Vielen, vielen Dank an den Hörverlag, der uns den Wunsch nach diesem Hörspiel erfüllt hat. Es war ein tolles Hörerlebnis, auf das wir uns komplett einlassen konnten und den Wunsch nach einem eigenen Pferd erneut hat aufleben lassen ☺


Pferde verstehen Bilder, schick ihm ein Bild von dem was du willst, das er tut. Wenn er dir richtig vertraut, kannst du eine Gedanke denken und er folgt dir. Und wenn er es nicht tut, macht er nicht den Fehler, sondern du. In der Legende sind Pferd und Schläfer für einander bestimmt. Trotzdem musst du ihm lernen ein guter Anführer zu sein. Ihr seid eine Herde.
- Ostwind





Montag, 18. Mai 2015

Samba für Frankreich



Delphine Coulin

Samba für Frankreich


Gebunden mit Banderole, 268 Seiten
Aufbau Verlag
978-3-351-03593-8

16,95 € 



„Ein großes Buch.“ Le Monde

Für Samba Cissé ist Paris nur scheinbar das Paradies: Als Flüchtling droht ihm jeden Tag die Abschiebung nach Mali. Mit Hilfe seines Onkels Lamouna gelingt es ihm jedoch, sich jenseits der glamourösen Boulevards von Paris durchzuschlagen. Bis er der schönen Kongolesin Gracieuse begegnet, in die er sich sofort verliebt. Doch sie ist einem anderen Mann versprochen – seinem Freund Jonas. 

Ein bewegender, tiefmenschlicher Roman – die Vorlage für den gleichnamigen französischen Erfolgsfilm mit Omar Sy, der durch seine Rolle in „Ziemlich beste Freunde“ Weltruhm erlangte.


Leseprobe auf der Verlagsseite verfügbar!




"Samba für Frankreich" ist ein sehr bewegendes Buch, welches das aktuelle Zeitgeschehen sehr trifft und mir wirklich nah ging. Wer sich in Samba hineinversetzen kann, wird einen jungen Mann antreffen, dessen eigentliches Ziel ist endlich anzukommen. Zuhause zu sein, eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen und endlich arbeiten zu können. Samba würde sein Gesicht verlieren, sollte er in sein Heimatland Mali ausgewiesen werden. Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und Paris scheint all das zu bieten, was Samba sich wünscht, wären da nicht die vielen Sorgen und Nöte, die einen Flüchtling das Leben schwer machen. Vielleicht ist de Kehrseite der Medaille für uns lehrreich um aufzuzeigen, wie schwierig sich das Leben gestaltet, wenn man gestrandet und heimatlos ist. Nur geduldet und nicht zuhause. Die Familie in Mali sitzt dir im Nacken, da sie hohe Erwartungen an dich stellen und nur darauf warten, Zahlungen zu erhalten, die ihnen ein besseres Leben ermöglichen können. Sie können nicht sehen, wie oft sich Samba demütigen und klein machen muss, um selbst genügend zu essen zu haben. Es steckte eine große Hoffnung in der Flucht, die sich aber schnell zerschlug, denn es ist nicht einfach in einem fremden Land Fuß zu fassen. Für mich als Leser war dies äußerst authentisch dargestellt und ging mir wirklich nah.

"Samba für Frankreich"ist ein solider Roman, der definitiv bewegt und nachdenklich stimmt. Ich fand die Stimmung im Buch sehr gut eingefangen und konnte mich trotz der wirklich schmerzlichen und oft auch traurigen Begebenheiten sehr gut darauf einlassen. Natürlich gab es auch schöne und amüsante Momente, aber die Wahrheiten, die mich manchmal auch erschreckten, überwogen komplett. Da das Buch auch verfilmt wurde, ist klar, dass ich mir den Film unbedingt ansehen möchte, um herauszufinden, ob mich der Film in Bildern noch mehr bewegen kann als das Buch, welches schon sehr viel bewirkt hat. Ich vergebe gerne eine Leseempfehlung für einen Roman, der aufzeigt, wie schwer es für Asylbewerber / Flüchtlinge ist ihre Gewohnheiten, ihr Zuhause zu verlassen, um woanders neu anzufangen, um dabei auch ihre Familie zu unterstützen. Samba wird definitiv nichts geschenkt, weder an Zuneigung, noch an Finanzierung. Er schlägt sich durch sein neues Leben und scheitert leider auch oft. In "Samba für Frankreich" finden wir keine Friede - Freude - Eierkuchenwelt, sondern nackte Tatsachen, die aufzeigen, wie schwer das Überleben auch in einem Land wie Frankreich sein kann. Hier wird nichts beschönigt, sondern unverblümt das Leben eines jungen Mannes aufgezeigt, der nichts hat und es ihm auch sehr schwer gemacht wird, überhaupt etwas zu bekommen. Ich würde mir wünschen, dass dieser Roman die Aufmerksamkeit bekommen würde, die er verdient.

Samstag, 16. Mai 2015

Unsympathisch



ASHLEY REAM


30 Tage und ein ganzes Leben

 

Originaltitel: Losing Clementine
Originalverlag: William Morrow
Aus dem Amerikanischen von Alexandra Baisch 
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Taschenbuch, Klappenbroschur, 416 Seiten 
ISBN: 978-3-442-74611-8
€ 12,99  
Verlag: btb

Clementine beschließt zu sterben. In 30 Tagen will die erfolgreiche Malerin, die für ihre Kunst ebenso bekannt ist wie für ihre Scharfzüngigkeit, ihrem Leben ein Ende setzen. Nachdem die Antidepressiva im WC entsorgt worden sind, bleibt ihr noch genau ein Monat, um das eigene Ableben zu organisieren. Schließlich will Clementine kein Chaos hinterlassen: ein letztes großes Bild malen, sich mit dem Ex aussprechen und ein neues Zuhause für den Kater finden. Ihre letzten Tage will sie genau so verbringen, wie sie es will – und nicht wie andere es von ihr erwarten. Doch dabei stößt Clementine auf ungeahnte Hindernisse - und nach 30 Tagen ist nichts mehr so, wie es vorher war ...



Leider konnte mich "30 Tage und ein ganzes Leben" nicht so begeistern wie erhofft, denn ich empfand Clementine die Protagonistin als äußerst unsympathisch und sehr egoistisch. Manchmal wandelt sich der erste Eindruck im Laufe des Buches, aber hier blieb mein Gefühl bis zum Ende und konnte mich nicht mehr überzeugen. Natürlich kann ich einiges in Clementines Gefühlschaos nachvollziehen, da es eindeutig menschlichen Charakter hat und auch mich in Depressionen gestürzt hätte, dennoch fehlte mir eindeutig der Bezug zur Protagonistin. Es war mir vor dem Lesen klar, dass Clementine aus dem Leben scheiden will und dieses präzise planen wird. Ich hatte dennoch gehofft, dass es einige schöne Momente geben wird und vielleicht auch den einen oder anderen Lacher meinerseits. Gefunden habe ich leider nichts davon, sondern eine Frau kennengelernt, mit der ich einfach nicht warm wurde.
Clementine will geordnet aus dem Leben scheiden und plant dieses ganz genau, um denen, die sie dann letztendlich finden, so wenig Arbeit wie möglich zu machen. Ihren Freunden und anderen, erzählt sie, dass sie an Krebs erkrankt ist und baut diese Lüge immer weiter aus. Sie feiert Abschiede und sucht noch eben mal ihren Vater, der sie als Kind verlassen hat, um eine neue Familie zu gründen. Es tun sich echte Abgründe auf, wenn man Clementines Leben beleuchtet und es verwunderte mich also nicht, dass Clemetine gefühlsmäßig abrutscht und in schwere Depressionen verfällt. Hinzu kommt die Kunst, in der Clementine wirklich erfolgreich scheint. Ehrlich gesagt habe ich nicht so ganz begriffen, warum Clementine ihrem Leben ein Ende bereiten will. Ist sie einfach lebensmüde? Hat die Depression sie voll im Griff? Fehlt ihr einfach der Halt?
Auch wenn ich von der Story nicht überzeugt war, liest sich das Buch recht schnell, was am angenehmen Schreibstil lag. Beeindruckt hat mich letztendlich nur der Anhang im Buch, denn dort war das zu finden, was ich im kompletten Buch vermisst habe. Dort stoßen wir auf 30 Tage, die wir schöner gestalten könnte, wenn wir dieses oder jenes in unser Leben einplanen würden. Wer am Tag mindestens 3 Menschen anlächelt, wird definitiv ein Lächeln zurück bekommen und das ist etwas, was ich an Schönheit und Wohlbefinden im Buch vermisst hatte.

Von mir gibt es eine eingeschränkte Leseempfehlung für den Roman "30 Tage und ein ganzes Leben" . Die Meinungen der anderen Leser, wenn man sich mit anderen Rezensionen zu dem Buch beschäftigt, deuten komplett darauf hin, dass wir Menschen unterschiedliche Wahrnehmungen haben. Was mir nicht gefällt, kann dich ja auch überzeugen. Mich hat "30 Tage und ein ganzes Leben" letztendlich nicht überzeugen können, aber vielleicht habe ich meine Erwartungen, die Leseprobe, Cover und Klappentext vorgegaukelt haben, zu hoch geschraubt?



Donnerstag, 14. Mai 2015

Die Kellnerin und der Schauspieler - Romantischer Kitsch?




Eversea - Ein einziger Moment


Verlag: Egmont-LYX
Seiten: 352
ISBN: 978-3-8025-9743-5
9,99 Euro

Als Jack Everseas Freundin und Filmpartnerin ihn mit ihrem neuen Regisseur betrügt, flüchtet sich der angesagte Jungschauspieler in das Örtchen Butler Cover in South Carolina.
Er braucht Zeit zum Nachdenken, Ruhe vor der Presse und vor all den Menschen, die denken, sie wüssten, was das Beste für ihn und seine Karriere ist. Doch gleich am ersten Abend stolpert er über die junge Kellnerin Keri Ann: Zwar lässt diese sich von einem skandalumwitterten Promi nicht beeindrucken, aber trotzdem sprühen von der ersten Sekunde an zwischen den beiden die Funken - auch wenn sie wissen, dass ihre Liebe eigentlich unmöglich ist ...




"Eversea - Ein einziger Moment" entführt uns in das Örtchen Butler Cover, dort, wo sich alle Menschen kennen und schätzen, zumindest kam es mir so vor. Jack Eversea sucht Ruhe, Stille und Zeit um sich darüber klar zu werden, was er im Leben erreichen will. Bisher hat ihm das Leben eher übel mitgespielt, zumindest klingt es nach und nach heraus, sobald wir uns weiter im Buch vorantasten. 
Kerri Ann, unsere Protagonistin wirkt vom ersten Moment an sehr sympathisch. denn sie bleibt sich selbst treu, auch wenn Jack Eversea ihr den Kopf zu verdrehen scheint. Da sie sich nicht auf die Tatsache fixiert, dass Jack reich und berühmt ist, ist dies sicherlich auch ein Anstoß, die Jack lehren sich komplett fallen zu lassen. Was am Anfang als netter Zeitvertreib für Jack wirkt, entwickelt echte Intensivität, die, die Buchseiten förmlich knistern lassen. Normalerweise stört mich sexuelle Anziehungskraft in Romane extrem, da das Ziel miteinander zu schlafen oft eine eigene Macht entwickelt. In "Eversea - Ein einziger Moment"habe ich es eher als schön empfunden, da sich nicht nur Begierde und Leidenschaft herauskristallisiert, sondern Sexualität als etwas sehr Schönes dargestellt wird. Für mich ist dieses kein Spoiler, da es völlig normal erscheint und sich von Anfang an klar definiert, dass sich eine Verliebtheit zumindest aus Kerri Anns Sicht einstellen wird. Dies ist doch auch die Erwartung, die wir an das Buch haben, oder? Attraktiver Typ verirrt sich in eine Kleinstadt und trifft auf Kellnerin, die normalerweise nicht in sein Beuteschema passt. Da aber Kerri Ann durch andere Vorzüge glänzen kann, als Reichtum und Schönheit, wirkt sie schön und andere, die über optische Schönheit verfügen, verblassen regelrecht. Vielleicht ist Kerri Ann einfach das, was Jack in seinem Leben vermisst hat? Echte Authentizität, Offenheit und eine junge Frau, die sich selbst treu bleibt? In meinen Augen konnte Kerri Ann wirklich glänzen.
"Eversea - Ein einziger Moment" ist der erste Band eines Mehrteilers und endet deshalb nicht offensichtlich, sondern hinterlässt uns als Leser/innen mit einer riesigen Portion Hoffnung, dass sich das, was sich zwischen Jack und Kerri Ann entwickelt hat zu einem positiven Ende finden wird. Ich bin auf jeden Fall in freudiger Erwartung auf "Eversea - Und die Welt bleibt stehen", welches im September 2015 erscheinen wird.
Was bleibt ist ein gutes Gefühl und eine Leseempfehlung für einen Liebesroman, der mich begeistern konnte. Ein absolutes Wohlfühlbuch zum Dahinschmelzen und Träumen.